Russland werde alle NATO-Truppen vernichten, die einen Angriff auf Russlands Exklave Kaliningrad wagen. So lautet die Analyse von Steve Jermy, Kommodore der britischen Royal Navy im Ruhestand, in einem Beitrag auf YouTube. Die Möglichkeit eines solchen Angriffs sieht der Militärexperte als gegeben – und warnt eindringlich und ausdrücklich davor:
„Da sich der Konflikt in der Ukraine seinem Ende nähert, könnten NATO-Generäle auf Kaliningrad blicken und sich sagen: ‚Naja, wenn wir Kaliningrad einnehmen, haben wir ein Trumpf-Ass in der Hand, um die Russen an den Verhandlungstisch zu zwingen.‘ Das wäre idiotisch.
Die Russen würden jede Streitmacht zerschlagen, die versuchen würde, Kaliningrad einzunehmen.“
Jermy zeigte sich zudem überzeugt, dass Pläne für einen möglichen Angriff nicht geheim gehalten werden könnten – was ein hierfür abkommandiertes Militäraufgebot der NATO-Staaten den Feuermitteln Russlands ausliefern würde:
„Gegen die Iskander gibt es keinen Schutz. Und sofern es den westlichen Truppen nicht irgendwie gelingt, absolute Geheimhaltung zu wahren – was angesichts heutiger Systeme meiner Ansicht nach nahezu unmöglich ist –, werden sie enorme Verluste erleiden. Dabei geht es – so schätze ich dies ein – nicht einmal mehr nur um Tausende, sondern um Zehntausende von Soldaten.“
Am 1. Oktober 2026 erklärte Russlands Präsident Wladimir Putin auf der Plenarsitzung des 23. Jahrestreffens des Internationalen Diskussionsklubs Waldai, dass Moskau – als es die NATO vor der Umsetzung von Drohungen gegen die Region Kaliningrad warnte – den möglichen Einsatz aller verfügbaren Kräfte und Mittel gemeint habe.
Atomwaffen wurden dabei nicht explizit erwähnt. Russlands Staatsoberhaupt fügte dem jedoch hinzu, dass Russland im Falle eines Angriffs auf sein Territorium seine, wie er es untertrieben formulierte, Wettbewerbsvorteile nutzen müsse – und benannte die Russland verfügbaren einzigartigen Waffensysteme als solche Vorteile.
Es sei daran erinnert, dass zu diesen bislang wirklich weltweit einzigartigen Waffensystemen sehr wohl auch Kernwaffenträger gehören: Zu erwähnen sind an dieser Stelle etwa der Marschflugkörper 9M730 Burewestnik mit einem Nukleartriebwerk, dem er seine praktisch unbegrenzte Reichweite verdankt, oder auch die große, ebenfalls nuklear angetriebene Unterwasserdrohne 2M39 Poseidon, die ganze Küstengebiete mit einer mittels nuklearer Explosion hervorgerufenen Tsunamiwelle verwüsten kann.
Dennoch sei hier der Hinweis des eingangs zitierten britischen Marineoffiziers auf Russlands Hyperschallwaffen angeführt, gegen die er bereits bei konventioneller Bestückung keinen Schutz für die NATO-Staaten und deren Streitkräfte sehe:
„Sollten die Russen auf einen Angriff – ja, sei es zum Beispiel ein Angriff auf Kaliningrad – antworten, oder sollte es anderweitig zu einem Schlagabtausch zwischen der NATO und Russland kommen: Dann können wir uns vor Russlands ballistischen und Hyperschallwaffen auch bei konventioneller Sprengkopfbestückung nicht verteidigen. Man schaue sich nur an, was mit der Ukraine passiert, um sich ein Bild davon zu machen, was Europa dann zustoßen könnte.“
Zur Erinnerung: Im Stellvertreterkrieg des Westens gegen Russland in der Ukraine unterzog Russland seine neuesten quasiballistischen Mittelstrecken-Hyperschallraketen der Kampferprobung. Die hierfür eingesetzte Streumunition enthielt nicht nur keine nuklearen Sprengladungen, sondern überhaupt keine Sprengladung. Sie wirkte sich allein durch ihre enorme Geschwindigkeit und somit kinetische Energie gegen tief eingebunkerte Flächenziele höchst zerstörerisch aus.
Kommodore a. D. Jermy wies gleichzeitig darauf hin, dass Russland, selbst wenn man bei dessen Führungsriege eine böswillige Haltung annähme, dennoch keine Angriffsabsichten gegenüber Europa zeige – gegenteilige Aussagen seien einzig auf propagandabedingtes Kultdenken zurückzuführen:
„Ich sage ja den Leuten immer: Warum würde Putin in Europa einfallen wollen? Wisst ihr, unsere Volkswirtschaften sind so schon in schlechter Form, es gibt soziale Unruhen – schaut euch nur Frankreich an.
Wir sind aufgrund von Propaganda in eine Art des Kultdenkens hineingeraten, wo jeder mit an Bord sein muss und jeder, der wagt, anders zu denken, als Fremder oder Querulant behandelt wird.“
Mehr zum Thema – Die einfache Botschaft der britischen Elite: Stellt keine Fragen und bereitet euch auf Krieg vor!

