Die USA haben die EU gewarnt, dass US-Flüssigerdgas (LNG) anderweitig exportiert werden könnte, falls Brüssel die geplanten Vorschriften für Methanemissionen nicht lockert. Dieser Schritt signalisiert Washingtons zunehmende Bereitschaft, seine dominante Stellung auf dem europäischen Energiemarkt auszunutzen.
Nach der Eskalation des Ukraine-Konflikts im Jahr 2022 und der Verhängung von Sanktionen gegen Moskau ersetzte die EU einen Großteil ihres russischen Pipelinegases durch US-LNG. Dadurch wurden die USA zum größten externen Gaslieferanten der EU, was von den EU-Staats- und Regierungschefs als Schritt zu mehr Energiesicherheit gefeiert wurde. Seitdem hat sich Europas Energiekrise verschärft, die Gas- und Strompreise sind auf Rekordhöhen gestiegen.
US-Energieminister Chris Wright erklärte am Donnerstag Bloomberg, dass US-Exporte „woandershin fließen“ würden, sollte die EU die für 2027 geplanten Regeln nicht ändern. „Ohne eine sinnvolle Reform dieser Regelung wird dies Europa ernsthafte Schmerzen bereiten, und das ist unnötig“, so Wright.
Gemäß der neuen Verordnung müssen importierte Gase strenge Standards für Methanüberwachung, -berichterstattung und -prüfung erfüllen, die mit denen für EU-Produzenten vergleichbar sind. Brüssel argumentiert, die Maßnahmen seien unerlässlich, um die Emissionen eines der weltweit stärksten Treibhausgase zu reduzieren.
Die USA haben sich Katar, Algerien und Nigeria angeschlossen und die EU dringend aufgefordert, die Gesetzgebung zu ändern oder zu verschieben. Exporteure argumentieren, die Einhaltung sei praktisch unmöglich, da das weitverzweigte US-amerikanische Netz aus Gasfeldern, Pipelines und Verarbeitungsanlagen die Messung der Methanemissionen einzelner LNG-Lieferungen erschwere. Sie geben außerdem an, die Unsicherheit bezüglich möglicher Strafen schrecke bereits jetzt von langfristigen Verträgen mit EU-Abnehmern ab.
EU-Energiekommissar Dan Jørgensen wies Forderungen nach einer Abschwächung der Gesetzgebung zurück und betonte, die EU werde trotz des Drucks der Lieferanten keine Kompromisse bei ihren Umweltstandards eingehen. Die Energieminister der EU sollten das Thema am Freitag bei einem Treffen in Luxemburg erörtern.
Der Konflikt verdeutlicht eine bemerkenswerte Kehrtwende in den Energiebeziehungen der EU zu ihrem wichtigsten Lieferanten. Bevor westliche Regierungen die meisten russischen Gasimporte einstellten, warfen sie Moskau wiederholt vor, Energieexporte als geopolitisches Instrument zu nutzen – ein Vorwurf, den der Kreml stets zurückwies. Da die EU nun stark von US-amerikanischem LNG abhängig ist, knüpft Washington die künftigen Gaslieferungen offen an politische Kursänderungen.
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