Im letzten Teil des Interviews durch Nima Alkhorshid spricht Alex Krainer an, was Vasallenstaaten blüht, falls sie sich blind auf die umstrittenen Ratschläge ihrer Feudalherren verlassen. Russland in den 90-er Jahren und im Anschluss die Ukraine wären genau eine solche Falle getappt.

Alex Krainer: „Es sollte gelten den US-Dollar unter seinem
eigenen Momentum auseinanderfallen zu lassen!“ – Teil 4

Nima Alkhorshid: Der Gouverneur der iranischen Zentralbank ließ verlauten, dass der Iran der Neuen Entwicklungsbank [NDB] von BRICS, wie sie genannt wird, beitreten werde. Es scheint, dass macht den Iran reif, um sich in das System von BRICS noch stärker einzubringen.

Wie sehen Sie die künftige Entwicklung des Petrodollars? Denn der Krieg in Westasien wird sich auf die Volkswirtschaften der GCC-Länder auswirken, weil sie von den Transportbeschränkungen durch die Straße von Hormus sowie auch Bab al-Mandab enorm unter Druck gesetzt werden!

BRICS wäre dazu bestimmt, diese Probleme zu lindern. Das jüngste Sanktionsregime richtet sich sowohl gegen den Iran als auch gegen Russland: Erst hatte man jene Maßnahmen nur Russland zugedacht, doch dann hat man einfach den Iran noch dazu gepackt. Wie beurteilen Sie die Zukunft des Petrodollar und die Möglichkeit der BRICS-Staaten sich im Zuge der Ereignisse neu zu definieren und jenen Prozess zu beschleunigen?

Alexander Krainer: Ich denke, dass diese Feindseligkeit der Westmächte gegenüber Russland, China und dem Iran sowie all den anderen, die aus der Reihe tanzen, …

… deren Entschlossenheit nur noch verstärken wird, um sich aus dem westlichen System durch eine Rettungsaktion zu befreien!

Ich bin überzeugt, dass die Saudis unter MBS, das sehr genau verstehen. Sie mögen ein repressives Regime darstellen bzw. autoritär, undemokratisch, korrupt oder was auch sonst noch sein, doch ich glaube nicht, sie wären einfältig:

Sie verstehen sehr gut, dass es im Grunde einen Weg in den Ruin darstellt, ein Vasall des westlichen Imperiums zu bleiben!

Erst kürzlich hat JD Vance sinngemäß verkündet, dass die Iraner, falls sie den Vereinigten Staaten vertrauen würden, zur wohlhabendsten Nation im Nahen Osten aufsteigen könnten.

Doch die Ukrainer haben den Vereinigten Staaten genau ein solches Vertrauen geschenkt. Seit ihrer Unabhängigkeit im Jahr 1991 bis zum Putsch im Jahr 2014 haben sie sich vollständig an alles gehalten, was der Westen ihnen vorgeschrieben hatte:

  • Sie setzten die Wirtschaftspolitik, die ihnen die Weltbank und der IWF auferlegt hatte, so gut sie konnten um!
  • Sie umgaben sich mit all diesen [fragwürdigen] westlichen Beratern, Bankern und Konzernherren, die ins Land kamen, um ihnen [vermeintlich] zu helfen!

Doch das Ergebnis war, dass die Ukraine in Bezug auf ihr Wirtschaftswachstum über den Zeitraum von 1991 bis 2014 unter allen Nationen der Welt auf den letzten Platz abrutsche:

 Die ukrainische Wirtschaft schrumpfte um ganze 25 Prozent!

Das scheint unglaublich, denn die Ukraine startete von einer sehr starken Basis aus in Bezug auf die Bereiche Energie, Metallurgie und andere Industriezweige. Sie hatte direkten Zugang zum Schwarzen Meer mit Häfen, die an Russland und Westeuropa angrenzen. Das ergab eine fast ideale Lage, um als Industriemacht und Handelsknotenpunkt als Brücke zwischen Ost und West zu stehen. Stattdessen wurde die Ukraine in eine der ärmsten und korruptesten Nationen der Welt verwandelt:

Das hat die Ukraine im Grunde dadurch erreicht, dass sie den Ratschlägen des Westens gefolgt ist!

Sie vertraute den Vereinigten Staaten [Gelächter]: JD Vance redet nur Unsinn, doch ist sich dessen bewusst. Ich gehe davon aus, dass kein Blödmann zum Vizepräsidenten gemacht würde. Er dürfte also verstehen, wie die Dinge tatsächlich liegen. Die Iraner haben absolut Recht, den USA nicht zu trauen. Jedenfalls, ist das eine Erfahrung, die jede kolonialisierte Nation auf der Welt unter der Herrschaft westlicher Kolonialmächte machen musste. Die Kolonisatoren haben nirgendwohin Wohlstand hinterlassen. Doch Sie verweisen gerne auf Eisenbahnen, die man gebaut hätte: Doch das geschah nur, um die Ressourcen zu den westlichen Märkte abtransportieren und in Pfund, Dollar oder was sonst dort vermarkten zu lassen.

Die Iraner taten gut daran den Westmächten nicht zu trauen und haben absolut Recht, Widerstand zu leisten. Auch Russland erlebte in den 1990er Jahren, als man den Vereinigten Staaten folgte, …

… die längste jemals verzeichnete Depression des gesamten 20. Jahrhunderts!

Die Hälfte der russischen Bevölkerung rutschte unter die Armutsgrenze und musste bitterste Armut erleiden:

Das BIP brach um ca. 50% ein und die Lebenserwartung von Männern sank auf unter 58 Jahre. Im Vergleich zum Bevölkerungswachstum davor gingen in den 1990er Jahren Russland zwischen drei und fünf Millionen Menschen verloren!

Das Durchschnittsgehalt in Russland im Jahr 1999 lag bei etwa 56 Dollar im Monat.

[Anmerkung der Redaktion: Während die USA das Land ausplünderten und sich die Taschen vollstopften, konnten sie unter Präsident Clinton das erste und einzige Mal seit 30 Jahren ihrer bisher notorisch defizitären Finanzgeschichte (seit 1972) dank Währungs- & Finanzmanipulationen zu Lasten von Russland über drei Jahre erstmals wieder einen positiven US-Bundeshaushalt darstellen! Der Westen hat seither Jahr für Jahr hunderte Milliarden an USD aus Russland abschöpfen lassen.]

Nima: Bevor wir zum Schluss kommen: Die Ukraine steht vor neuen Problemen, denn dieser Winter wird sich anders gestalten als jene der vier Jahre zuvor. Den Unterschied macht Russland, indem es mit Blockaden von Odessa und Nikolajew Druck und Kontrolle auf die Ukraine ausübt. Die Exporte kommen zum Erliegen. Sie versuchen nun diese über Rumänien umzulenken, doch es werden ihnen dabei Grenzen gesetzt…

Wohin wird das alles Ihrer Meinung nach führen?

Alexander Krainer: Ich meine, das wird auf den unvermeidlichen Zusammenbruch der Ukraine und deren Kapitulation hinauslaufen:

Russland gewinnt diesen Krieg!

Ich glaube, dass wir davon nicht mehr sehr weit entfernt sind. Vielleicht wird es noch in diesem Jahr geschehen. Ich halte es zugleich für sehr wahrscheinlich, dass eine Migrationswelle aus der Ukraine, wie auch aus Afrika über Europa hereinbrechen könnte:

Für die Europäer zeichnet sich so etwas wie ein „perfekter Sturm“ ab!

Alles, worüber wir gesprochen haben, fällt zusammen: Steigende Schulden, Ungleichgewichte bei den Haushalten und dergleichen. Das gilt umso mehr für Europa. Ich habe dazu amerikanische und europäische Bankdaten verglichen und gehe davon aus, dass sie korrekt sind:

Amerikanische Banken sind rund 20-fach verschuldet – europäische Banken hingegen etwa 30-fach. Das heißt, falls eine amerikanische Bank 5% faule Kredite auswiese, müsste sie zusammenbrechen. Natürlich wird sie das nicht, aber so sollte es sein. Europäische Banken müssten dagegen bei schon 3% faulen Krediten zusammenbrechen. Das werden sie auch nicht – aber warum?

Weil die Zentralbanken Geld drucken, um all die faulen Kredite aufzufangen. Das bedeutet, dass die Europäische Zentralbank um etwa die Hälfte schneller Geld zu drucken hätte (als die Federal Reserve), um zu verhindern, dass das System zusammenbrechen würde. Das bedeutet wiederum, dass:

  • der Inflationsdruck in Europa stärker ausfallen würde als in den USA!
  • die Zinssätze in Europa schneller nach oben gehen würden als in den USA!

Europa wird sich in eine Welt von Schwierigkeiten verstricken!

Dazu kommen Probleme im Zusammenhang mit den Wahlen in Frankreich, Deutschland und Großbritannien, wo das Chaos völlig außer Kontrolle zu geraten scheint. Als ob ein neuer Premierminister noch irgendetwas ändern könnte: Im Vereinten Königreich kam es erst zu Rishi Sunak, dann Keir Starmer und jetzt haben wir Andy Burnham – eine farblose Figur, wobei ich mich kaum noch an seinen Namen erinnern konnte…

Seit den 1980er Jahren gab es im Vereinigten Königreich ein Kabinett nach dem anderen, aber die Politik blieb stets die gleiche. Dabei zerfällt das soziale Gefüge und die Wirtschaft bricht zusammen. Der einzige Klebstoff, der das ganze Imperium noch zusammenhält, ist in der Tat nur noch der Petrodollar. Ich denke, dass dies auch für Russen und die Chinesen ganz offensichtlich wurde. Daher glaube ich, dass…

… der Einsturz des Petrodollars ein wichtiges Ziel im Widerstand gegen das Imperium zu sein hätte!

Allerdings werden Russen oder Chinesen diesbezüglich zu nicht allzu aggressiven Maßnahmen, um den Petrodollar vorsätzlich einstürzen zu lassen, greifen. Das brauchen sie gar nicht, denn der Petrodollar wird ohnehin implodieren! Für unsere Zuschauer ist es wichtig zu verstehen, dass der Großteil der heute im Umlauf befindlichen US-Dollar – schätzungsweise 60% – außerhalb der Vereinigten Staaten zirkuliert. Es handelt sich somit nicht nur um ein Problem des US-Finanzsystems…

 … sondern um ein Problem der ganzen Welt!

Sehr viele Länder halten ihre Währungsreserven in US-Dollar und haben ihre Pensionsfonds in US-Dollar-Anlagen investiert. Ein Zusammenbruch des Petrodollars und des US-Dollars könnten letztendlich ein und dasselbe Ereignis sein. Ich weiß nicht, ob es der Trump-Regierung gelingen wird, ihre inländischen Dollar gegen die außerhalb der USA im Umlauf befindlichen US-Dollar abzuschotten:

Es gibt 20 bis 30 Billionen Dollar in US-Dollar nominierten Vermögenswerten, die sich im Besitz von Ausländern befinden!

Eine vorsätzliche Destabilisierung des Dollars würde zugleich vielen Nationen der Welt nachteilige Konsequenzen eintragen: Es würde die Inflation von Lebensmittelpreisen anheizen, was für viele Länder des „Globalen Südens“ verheerende Auswirkungen hätte. Daher ist es wichtig, auf Alternativen zurückzugreifen, um den Ländern Zeit zu verschaffen, um sich auf die Anpassung vorzubereiten und …

… den Dollar gewissermaßen aus eigenem Momentum zusammenbrechen zu lassen!

Doch der Iran hält meiner Meinung nach in dieser Angelegenheit einen besonderen Hebel in den Händen: Die Iraner befinden sich gerade in der perfekten Position, dem Petrodollar einen Schlag zu versetzen, indem sie die Durchfahrt durch die Straße von Hormus an Bedingungen knüpfen könnten: Schiffe dürften nur passieren, falls die Ladungen in chinesischen Yuan, russischen Rubel, indischen Rupien oder was auch immer, doch nicht in US-Dollar, fakturiert würden. Das würde meiner Meinung nach den Druck auf den US-Dollar weiter erhöhen. Die Chinesen und die Russen dagegen müssten von sich aus aktiv keine aggressiven Maßnahmen mehr ergreifen!

Nima: Vielen Dank, Alex, dass Sie heute bei uns waren! Es war mir wie immer eine besondere Freude!

Alex: Auch ich habe mich gefreut, Nima! Danke und bis zum nächsten Mal!

Nima: Bis bald – Tschüss!

Ende der Serie

Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA

***

Teil 1 des Interviews von Alex Krainer durch Nima Alkhorshid von Dialogue Works:  HIER
Teil 2 des Interviews von Alex Krainer durch Nima Alkhorshid von Dialogue Works: HIER
Teil 3 des Interviews von Alex Krainer durch Nima Alkhorshid von Dialogue Works: HIER
Das Video auf English mit dem Interview von Alex Krainer durch Nima Alkhorshid HIER

Alex Krainer über das neokoloniale Selbstverständnis des Imperiums – Teil 3



UNSER MITTELEUROPA erscheint ohne lästige und automatisierte Werbung innerhalb der Artikel, die teilweise das Lesen erschwert. Falls Sie das zu schätzen wissen, sind wir für eine Unterstützung unseres Projektes dankbar.

Details zu Spenden (PayPal oder Banküberweisung) hier.



Bitte unterstützen Sie unseren Kampf für Freiheit und Bürgerrechte. Und auch gegen die Klima-Hysterie, die letztlich der Nährboden für Programme ist, die uns das Geld aus der Tasche ziehen sollen, wie wir bereits jetzt schon erfahren dürfen. Stichwort: Energiewende. Und das ist erst der Anfang! Die Umverteilung von unten nach oben hat gerade erst begonnen.

Für jede Spende (PayPal oder Banküberweisung) ab € 10.- erhalten Sie als Dankeschön auf Wunsch ein Dutzend Aufkleber „KLIMA-HYSTERIE? NEIN DANKE“ portofrei und gratis! Details hier.

 



x

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

The post Alex Krainer über Fallstricke des US-Dollar Reservewährungssystems – Teil 4 appeared first on UNSER MITTELEUROPA.

Abbildung des Banners Merch Gegen Oben
Nach oben scrollen