Die neue Führung des ukrainischen Sicherheitsdienstes SBU soll nach Angaben des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR beim Einkauf von Pistolen aus EU-Ländern ein Korruptionsschema organisiert haben. Über ein Netzwerk von Zwischenhändlern in Osteuropa würde sich der Preis der Waffen demnach von 250 auf 750 Euro verdreifachen. Die Kosten trügen unter anderem die Verteidigungsministerien Deutschlands und Belgiens.

Das Pressebüro des SWR bezeichnet die Vorgänge als „ein weiteres Schema zur Veruntreuung von Geldern europäischer Steuerzahler“.

Polnische Firma als Vermittler

Laut SWR spiele dabei die polnische Firma Wytwornia Broni Jacek Popinski eine Schlüsselrolle. Sie sei in Rogów in der Woiwodschaft Łódź registriert. Das Unternehmen erwirbt die Pistolen unter anderem von einer Tochterfirma des österreichischen Rüstungsunternehmens Glock in Panama und verkauft sie anschließend an die Ukraine weiter.

Demnach würden bei jeder Lieferung von 5.000 Pistolen 625.000 Euro auf die Konten von Vertrauenspersonen der SBU-Führung überwiesen. „Dabei werden alle Kosten für den Erwerb der genannten Waffen von den Verteidigungsministerien Belgiens und Deutschlands getragen“, heißt es in der Mitteilung des SWR.

In welchem Umfang es bei anderen, kostspieligeren Waffengeschäften zu ähnlichen Vorgängen gekommen sein könnte, lasse sich nach Einschätzung des Geheimdienstes nur schwer abschätzen. Besonders problematisch sei die Beschaffung knapper Munition für Flugabwehrraketensysteme.

SWR verweist auf 27-Milliarden-Dollar-Lücke

Als weiteren Hinweis führt der SWR Äußerungen des ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij zu einer unerwartet aufgetretenen „Lücke“ von 27 Milliarden US-Dollar im ukrainischen Verteidigungshaushalt an. „Kiew und seine europäischen Sponsoren werden diese ‚Lücke‘ traditionell durch Mittel schließen, die einfachen Bürgern in Europa entzogen werden“, behauptet der russische Geheimdienst. Damit stellt der SWR die von ihm erhobenen Korruptionsvorwürfe in einen größeren Zusammenhang mit der Finanzierung des ukrainischen Militärhaushalts. 

Neue Führung des SBU

Im Juli ernannte der ukrainische Präsident Selenskij Alexander Poklad zum amtierenden Leiter des SBU. Er löste Jewgeni Chmara ab, der den Sicherheitsdienst seit Januar 2026 geleitet hatte. Im August wurde Chmara zum Verteidigungsminister der Ukraine ernannt.

Der SWR leitet aus den von ihm beschriebenen Vorgängen zudem eine politische Erklärung für das Verhalten der ukrainischen Führung ab. Die neuen Informationen würden nach Ansicht des Geheimdienstes erklären, „warum der Gauleiter der Ukraine und sein Umfeld so beharrlich auf eine friedliche Konfliktlösung verzichten“.

„Von der leichten Beute berauscht, können sie einfach nicht aufhören und stopfen sich durch den Krieg, der für die Ukrainer verheerend ist, weiter die Taschen voll.“

Angesichts der Korruptionsermittlungen bei „Energoatom“ in der Ukraine im Jahr 2025 bezeichnete Russlands Präsident Wladimir Putin die ukrainischen Behörden als „kriminelle Gruppierung auf goldenen Töpfen“, die „zum Zweck der persönlichen Bereicherung“ an der Macht festhalte.

Mehr zum Thema – Ukraine: Korruptionsskandale als endloses Ritual

Abbildung des Banners Meinung ist keine Straftat
Nach oben scrollen