Von Wladimir Kornilow
Heimtückisch und ohne Kriegserklärung hat Russland Deutschland gleich aus mehreren Richtungen angegriffen. So lassen sich in etwa die dramatischen Erklärungen mehrerer führender deutscher Minister interpretieren, die sogleich auch die Verhängung „drakonischer“ Sanktionen gegen den „Aggressor“ ankündigten.
Und sie haben sich tatsächlich ausgedacht, diese Erklärungen am 1. September an die Öffentlichkeit zu bringen, exakt am Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs! Dieser folgte, wie wir uns erinnern, auf die Inszenierung des „polnischen“ Angriffs auf den Sender Gleiwitz. Hätten sie wenigstens einen Tag gewartet, doch so drängen sich die historischen Parallelen nun einmal auf, ob man will oder nicht. Aber genau das ist der Punkt: Die Minister konnten unmöglich warten. Sie mussten sich beeilen, den aus der Luft gegriffenen Skandal um „russische Drohnen am Flughafen Leipzig“ pünktlich zu den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt hochzuspielen, die das deutsche Establishment in Angst und Schrecken versetzen.
Was den Schrecken angeht, ist das keine Übertreibung. Eine solche Panik gab es in deutschen Medien schon lange nicht mehr. Hier nur einige Beispiele für Schlagzeilen führender deutscher Zeitungen aus den letzten Wochen:
Die Zeit vom 13. August: „Ein Land am Rande des politischen Nervenzusammenbruchs“.
Der Tagesspiegel vom 26. August: „Mit katastrophalen Folgen für Sachsen-Anhalt“.
News4Teachers vom 8. August: „Was wird dann aus uns? Die Angst vor einer AfD-Regierung wächst an den Schulen in Sachsen-Anhalt“.
Die Welt vom 25. Juli: „Die Queer-Community hat Angst“.
Die Bild-Zeitung vom 2. September: „Steht Deutschland vor einem politischen Erdbeben?“
Diese Liste beängstigender Schlagzeilen ließe sich endlos fortsetzen. Schon daran lässt sich erkennen, wie sehr das Establishment vor der Aussicht auf einen ersten Sieg der Alternative für Deutschland (AfD) auf Landesebene erschrocken ist. Vor Kurzem erschien das Magazin Der Spiegel sogar mit dem Titelbild „Der gefährlichste Mann Deutschlands“ und einem Foto des Ministerpräsidentenkandidaten dieser Partei, Ulrich Siegmund. Man wollte die Öffentlichkeit erschrecken, doch das Gegenteil war der Fall. Die Anhänger der AfD kauften die Sonderausgabe massenhaft auf und strömten zu Siegmund, um sie sich von ihm signieren zu lassen.
Selbstverständlich wird immer wieder versucht, den Bürgern denselben Gedanken aufzuzwingen: Sieg der AfD = Sieg Russlands. Und das wird offen und auf staatlicher Ebene verkündet. „Ich möchte nicht, dass Magdeburg zu einem Vorort von Moskau wird“, erklärte der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Cem Özdemir, als er die Aussichten auf einen Sieg der AfD im Osten des Landes kommentierte. Genau dieser Politiker verfasste zusammen mit dem deutschen Verteidigungsminister Boris Pistorius wenige Tage vor den Landtagswahlen einen Artikel, in dem öffentlich gefordert wurde, die AfD in einer Reihe ostdeutscher Bundesländer zu verbieten, also genau dort, wo sie von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wird.
Ganz ähnlich entbrannten die Gemüter um das Verbot der Kommunistischen Partei Deutschlands durch die Nationalsozialisten Anfang der 1930er Jahre. Es wurden praktisch dieselben Argumente vorgebracht, die auch heute gegen die AfD verwendet werden: „Einfluss Moskaus“ und „Bedrohung der nationalen Sicherheit“. Mit dem einzigen Unterschied, dass die Kritiker der AfD sie nun als „Nazis“ beschimpfen. Das Einzige, was noch fehlte, um das Szenario vollständig zu wiederholen, ist der Reichstagsbrand.
Es sei daran erinnert, dass die Nationalsozialisten den Reichstag fünf Tage vor den von ihnen anberaumten Wahlen, am 27. Februar 1933, in Brand setzten. Und bereits am 28. Februar erschien Goebbels‘ Artikel „Der Reichstag brennt“, in dem Hitlers Chefpropagandist behauptete:
„Was kann schlimmer sein als ein ausländischer Kommunist, der auf Befehl russischer und deutscher Parteifunktionäre den Reichstag in Brand setzt!“
Nein, vor Gericht wurde später keine Beteiligung Moskaus bewiesen, aber die Wahlen fanden am 5. März 1933 statt, bereits nach dem Verbot der Kommunisten, und Hitler festigte endgültig seine Macht. Mit Hilfe von Flugblättern, auf denen stand: „Jagt die Moskowiter zum Teufel!“
Und wir sehen, wie genau zeitgleich mit den Landtagswahlen in den ostdeutschen Bundesländern solche „Reichstagsbrände“ buchstäblich live im Fernsehen stattfinden! Genauso beschuldigen Bundesminister fünf Tage vor den Wahlen in einem ostdeutschen Bundesland die „hinterhältigen Russen“ der Brandstiftung, Sabotage und der Organisation von Anschlägen. Beweise? Fehlanzeige! Wie damals, 1933, werden unsere diplomatischen Vertretungen angegriffen. Wie damals fordert das Establishment unter dem Vorwand der „russischen Bedrohung“ das Verbot der größten Oppositionspartei Deutschlands!
Allerdings wiederholt sich die Geschichte, wie so oft, als Farce. Auch jetzt, fünf Tage vor der Wahl, haben sich die deutschen Medien wieder dem Thema Brandstiftung zugewandt. Die Schreckensmache über einen „Raketenangriff“ auf ein Umspannwerk in Brandenburg wurde von Fotos dieser, mit Verlaub gesagt, „Raketen“ begleitet, die sich in Wirklichkeit als selbstgebaute Feuerwerkskörper herausstellten, wie man sie zu Silvester abbrennt. Also ein „Reichstagsbrand auf Sparflamme“. Doch im Wahlkampf reicht auch die plumpe Provokation aus.
Dabei weisen viele deutsche Blogger und Journalisten auf die Schnelligkeit der Reaktion des offiziellen Berlins auf die unbegründeten Vorwürfe gegen Russland hin, während es keinerlei Reaktion auf die nachgewiesene Beteiligung ukrainischer Geheimdienste an der Sprengung der Nord-Stream-Gaspipelines gab, die der deutschen Wirtschaft tatsächlich kolossalen Schaden zugefügt hat. Die deutsche Schriftstellerin und Politikerin Ulrike Eifler kommentierte die jüngsten Vorwürfe gegen Moskau wie folgt:
„Sie haben sich geirrt, als sie Russland die Sprengung der ‚Nord Stream‘ in die Schuhe schoben. Sie haben sich geirrt, als sie Vögel am Himmel für russische Drohnen hielten. Aber bei dieser plumpen Drohnen-Aktion sind sie sich plötzlich sicher? Will Deutschland einen Krieg verhindern oder ihn auslösen?“
Und es sieht so aus, als würde der deutsche Mainstream gar nicht darüber nachdenken! Alle seine Handlungen, einschließlich der Provokationen gegen Russland, verfolgen ein unmittelbares Ziel: die nicht zum System gehörende Opposition von der Macht fernzuhalten. So ähnlich kämpfte auch der deutsche Reichskanzler Hitler im Februar 1933, als er mit der Provokation des Reichstagsbrandes um die Macht im eigenen Land rang. Schon damals schüchterte er seine Bürger mit den „schrecklichen Russen“ ein.
Wie das endete, wissen wir. Manchmal wiederholt sich die Geschichte nicht nur als Farce. Vor allem, wenn man nichts aus dieser Geschichte gelernt hat.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Originalartikel ist am 4. September 2026 auf ria.ru erschienen.
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