Von Hans-Ueli Läppli


Bei BILD sind gesicherte Fakten offenbar keine zwingende Voraussetzung für eine Schlagzeile. Hauptsache, die Geschichte stimmt.
Am Mittwochmorgen war die Geschichte schnell erzählt. „Ein russischer Pilot wollte angeblich ein Passagierflugzeug zum Absturz bringen, ein ukrainischer Co-Pilot rettete die Maschine„. Russland war damit wieder dort, wo es in manchen Redaktionen am liebsten gesehen wird: auf dem Täterplatz.
Nur stimmte diese Geschichte von Anfang an nicht.
BILD heute Morgen (Falschmeldung). BILD jetzt (ohne Korrektur-Kenntlichmachung)
Und wieso wird jetzt nicht mehr in die Überschrift genommen, dass der Pilot-Angreifer Omani ist? Immerhin behandle Israel intern den Fall auch als möglichen Terroranschlag. pic.twitter.com/lKihYWriCz
— Zara Riffler (@ZaraRiffler) September 30, 2026
Hier geht es nicht nur um BILD, sondern um die Frage, welche Maßstäbe für Medien gelten.
RT DE und Sputnik wurden 2022 in der EU wegen angeblicher „Desinformation und Informationsmanipulation“ verboten. BILD und RT sind selbstverständlich nicht dasselbe Medium, zum Glück!
Die Bild verkündet zuerst: russischer Pilot will sich töten, ukrainischer Copilot rettet das Flugzeug. Stunden später heißt es plötzlich: Passagiere und Pilot verhindern den Absturz.
So arbeitet man nicht. Wer Schlagzeilen dreht, ohne klarzustellen, was falsch war, produziert… pic.twitter.com/KJsxPGwxeG
— Prof. Karl Kautabak Gesundheitsminister Satire (@KarlKautabak) September 30, 2026
Aber genau deshalb stellt sich die Frage, warum Berichterstattung, die nicht ins westliche, genauer gesagt nicht ins NATO-Narrativ passt, bei einem Medium als Informationsmanipulation und Gefahr für die Demokratie gilt, während ein etabliertes westliches Medium eine unbestätigte, politisch passende Geschichte als Tatsache verbreiten und später still verändern kann.
Die „Prügelei zwischen dem russischen Piloten und dem ukrainischen Copiloten […] bestätigten Flydubai und die israelische Regierung“ schrieb die Bild, die das jetzt nicht mehr so schreibt. pic.twitter.com/DqsXunH5Ta
— Argo Nerd (@argonerd) September 30, 2026
Wenn ungesicherte Informationen, sprich Fake News, als Fakten verbreitet werden, darf der journalistische Maßstab nicht vom Absender und schon gar nicht vom politischen Narrativ abhängen.
Doch genau diese doppelten Maßstäbe gibt es seit Jahren. Medien, die nicht ins westliche oder NATO-Narrativ passen, werden schnell als Propaganda und Desinformation abgestempelt. Bei etablierten westlichen Medien wird derselbe Maßstab längst nicht immer angewendet.
Heute wurde BILD dabei auf frischer Tat ertappt. Eine unbestätigte Geschichte wurde zur Schlagzeile gemacht.
Das ist kein sauberer Umgang mit Nachrichten. Es zeigt vielmehr, wie unterschiedlich mit Desinformation umgegangen wird, je nachdem, wer sie WIRKLICH verbreitet.
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