Die vierte Hitzewelle des Sommers 2026 rollt ab Dienstag über die Schweiz. Temperaturen von 38 bis nahezu 40 Grad werden erwartet – und das auf ausgedörrtem Boden. Der Rhein führt so wenig Wasser wie seit Jahren nicht, die Waldbrandgefahr ist hoch, und in weiten Teilen des Landes gelten bereits strikte Feuer- und Grillverbote.

Umweltminister Albert Rösti wehrt sich gegen den Vorwurf, der Bund habe die Entwicklung unterschätzt. Die aktuelle Lage zeigt jedoch, dass die bestehenden Maßnahmen nicht ausreichen, um mit immer häufigeren Extremperioden umzugehen.

Laut aktuellen Prognosen von MeteoSchweiz und privaten Wetterdiensten steigen die Temperaturen ab Dienstag verbreitet über die 31-Grad-Marke. Am Donnerstag könnten Basel und Genf die Marke von 39 bis 40 Grad erreichen. Die Nächte bleiben warm, die Böden sind bereits stark ausgetrocknet. Gewitter der vergangenen Tage haben lokal etwas Entspannung gebracht, aber keine nachhaltige Erholung der Wasserreserven.

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Die Folgen der Trockenheit zeigen sich entlang des Rheins besonders deutlich: freigelegte Kiesbänke, eingeschränkte Schifffahrt, reduzierte Stromproduktion an Laufkraftwerken und sinkende Pegelstände in Seen. Schweizer Medien haben über diese Entwicklung in den vergangenen Tagen intensiv berichtet. Nun hat sich Bundesrat Albert Rösti zu den Vorwürfen geäußert.

Der Umweltminister weist den Vorwurf zurück, der Bund habe die Trockenheit verschlafen.

„Man darf und soll die Natur nie unterschätzen“, sagte er.

Der Bund verfüge über Strategien, Fachstäbe und ein Trockenheitsmonitoring. Konkrete Maßnahmen wie Feuerverbote lägen jedoch in der Verantwortung der Kantone und Gemeinden – und das sei richtig so, weil die Situationen regional stark unterschiedlich seien.

Rösti plädiert für ein dreistufiges Vorgehen, bei dem Risikogebiete identifiziert, Bewirtschaftungspläne für die Wasserressourcen erarbeitet und Notfallpläne bereitgehalten werden. Speicher allein reichten nicht aus. Entscheidend sei die Senkung des Wasserbedarfs durch effizientere Bewässerung, trockenheitsresistentere Kulturpflanzen und eine standortangepasste Landwirtschaft. Trinkwasser habe dabei immer Priorität.

Zur Stromversorgung gibt sich der Bundesrat beruhigt. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission beurteile die Versorgungssicherheit für den kommenden Winter trotz tieferer Speicherseen als gewährleistet. Der hohe europäische Gaspreis wirke derzeit stärker auf die Versorgungssicherheit als die inländische Hydro- und Kernkraftproduktion – eine Folge des Iran-Konflikts und der blockierten Straße von Hormus.

In praktisch allen Kantonen gelten Einschränkungen oder komplette Verbote für offene Feuer, Holzkohlegrills und private Feuerwerke. Städte wie Zürich und Winterthur haben allgemeine Feuerverbote im Freien erlassen. Viele Kantone, darunter Bern, Luzern, Solothurn und Thurgau, haben kantonale Feuerwerksverbote verhängt. Diese Maßnahmen werden voraussichtlich auch über den 1. August hinaus gelten.

Mit den Feuerverboten reagiert die Schweiz zwar auf die akute Gefahr ‒ doch sie machen zugleich deutlich, dass das eigentliche Problem tiefer reicht. Die Wasserknappheit ist längst keine vorübergehende Erscheinung mehr, sondern Teil einer Entwicklung, die sich seit dem Winter 2025 immer deutlicher abzeichnet.

Die Schweiz gilt traditionell als Wasserschloss Europas. Diese Rolle wird allerdings zunehmend infrage gestellt. Über Rhein, Rhone und Ticino fließt weniger Wasser ins Ausland, während Landwirtschaft und Bergregionen die Folgen spüren. Die Erträge gehen zurück, und die Alpsaison verkürzt sich. Rösti betont, dass die Nachbarländer die klimatischen Ursachen anerkennen und die Zusammenarbeit funktioniere. Zudem steigt der Druck, die eigenen Wasserressourcen sorgfältiger zu nutzen und langfristig zu sichern.

Besonders betroffen ist die Landwirtschaft. Der Bundesrat arbeitet an einem Gesetz, das neue Züchtungstechnologien erleichtern und damit die Entwicklung widerstandsfähigerer Sorten beschleunigen soll. Ob dies jedoch genügt, ist ungewiss. 

Die ab morgen einsetzende Hitzewelle wird den Druck auf die Wasserressourcen weiter erhöhen. Die Feuerverbote bleiben in Kraft, die Rheinschifffahrt ist weiterhin eingeschränkt, und Landwirte müssen mit zusätzlichen Ertragseinbußen rechnen. Rösti verweist auf die föderale Aufgabenteilung. Der Bund beobachtet die Situation und stimmt die Maßnahmen ab, während die Kantone vor Ort handeln. Langfristig müsse der Wasserbedarf sinken.

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