Die NATO prüft für den Fall eines militärischen Konflikts mit Russland Angriffe auf Ziele weit hinter der Front. Wie das Wall Street Journal berichtet, könnten dazu Militärbasen, Flugplätze, Nachschubdepots, Rüstungsbetriebe und strategische Infrastruktur auf russischem Territorium gehören.
Die als „Deep Strike“ bezeichnete Konzeption sieht vor, Ziele in einer Entfernung von mehreren Hundert bis mehreren Tausend Kilometern mit weitreichenden Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen zu bekämpfen. Im Juni wurde sie auf einem speziellen NATO-Symposium zu Angriffen über große Entfernungen und in die Tiefe des gegnerischen Raums erörtert.
Dem Bericht zufolge geht es dabei nicht allein darum, Truppen anzugreifen, die Bündnisgrenzen überschreiten könnten. Auch Einrichtungen im russischen Hinterland, die militärische Operationen ermöglichen und unterstützen, würden als mögliche Ziele betrachtet.
Die Strategie soll dazu dienen, einen Vormarsch aufzuhalten, weitere Angriffe zu vereiteln und die Fähigkeit des Gegners zur Fortsetzung der Kampfhandlungen zu beeinträchtigen.
Als mögliche Waffensysteme nennt die Zeitung Tomahawk, ATACMS, Storm Shadow, SCALP und Taurus. Allerdings verfügen die europäischen Bündnisstaaten bislang nicht über ausreichende Bestände an weitreichenden Waffen. Der Ausbau der Produktion würde Zeit benötigen.
Die NATO wertet laut WSJ auch die Erfahrungen mit ukrainischen Angriffen auf russische Einrichtungen aus. Die Umsetzung entsprechender Planungen würde jedoch gesonderte politische Entscheidungen voraussetzen. Aus der militärischen Prüfung möglicher Optionen folgt somit noch kein Beschluss, solche Angriffe durchzuführen.
Moskau hat Behauptungen über russische Angriffspläne gegen NATO-Staaten wiederholt zurückgewiesen. Präsident Wladimir Putin bezeichnete entsprechende Äußerungen westlicher Politiker als Versuch, die eigene Bevölkerung einzuschüchtern und höhere Militärausgaben zu rechtfertigen.
Kremlsprecher Dmitri Peskow warf dem Bündnis seinerseits eine „ungezügelte Militarisierung“ vor. Die Darstellung Russlands als Bedrohung diene dazu, die Anhebung der Verteidigungsausgaben der Mitgliedstaaten auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu begründen, erklärte er.
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