Von Oleg Issaitschenko

Wie das russische Verteidigungsministerium mitteilt, haben die russischen Streitkräfte in der Nacht von Samstag auf Sonntag Verteidigungsanlagen und Logistikzentren getroffen, die die ukrainische Armee mit Raketenwaffen, Drohnen und Treibstoff versorgten. Nach Angaben der Behörde waren Unternehmen in Kiew und dessen Region die Hauptziele.

So trafen die Angriffe in der ukrainischen Hauptstadt die Werke „Radioniks“, „Spezoboronmasch“ und „Meridian“, das Unternehmen „Oakline“ sowie das Sortierzentrum von „Nowaja Potschta“ (Neue Post). In der Region Kiew wurde ein Logistikkomplex zerstört, der Bauteile für Langstrecken-Drohnen verteilte.

Das Nachrichtenportal Strana berichtet, dass die russischen Luftstreitkräfte innerhalb von 40 Minuten insgesamt etwa 40 ballistische Raketen auf Kiew abgefeuert hätten. Wladimir Selenskij bezeichnete den Angriff bereits als einen der schwersten. Seinen Angaben zufolge seien neben den Raketen auch 120 Angriffsdrohnen an dem Angriff beteiligt gewesen.

Innerhalb nur einer Woche wurden der Einsatz von rund 1.450 Drohnen, über 1.640 gelenkten Bomben und 99 Raketen verzeichnet. Bei dieser Gelegenheit betonte Selenskij sofort die dringende Notwendigkeit regelmäßiger Lieferungen westlicher Luftabwehrsysteme. Sewerion Dangadze, Entwicklungsleiter des Rüstungsunternehmens UKRTAC, erklärte:

„Der heutige russische Raketenangriff hat das Werk und die Lagerhäuser des ukrainischen Unternehmens UKRTAC, eines großen Herstellers von militärischer Ausrüstung, zerstört.“

Er bezeichnete den Angriff als „die größte Tragödie in der Geschichte des Unternehmens“. Nach Ansicht des Militärexperten Juri Knutow sei der Angriff in der Nacht zum Sonntag tatsächlich einer der stärksten gewesen. Er hebt hervor, dass zum größten Teil Betriebe getroffen worden seien, die Drohnen und Raketen herstellen.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums trafen die Angriffe das Kiewer Aggregat- und Teilewerk der Radioelektronikindustrie (GmbH „Radioniks“), wo die Raketen FP-5 „Flamingo“ hergestellt wurden. Diese hätten eine Reichweite von bis zu 3.000 Kilometern und einen Sprengkopf mit einem Gewicht von bis zu einer Tonne, so Knutow. Er fügt hinzu:

„Außerdem wurden in dem Werk ATACMS-Äquivalente hergestellt – die operativ-taktischen Raketen FP-7 und FP-9. Letztere durchläuft übrigens derzeit Testphasen. Nach vorliegenden Angaben hat sie eine Reichweite von 850 Kilometer und trägt einen Sprengkopf von 800 Kilogramm. Der Gegner beabsichtigt, Moskau und Sankt Petersburg mit dieser Waffe zu beschießen.“

Dort wurden auch Bauteile für die „Neptun-MD“-Raketen montiert. Es handelt sich um eine Schiffsabwehrrakete, die auf der Grundlage sowjetischer Entwicklungen entstanden ist, später jedoch unter Einbeziehung westlicher Spezialisten modernisiert wurde. Auf der Liste der hergestellten Produkte stehen auch Radarsysteme für die MiG-29, die die ukrainischen Truppen zur Abwehr russischer Marschflugkörper und Drohnen einsetzen.

Darüber hinaus führten die russischen Luftstreitkräfte Angriffe auf die Betriebe „Spezoboronmasch“ und „Artjom“ durch – beide Werke stellten verschiedene Steuerungssysteme für Drohnen her. Ein weiterer Angriff richtete sich gegen die Produktionsstätte „Kiew-90“ (GmbH „Meridian“, benannt nach S. P. Koroljow). Knutow präzisiert:

„Dort wurden nicht nur Komponenten für die ‚Neptun-MD‘-Raketen hergestellt, sondern auch Gehäuseteile aus Verbundwerkstoffen.“

„Oakline“, bei dem ebenfalls Raketeneinschläge registriert wurden, produzierte Komponenten für Langstrecken-Drohnen vom Typ „Deep Strike“, so der Analyst. Er erklärt weiter:

„Der Gegner behauptet, Russland habe insgesamt etwa 25 ‚Iskander‘-Raketen, zehn ‚Zirkon‘-Raketen und rund 125 Drohnen abgefeuert. Und alle trafen, wie wir sehen, Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes.“

Seinen Worten zufolge haben die russischen Streitkräfte nicht zufällig den Schwerpunkt auf ballistische Raketen gelegt. Knutow hebt hervor:

„Ballistische Raketen sind effektiver – sie sind schwer abzufangen und treffen ihre Ziele garantiert. Und angesichts der Tatsache, dass die ukrainischen Streitkräfte objektive Probleme mit der Luftabwehr haben, steigt die Wirksamkeit der Angriffe erheblich.“

Ob der nächtliche Angriff der Beginn systematischer ballistischer Schläge sein wird, wird die Zeit zeigen. Der Experte meint:

„Vieles wird von den Kapazitäten des russischen Rüstungskomplexes abhängen. Wenn eine für massive Schläge ausreichende Anzahl von Raketen produziert wird, könnte sich diese Taktik durchsetzen. Und die Wirksamkeit wird von Mal zu Mal höher sein.“

Wie dem auch sei, es werde deutlich, dass dies bei weitem nicht der letzte Schlag gegen Kiew ist. Knutow ist überzeugt:

„Der Gegner hat sich für eine terroristische Taktik entschieden – er greift zivile Einrichtungen, Rettungswagen, Wohnheime und Lagerhäuser von Wildberries an. Gleichzeitig folgt Russland einer nachvollziehbaren Logik: Die Angriffe richten sich ausschließlich gegen Objekte des Rüstungskomplexes und zielen auf ein konkretes Ergebnis ab. Und allem Anschein nach werden wir dies bis zum vollständigen Sieg fortsetzen.“

Der Militärkorrespondent Alexander Koz weist seinerseits darauf hin, dass das Werk Artjom bereits in den Jahren 2022, 2024 und 2025 angegriffen wurde. Er schreibt auf seinem Max-Kanal:

„Wir haben die Produktionshallen für ‚Luft-Luft‘-Raketen und die ‚Olcha‘-Linie getroffen. Anfang Juli 2026 haben wir ‚Radioniks‘ ausgeschaltet. Damals schien es so, als wäre alles vorbei, auf Wiedersehen, ‚Flamingo‘. Es stellte sich jedoch heraus, dass noch nicht alles vorbei war. Das heißt, wir schlagen erneut zu. Ein kumulativer Effekt, wie im Boxen – man schlägt auf die Leber ein, bis es klappt.“

Der Analyst weist zudem darauf hin, dass „Nowaja Potschta“, auf die in der vergangenen Nacht ebenfalls Angriffe verübt wurden, ihre ursprüngliche Funktion längst verloren hat: „Über diesen Knotenpunkt (Nowaja Potschta) wurden Bauteile für Drohnen der ukrainischen Streitkräfte aus Europa geliefert.

Tarasowka, ‚Antel Properties‘. Ein unauffälliges Lager im Bezirk Butscha. Laut Unterlagen – eine Immobilie. In Wirklichkeit – ein Montagewerk für Aggregate für Langstrecken-Drohnen. Ukrainische Quellen behaupten, dass sich dort ein Lager einer ‚US-amerikanischen Firma‘ befand. Na so was. Was für eine Überraschung!“

Manche Leute in Kiew würden immer noch glauben, dass der Einsatz von ‚Flamingo‘-Raketen und ‚Deep Strike‘-Drohnen unbestraft bleiben würde, schreibt der Militärkorrespondent Alexander Sladkow auf seinem Max-Kanal und fügt hinzu:

„Sie glaubten, dass man unsere Städte bombardieren kann, während die eigenen Werkstätten unter einer Glaskuppel bleiben. Das ist jedoch nicht der Fall.“

Sladkow bezeichnet den nächtlichen ballistischen Angriff als einen „russischen Low-Kick“ und präzisiert:

„In den Kampfkünsten ist das ein Tritt gegen die Hüfte des Gegners. Er wird immer wieder ausgeführt, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist.“

In Fortsetzung dieser Analogie weist der Experte darauf hin, dass eine Reihe solcher Schläge unweigerlich zunächst zu Schmerzen führt und anschließend entweder dazu, dass der Gegner den Kampf aufgibt, oder zu einem gesundheitsbedingten Ausscheiden. Vor diesem Hintergrund stellte er sich die Frage, welches Szenario die militärisch-politische Führung Russlands bevorzugen würde – einen vernichtenden Schlag direkt gegen Kiew zu führen, der eine hohe Konzentration der Kräfte und ein umstrittenes Risiko erfordert, oder „lange und schmerzhaft zuzuschlagen, den ukrainischen Rüstungskomplex und die Nachschublinien der ukrainischen Streitkräfte bis zum K.o. zu zermürben, aber nicht in Kiew aufzutauchen“.

Seiner Meinung nach sind beide Optionen denkbar, wenn auch mit gewissen Vorbehalten. Dabei gebe es bereits „kleine, aber erkennbare Anzeichen dafür, dass den ukrainischen Streitkräften die Puste ausgeht“.

Unterdessen sprechen sich die erwähnten Experten einstimmig dafür aus, die Angriffe auf Kiew fortzusetzen. Die Autoren des branchenbezogenen Telegram-Kanals „Rybar“ fassen die Situation wie folgt zusammen:

„Es bleibt wichtig, das Tempo nicht zu drosseln: Die sowjetischen Betriebe, auf denen der ukrainische Rüstungskomplex heute aufbaut, sind so konstruiert, dass es schlichtweg unrealistisch ist, sie mit ein paar Schlägen außer Gefecht zu setzen. Wenn man also zuschlägt, dann muss man das häufiger, präziser und in größerem Umfang bis zur vollständigen Vernichtung tun.“

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 19. Juli 2026 zuerst auf der Website der Zeitung „Wsgljad“ erschienen.

Oleg Issaitschenko ist Analyst bei der Zeitung „Wsgljad“.

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