Ein monatelanger Ausverkauf bei Staatsanleihen gerät zunehmend auf gefährliches Terrain. Die steigenden Finanzierungskosten nähern sich Niveaus, bei denen Experten befürchten, dass sie letztlich die Aktienmärkte und die US-Wirtschaft belasten könnten. Das berichtet das Wall Street Journal am Freitag. 

Die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen, die bei fallenden Anleihekursen steigen, legten am Donnerstag erneut deutlich zu. Gründe waren der neuerliche Anstieg der Ölpreise, über den Erwartungen liegende Inflationsdaten auf Großhandelsebene sowie das Versprechen von Präsident Donald Trump, den jedem erwachsenen US-Bürger im Falle eines Wahlsiegs der Republikaner und des Erhalts ihrer Kongressmehrheit einen Scheck über 5.000 Dollar auszuzahlen. Das Versprechen könnte das US-Haushaltsdefizit um mehr als eine Billion Dollar erhöhen.

Die Anleiherenditen steigen bereits seit Ende Juni. Auch die Bemühungen von Finanzminister Scott Bessent, den Anstieg durch verstärkte Rückkäufe langfristiger Staatsschulden einzudämmen, konnten den Trend bislang nicht stoppen. Der Anleihemarkt hat inzwischen mehrere Meilensteine erreicht, die seit Monaten oder sogar Jahren nicht mehr verzeichnet worden waren. Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe kletterte bereits auf den höchsten Stand seit 19 Jahren.

Baufinanzierungen, Studienkredite und Unternehmensanleihen – die Zinssätze nahezu aller Schuldenarten sind eng an die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe gekoppelt. Diese steht nun kurz davor, die Marke von fünf Prozent zu erreichen – erst zum zweiten Mal seit der Finanzkrise 2008/09.

Sam Stovall, Chef-Anlagestratege bei CFRA Research, erwartet nichts Gutes, sollte die Rendite auf fünf Prozent steigen. „Ich denke, dass fünf Prozent eine psychologisch wichtige Schwelle sind, oberhalb derer die Anleger zunehmend besorgt sein dürften“, sagte er. „Das könnte zu einer weiteren Schwäche an den Märkten führen.“

Steigende Renditen von US-Staatsanleihen verteuern nicht nur Kredite für Verbraucher und Unternehmen, sondern machen Anleihen auch für Anleger attraktiver, die andernfalls in riskantere Anlagen wie Aktien investieren würden.

Bislang hat sich der Aktienmarkt davon kaum beeindrucken lassen. Die Börsen notierten das ganze Jahr über nahe ihren Rekordständen – trotz des Krieges im Nahen Osten und der in den USA wieder leicht anziehenden Inflation. Starke Unternehmensgewinne halfen den Aktien, diese Belastungen zu verkraften. Zuletzt geriet die Rallye jedoch ins Stocken: Alle drei großen US-Indizes liegen in diesem Monat im Minus.

Für Anleiheinvestoren erinnert der Anstieg der Renditen an den Herbst 2023. Damals kletterte die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe ebenfalls über 4,9 Prozent und erreichte kurzzeitig sogar fünf Prozent. Als diese Schwelle überschritten wurde, setzte jedoch eine heftige Anleiherallye ein, die die Rendite wieder unter 4,9 Prozent drückte.

Auch diesmal könnten einige Anleger darauf warten, dass die Rendite die Fünf-Prozent-Marke erreicht, bevor sie wieder verstärkt Anleihen kaufen. 

Hinzu kommt der anhaltende Konflikt zwischen den USA und Iran, der nach Einschätzung vieler Beobachter noch Jahre dauern könnte. Er dürfte die Energiepreise auf absehbare Zeit hoch halten, die allgemeine Inflation weiter antreiben und damit den Druck auf die US-Notenbank erhöhen, die Zinsen anzuheben.

In der vergangenen Woche erklärte Fed-Gouverneur Christopher Waller, er werde für stabile Zinsen plädieren, wenn die Kerninflation im August wie erwartet um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat steige. Anleger orientieren sich jedoch stärker an den Aussagen von Fed-Chef Kevin Warsh, der zuletzt vor anhaltend hoher Inflation gewarnt hatte. Die nächste Sitzung der US-Notenbank Fed findet am 15. und 16. September 2026 statt.

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