Die jüngst erfolgte Übernahme des Milchriesen Danone durch die Australia’s Made Group, bekannt für seine Protein-Smoothies, Kokoswasser und proteinreichen Joghurt-Linien, folgt dem zeitgeistigen Trend in Richtung Proteinnahrungsmittel.

Ein weiterer Marktführer der Lebensmittelbranche, Lactalis, hatte die British Protein Works geschluckt.

Was steckt hinter diesem Aufruhr?

„Big Food“ produziert hiermit nichts weniger als menschliches Trockenfutter“, proteinreiche, ballaststoffreiche Nährstoffe, angereichert mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen.

Nestlé hat eine neue Produktlinie unter der Marke Vital Pursuit entwickelt und eine komplett neue Ernährungsplattform auf den Markt gebracht, die Ernährungsberatung, Nahrungsergänzungsmittel und spezialisierte Produkte anbietet, die sich auf Muskelerhalt, Darmgesundheit, Flüssigkeitszufuhr, essentielle Nährstoffe und langfristiges Gewichtsmanagement konzentrieren.

Danone etwa hat in diesem Segment Oikos Fusion eingeführt, ein Milchgetränk, das Molkenprotein und Vitamin D enthält, um Muskelmasse aufzubauen und zu erhalten. Man könnte also denken, es ginge um Sporternährung, nein, es hängt vielmehr mit der schnell wachsenden Nutzung von Ozempic zusammen.

Medikamente zur Änderung des Konsumverhaltens

GLP-1-Agonistenmedikamente wie Ozempic, Wegovy, Mounjaro und Zepbound verändern das Konsumverhalten. Über 60 % der Nutzer geben weniger für Essen aus und kaufen weniger Lebensmittel. Ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt, werden diese Medikamente heute weit verbreitet zur Gewichtskontrolle eingesetzt, da sie die Verdauung verlangsamen und dem Gehirn signalisieren, den Hunger zu reduzieren.

Doch mit der zunehmenden Beliebtheit von Ozempic-Medikamenten stehen sie auch im Zusammenhang mit verringerter Muskelmasse sowie Mangel an wichtigen Nährstoffen wie Vitamin B und D, Kalzium und Eisen sowie einer langsameren Verdauung.

Ernährungsgiganten griffen also schnell ein, um die Lücke zu schließen. Nestlé und Danone behaupteten, sie könnten das Problem rasch lösen, indem sie Produkte entwickelten, die speziell auf Menschen zugeschnitten sind, die GLP-1-Medikamente einnehmen, insbesondere angesichts des schnellen Wachstums des Ozempic-Marktes.

Im Jahr 2025 hatten allein in den USA fast 12 % der Amerikaner diese zur Gewichtskontrolle verwendet, obwohl sie häufige Nebenwirkungen wie Übelkeit und Durchfall erlitten hatten, so RAND. Laut Goldman Sachs könnten bis 2028 bis zu 70 Millionen Amerikaner Ozempic und ähnliche Abnehm-Medikamente einnehmen.

Nicht zur Gewichtskontrolle entwickelt

Ozempic wurde ursprünglich jedoch nicht zur Gewichtskontrolle entwickelt, denn Fettleibigkeit kann auf genetische Ursachen, ungesunde Ernährung, körperliche Inaktivität, hormonelle Ungleichgewichte und andere Gesundheitsprobleme zurückzuführen sein. Keine dieser Ursachen wird jedoch von diesem Medikament behandelt, während seine Nebenwirkungen die Ergebnisse sogar verschlechtern können.

Die Protein-Smoothies, Pulver und Tiefkühlgerichte von Big Food bestehen jedoch aus isolierten Nährstoffen werden aber als ultraverarbeitete Lebensmittel (UPFs) klassifiziert. Forschungen haben UPFs bereits mit metabolischen Schäden in Verbindung gebracht, was darauf hindeutet, dass sie die natürliche Matrix des Lebensmittels stören.

Im weiteren Sinne können künstliche Lebensmittel und strenge Portionskontrolle durch verpackte UPF-Mahlzeiten alles beeinflussen, von der körperlichen bis zur psychischen Gesundheit. Eine vom März 2026 auf der MDPI-Website veröffentlichte Studie verbindet UPFs mit schlechteren psychischen Gesundheitsergebnissen, einschließlich höherem Vorkommen von Depressionen, Angstzuständen und kognitivem Abbau.

Was also, wenn die großen Lebensmittel das Problem überhaupt nicht lösen?

Eliminiert man das zeitgeistig schnörkelige Marketing, so wirkt das Modell recht einfach. Big Pharma verkauft das appetithemmende Medikament, Big Food die nährstoffangereicherte Umgehung, und Verbraucher werden zwischen zwei Branchen gezwängt, die dasselbe kaputte Lebensmittelsystem monetarisieren.

Vielleicht will Big Food das Problem gar nicht lösen, sondern vielmehr dabei behilflich sein, das Nächste, im Sinne von Big Pharma, zu schaffen.



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