Der Massenansturm auf die spanische Exklave Ceuta sorgt in Europa für politische Schockwellen. Während Spanien die Lage zunehmend unter Kontrolle bringt, wächst in mehreren EU-Staaten die Sorge vor einer neuen Migrationsbewegung. Auch die österreichische Bundesregierung fordert ein entschlossenes Vorgehen und schließt vorübergehende Schengen-Kontrollen nicht aus.

Nach Angaben des spanischen Innenministeriums erreichten innerhalb von rund 24 Stunden etwa 49.000 bis 50.000 Menschen von Marokko aus die nordafrikanische Exklave Ceuta. Der Präsident der autonomen Stadt, Juan Jesús Vivas, sprach sogar von bis zu 60.000 Migranten, fast 70 Prozent der regulären Einwohnerzahl. Viele gelangten schwimmend oder über den Grenzzaun in die Stadt. Mindestens 34 Menschen kamen ums Leben, neuere Angaben sprechen von bis zu 57 geborgenen Leichen.

Die Behörden gerieten zeitweise an ihre Grenzen. Aufnahmezentren waren überfüllt, Tausende Menschen hielten sich im Stadtgebiet auf, zahlreiche Geschäfte blieben geschlossen und die Sicherheitskräfte wurden massiv verstärkt. Ministerpräsident Pedro Sánchez reiste nach Ceuta und bezeichnete den Vorfall als „Verletzung der spanischen Souveränität“. Als Ursachen nannte er vor allem Schleppernetzwerke und gezielt verbreitete Falschinformationen.

Inzwischen hat sich die Lage deutlich beruhigt. Bis Freitagnachmittag kehrten nach Behördenangaben bereits mehr als 37.500 Menschen freiwillig nach Marokko zurück. Die Rückkehrbewegung hält weiter an.

Bundeskanzler Christian Stocker sprach von einem „deutlichen Warnsignal“ für Europa. Spanien müsse verhindern, dass illegal eingereiste Migranten das europäische Festland erreichten.

Kritik übte der Kanzler zudem an der spanischen Entscheidung, Tausenden Migranten Aufenthaltstitel zu erteilen. Diese Politik habe zusätzliche Anreize geschaffen. Sollte der Migrationsdruck auf Österreich steigen, seien „im Bedarfsfall auch temporäre Schließungen der Schengen-Grenzen“ denkbar. Darüber stehe die Bundesregierung in engem Austausch mit EU-Kommissar Magnus Brunner, Europaministerin Claudia Bauer und Innenminister Gerhard Karner.

Europaministerin Claudia Bauer verschärfte den Ton. „Spanien gefährdet damit die gesamte Europäische Union und ihre Glaubwürdigkeit.“ Die spanischen Regularisierungen seien ein „Mega-Magnet“, da ein Aufenthaltstitel eines Mitgliedstaates den Zugang zum gesamten EU-Raum erleichtere. Madrid müsse seiner Verantwortung gegenüber den übrigen Mitgliedstaaten gerecht werden.

Innenminister Gerhard Karner forderte einen konsequenten Schutz der EU-Außengrenzen und eine rasche Umsetzung des Europäischen Asyl- und Migrationspakts. Zudem sprach er sich erneut für Rückkehrzentren außerhalb Europas aus. Österreich habe die irreguläre Migration in den vergangenen Jahren deutlich reduziert und sei gemeinsam mit Deutschland auf mögliche Ausweichbewegungen vorbereitet.

Außenministerin Beate Meinl-Reisinger zog Parallelen zur Flüchtlingskrise 2015. Eine Wiederholung dürfe es nicht geben, sagte sie. Oberste Priorität habe nun die Sicherung der EU-Außengrenzen.

Auch andere Regierungen verschärfen ihren Kurs. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni brachte außerordentliche Maßnahmen bis zu einer vorübergehenden Aussetzung der Schengen-Regeln gegenüber Spanien ins Gespräch. Finnland unterstützte eine härtere Linie. Frankreich verstärkte unterdessen die Kontrollen an der Grenze zu Spanien.

EU-Kommissar Magnus Brunner bezeichnete die Entwicklung als „inakzeptabel“, verwies jedoch darauf, dass derzeit keine nennenswerten Weiterreisen auf das europäische Festland registriert würden. Die EU-Kommission habe Spanien zusätzliche Unterstützung durch Frontex angeboten.

Als Auslöser des Migrationsansturms gelten ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs zu Rückweisungen auf See sowie frühere Regularisierungen von Migranten. Ceuta und Melilla gehören zwar zur Europäischen Union, sind jedoch nicht Teil des Schengen-Raums. Deshalb bestehen bei Reisen auf das spanische Festland weiterhin Grenzkontrollen.

Auch wenn die unmittelbaren Auswirkungen auf Österreich derzeit begrenzt bleiben, hat der Vorfall die Migrationspolitik erneut ins Zentrum der europäischen Debatte gerückt. Die Ereignisse von Ceuta zeigen, wie schnell eine regionale Grenzkrise politische Folgen weit über Spanien hinaus entfalten kann.

Mehr zum Thema  Tausende Migranten stürmen spanische Exklave Ceuta – Behörden fordern Armee und Notstand

Abbildung des Banners Meinung ist keine Straftat
Nach oben scrollen