Wie die Nachrichtenagentur TASS und andere russische Medien heute bekannt gaben, musste das Russische Haus im moldawischen Chișinău seine Tätigkeit einstellen. Ein zwischenstaatliches Abkommen zwischen der Russischen Föderation und Moldawien über die Errichtung und den Betrieb von Kulturzentren war am 4. Juli 2026 endgültig ausgelaufen. Die Schließung des Russischen Hauses in der moldawischen Hauptstadt fügt sich damit in eine Kette gesamteuropäischer Anfeindung gegen russische Kulturinstitutionen und Künstler ein.
Rossotrudnitschestwo-Leiter Igor Tschaika erklärte, dass man sich weiterhin für Möglichkeiten des interkulturellen Dialogs und des gegenseitigen Verständnisses einsetzen werde. Die Agentur werde über die russische Botschaft in Moldawien weiterhin präsent sein, etwa im Bereich der internationalen humanitären Zusammenarbeit. Der russische Botschafter in Moldawien Oleg Oserjow hatte im Vorfeld der Schließung bereits kundgetan, dass die Botschaft nach Möglichkeit die kulturelle Vermittlung fortsetzen werde.
Die Möglichkeit eines Studiums für moldawische Studenten an einer russischen Universität werde fortbestehen, so Tschaika weiter. Er glaube fest daran, dass die moldawischen Bürger ihr Interesse an der russischen Sprache, Kultur und Wissenschaft nicht verlieren werden.
Auf der Homepage von Rossotrudnitschestwo verwies Tschaika auf die gemeinsame Vergangenheit Russlands und Moldawiens im Kampf gegen den Faschismus: „Sie werden die Heldentaten ihrer Großväter und Urgroßväter, die im Großen Vaterländischen Krieg den Sieg errungen haben, nicht vergessen und sich den Versuchen widersetzen, nicht nur unsere gemeinsame Geschichte, sondern auch die Gegenwart und die Zukunft zu verfälschen.“
Auch das Russische Haus in Chișinău drückte sein Bedauern über die erzwungene Schließung aus und verabschiedete sich von seinen Besuchern. Es hatte seit seiner Eröffnung im Jahr 2009 bestanden. Grundlage seiner Tätigkeit war ein bilaterales Abkommen aus dem Jahr 1998 gewesen, dessen Aufkündigung die moldawische Regierung im Februar 2025 angekündigt hatte. Das 2001 in Kraft getretene Kulturabkommen war zuletzt am 4. Juli 2021 verlängert worden.
Die moldawische Seite begründete ihr Vorgehen gegen die russische Kulturinstitution mit der „aktuellen geopolitischen Lage“. Es sei zu befürchten, dass das Abkommen mit Russland – sollte es fortbestehen – zur Verbreitung „verzerrter Narrative“ missbraucht werde, die die Informationssicherheit des Landes gefährden würden. Außerdem gebe es in Russland keine moldawische Entsprechung zum Russischen Haus in Chișinău. Allerdings besitzt Moldawien nirgendwo im Ausland eine derartige offizielle Kultureinrichtung.
Nachdem im November 2025 eine Mehrheit im moldawischen Parlament einer Kündigung des Abkommens über den Betrieb des Russischen Hauses zugestimmt hatte, unterzeichnete Präsidentin Maia Sandu Anfang Dezember desselben Jahres trotz öffentlicher Proteste in Chișinău, bei denen rund 4.000 Unterstützerunterschriften für den Weiterbetrieb gesammelt worden waren, ein entsprechendes Dokument.
In Moldawien leben Hunderttausende russischer Muttersprachler. Weitaus mehr der knapp drei Millionen Moldawier sprechen Russisch fließend. Russisch fungiert in der südosteuropäischen Republik als Verkehrssprache zwischen unterschiedlichen Ethnien.
Die Beziehung des offiziellen Moldawiens zu Russland ist seit der Abspaltung Transnistriens angespannt. Seit Jahren steht Moldawien unter zunehmend westlichem Einfluss. Den Beginn des Ukrainekrieges 2022 hatten die moldawischen Behörden zum Anlass genommen, russische Fernsehprogramme und Websites zu sperren – trotz des fortbestehenden Interesses eines Großteils der Bevölkerung am russischen Medienangebot.
Mehr zum Thema – Russisches Haus in Prag lädt ein: Alle Neuigkeiten und Benachrichtigungen nun auf Telegram

