Bei der Vielzahl von Militärübungen, die aktuell stattfinden oder geplant sind, kann man schon schnell den Überblick verlieren. Viele von Ihnen haben aber eines gemeinsam – sie finden unmittelbar an der Grenze zu Russland statt und sind für den Fall eines Krieges mit dem östlichen „Feind“ konzipiert. Im Rahmen einer Übung für NATO-Spezialeinsatzkräfte trainiert auch die Bundeswehr derzeit im Baltikum.

Wie die Bundeswehr in einer Pressemitteilung bekannt gab, trainierten deutsche Spezialkräfte derzeit mit der Übung „Silver Dagger“ im Rahmen der NATO-Großübung „Flaming Sword 2026“ in Zusammenarbeit mit litauischen Militärs den Einsatz hinter feindlichen Linien. Die mittlerweile abgeschlossene Übung umfasste drei Wochen im Mai.

Wie Brigadegeneral Torsten Glockzin, der Direktor der Spezialkräfte der Bundeswehr, erklärte, ging es bei dem Manöver darum, möglichst einsatznah zu üben: „Wir üben hier mit dem Partner, mit dem wir auch im Bündnisfall kämpfen würden, so nah an der Realität wie möglich, Seite an Seite gegen den Feind.“

Das Übungsszenario ging dabei von einer feindlichen Besetzung des Baltikums zwanzig Tage nach Kriegsausbruch aus. Teile von Estland und Litauen sind in diesem Szenario besetzt. Der Feind rückt auf Vilnius vor, für die NATO-Einheiten ist der Weg nach Süden abgeschnitten und die NATO hat die Lufthoheit über dem Operationsgebiet verloren. Die NATO-Spezialkräfte würden sich dann jedoch auf feindlich besetztem Gebiet befinden und Spezialaufklärung betreiben.

Im Bundeswehr-Jargon bedeutet das die Identifikation sogenannter „Hochwertziele“ (zum Beispiel feindliche Gefechtsstände) oder des militärischen Führungspersonals des Gegners. Die Tätigkeiten der Spezialaufklärung sollen dabei dessen Gefangenennahme oder sogenannte „Präzisionsschläge“ vorbereiten. Gemeint ist wohl eine Entführung oder Tötung feindlicher Generäle. Ein weiterer Aufgabenbereich für die NATO-Soldaten hinter den feindlichen Linien liegt in der „Zerstörung kritischer Infrastruktur wie Radaranlagen, Strommasten und Brücken“.

Es sind also Sabotageakte geplant, die es für das eigene – noch gehaltene – Gebiet zu verhindern gilt. Dementsprechend übten die Bundeswehrsoldaten auch den Zugriff auf einen feindlichen Saboteur, einen Überläufer aus den eigenen Reihen, der unter Verdacht steht, einen Angriff mit chemischen oder biologischen Waffen durchzuführen. Teil der Übung war es, den Überläufer im vom Feind besetzten Teil Litauens dingfest zu machen und in das von der NATO kontrollierte Gebiet zu verbringen. Der Zugriff erfolgte dabei aus der Luft.

Beteiligt waren an der Übung die Eliteeinheit der Bundeswehr, das Kommando Spezialkräfte (KSK), des Weiteren das Hubschraubergeschwader 64, die Binationale Lufttransportstaffel Rhin/Rhein, das Lufttransportgeschwader 62 sowie das Operative Führungskommando der Bundeswehr.

Auch wenn Russland nicht konkret genannt wird, lässt die Stellungnahme von Brigadegeneral Glockzin keinen Zweifel daran, gegen wen sich die hier trainierten Aktionen im Ernstfall richten würden: „Litauen ist einer der Eckpfeiler des deutschen Engagements in der NATO. Unsere litauischen Partner haben bei Flaming Sword realistische Übungsbedingungen geschaffen, basierend auf den Kriegserfahrungen der Ukraine und mit möglichst wenig Übungskünstlichkeiten, die dem besonderen Stellenwert Litauens als NATO-Frontstaat gerecht werden.“ 

Neben „Flaming Sword“ und „Silver Dagger“ finden an der NATO-Ostflanke derzeit noch weitere Übungen von NATO-Einheiten nahe der russischen Grenze statt.

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