„Mehr als 100 Passagiere sitzen in einem ICE, als der Zug in einem Tunnel plötzlich in Brand gerät“, so die theoretische Notfallinformation samt vorheriger Planung im Rahmen einer groß angelegten Rettungsübung in Thüringen. Das erhoffte Ziel der verantwortlichen Landesbehörden und beteiligten Akteure lautete, „die besonderen Tunneleinsätze zu üben und die Zusammenarbeit zu vertiefen.“ Laut Informationen von In Südthüringen (Bezahlschranke), „hätte es viele Tote gegeben, wenn es echt gewesen wäre.“ Bei dem Übungsverlauf waren demnach die erforderlichen Einsatzkräfte „massiv zu spät gekommen.“ 

Ausgangspunkt für die Informationen der eingeladenen Presse zum simulierten Katastrophenfall war eine „Nebenfläche an der Landesstrasse „L 1047 gegenüber der Zufahrt zum Rettungsplatz“. Bei der angekündigten Großübung „mit mehr als 250 Einsatzkräften im 1.320 Meter langen Sandbergtunnel bei Traßdorf im Ilm-Kreis“ sollte laut Ankündigung des Pressebüros der Thüringer Landesregierung ein „simulierter Brand eines ICE mit rund 100 Fahrgästen“ begleitet werden können.

Laut Medienberichten von In Südthüringen und der Bild-Zeitung sollen jedoch die ersten Einsatzkräfte den Tunnel „erst zwei Stunden und sieben Minuten“ nach dem ersten Notruf erreicht haben. Vorgesehen gewesen sei laut dem ausgearbeiteten Katastrophenplan hingegen „eine Ankunft innerhalb von 10 bis 25 Minuten“.

Am Ende gab es bei den Einsatzkärften vor Ort „ein erschütterndes Fazit“, so ein Feuerwehrexperte gegenüber dem Portal In Südthueringen. So lautete die ernüchterne Erkenntnis nach Übungsende:

„Wäre das hier echt, wären längst alle tot.“

Laut Angaben des SPD-geführten Thüringer Ministeriums für Inneres, Kommunales und Landesentwicklung sollte die enge Zusammenarbeit „von Feuerwehr, Rettungsdienst und weiteren beteiligten Organisationen“ geübt und vorgeführt werden. Den Medienberichten zufolge waren die Abläufe jedoch „bei dem simulierten Rettungseinsatz chaotisch“.

Entsprechend dem ursprünglichen Übungsszenario sollte der Lokführer des ICE laut Zeitplan um 10:15 Uhr die Notfallzentrale der Deutschen Bahn in Leipzig über einen Brand im Zug informieren. Weiter heißt es zum erhofften Ablauf:

„Gleichzeitig sollte gemeldet werden, dass der Zug im Sandbergtunnel zum Stehen gekommen ist. Von dort hätte die Information an die Rettungsleitstelle Mittelthüringen im Ilm-Kreis weitergegeben werden müssen. Diese wiederum sollte die weiteren Leitstellen verständigen, damit die für Tunnelbrände vorgesehenen Feuerwehren alarmiert und in Marsch gesetzt werden.“

An dieser Leitstelle soll es dann „offenbar zu Problemen“ gekommen sein. Dazu heißt es im In Südthüringen-Artikel:

„Bis zum Samstagnachmittag war bekannt geworden, dass die Rettungsleitstelle Mittelthüringen erst zwischen 10:45 und 10:50 Uhr von der Bahn über den brennenden Zug informiert worden sei. Anschließend verstrich weitere Zeit, bis die Feuerwehren tatsächlich alarmiert wurden. Nach Angaben aus dem Umfeld der Übung dauerte es nochmals rund 30 Minuten, ehe die Alarmierungen erfolgt waren.“

Das Thüringer Innenministerium teilte in ersten Stellungnahmen gegenüber der Presse mit, dass die Übung nicht nur gezeigt habe, „was funktioniert – sondern auch, wo Abläufe erheblich verbessert werden müssen.“ Bei der Alarmierung und beim Eintreffen „der neun vorgesehenen Tunnelbasiseinheiten sei es ‚zu erheblichen Verzögerungen‘ gekommen“, so die Bild-Zeitung zitierend. „Dadurch konnte die Rettung der Fahrgäste erst deutlich später beginnen als vorgesehen.“ Dazu heißt es im In Südthüringen-Artikel:

„Insbesondere am Nordportal des Tunnels sei deutlich weniger Unterstützung angekommen als erwartet. Ein Beobachter vor Ort schilderte, dass erst 12:22 Uhr, also über zwei Stunden nach dem ersten Alarm, die ersten Kräfte des Rettungsdienstes eingetroffen seien.“

Die Abläufe müssten nun laut den Katastrophenplanern „sorgfältig ausgewertet“ sowie „die Ursachen der Verzögerungen“ gefunden werden, so das Ministerium in seiner Erklärung.

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) und Ilm-Kreis-Landrätin Petra Enders (parteilos) waren demnach bei der Übung vor Ort. Besonders Enders soll laut einem Bericht von Focus online „erschüttert gewesen sein.“ Immer wieder habe sie nach den Ursachen der Verzögerungen gefragt und sich dabei gewundert, „warum die Rettungskette nicht in Gang kommt.“ Final habe sie die Übung dann verlassen und sei persönlich zur Rettungsleitstelle gefahren, „um sich dort selbst ein Bild zu machen“, so Medienberichte.

Weitere Presseinformationen lauten, dass auch die vorgesehen Warnmeldungen „über die Apps NINA und Katwarn während der Übung“ nach Angaben von Verantwortlichen vor Ort „nicht alle vorgesehenen Nutzer erreicht“ hätten.

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