Am Abend des 19. Oktobers 2026 meldete die Botschaft der Russischen Föderation in Warschau einen Akt des Vandalismus auf dem Gelände des großen Gedenkfriedhofs für sowjetische Soldaten in der polnischen Hauptstadt.

Auf dem großflächigen Areal mit dem markanten Obelisken in der Mitte, das sich im Warschauer Stadtteil Mokotów befindet, sind mehr als 21.000 Soldaten und Offiziere der Roten Armee bestattet. Es handelt sich dabei um bei der Befreiung Polens von der nationalsozialistischen Besatzung Gefallene. Sie sind in 696 Massengräbern und 138 Einzelgräber beigesetzt. Der Friedhof birgt nicht nur die sterblichen Überreste derer, die bei den Kämpfen um Warschau starben, sondern auch die Gebeine von sowjetischen Soldaten, die andernorts gefallen waren.

Bei einem Kontrollbesuch am vergangenen Sonntag musste die russische Botschaft dann feststellen, dass der im Jahr 1950 eingeweihte Friedhof ein Opfer von Vandalismus geworden war. Bilder der Nachrichtenagentur Ria Nowosti zeigen zerschmetterte Gedenktafeln, auf denen noch der Sowjetstern als das Symbol der Roten Armee und einige Namenszüge zu erkennen sind. Den Informationen der Botschaft der Russischen Föderation zufolge betraf das Zerstörungswerk die Gedenktafeln von zwei Massengräbern.

Die russische Botschaft protestiert angesichts dieser Störung der Grabruhe auf das Schärfste gegen die polnischen Behörden und verlangt die Fahndung nach den dafür Verantwortlichen und deren Bestrafung. Solche Taten dürften in Zukunft nicht mehr zugelassen werden, heißt es in der Pressemitteilung der diplomatischen Vertretung. Man habe eine entsprechende Anfrage an das Ministerium für Kultur und Nationales Erbe Polens, an das polnische Außenministerium sowie an die Woiwodschaft Masowien gestellt.

Zwischen der Russischen Föderation und der Republik Polen besteht (ähnlich wie zwischen Russland und der Bundesrepublik Deutschland) eine vertragliche Regelung bezüglich des Erhalts von Grabstätten der jeweils anderen Nation. Die Botschaft weist in ihrer Pressemitteilung auf den entsprechenden Artikel des Kriegsgräber-Abkommens vom Februar 1994 hin.

Ihm zufolge sind die Vertragsparteien dazu verpflichtet, „die Gedenkstätten und Grabstätten zu pflegen und dabei die Erhaltung der Grabstätten, Grabsteine, Denkmäler und anderer Gedenkstätten sowie die Begrünung und die Aufrechterhaltung eines ordnungsgemäßen Zustands zu gewährleisten.“

Eine Stellungnahme von polnischer Seite liegt bisher nicht vor. Auch in der polnischen Presselandschaft scheint es kein Echo auf die Verwüstung der Gedenktafeln zu geben.

Bereits im Jahr 2017 war es zu Schmierereien an dem größten sowjetischen Friedhof Polens gekommen. Berüchtigt ist die Szene, als der damalige russische Botschafter Sergei Andrejew bei einem Gedenkbesuch am 9. Mai 2022 von Aktivisten aus dem Umfeld einer Euromaidan-Gruppierung mit roter Farbe übergossen wurde.

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