Die Schlacht bei Königgrätz vor genau 160 Jahren war die entscheidende Auseinandersetzung des Deutschen Krieges zwischen Preußen und Österreich. Nach dem Wiener Kongress von 1815 gehörten beide Großmächte dem Deutschen Bund an und konkurrierten um die politische Vorherrschaft in Deutschland.

Die Vorgeschichte

Der Konflikt verschärfte sich durch den Streit um die Herzogtümer Schleswig und Holstein, die nach dem Deutsch-Dänischen Krieg gemeinsam verwaltet wurden. Als Preußen 1866 Holstein besetzte, erklärte Österreich die Mobilmachung der Bundesarmee. Während Österreich von mehreren deutschen Mittelstaaten unterstützt wurde, erhielt Preußen unter anderem Hilfe von Italien.

Der preußische Generalstabschef Helmuth von Moltke entwickelte einen Plan, nach dem drei Armeen gleichzeitig nach Böhmen vorrücken sollten. Ziel war es, die österreichische Armee einzukreisen und in einer Entscheidungsschlacht zu besiegen.

Die Schlacht

Am 3. Juli 1866 trafen die preußischen Truppen bei Königgrätz auf die österreichische Nordarmee unter Feldzeugmeister Ludwig von Benedek sowie auf sächsische Truppen. Zunächst hatten die Österreicher Vorteile, da nur die preußische 1. Armee im Kampf stand. Besonders im Swiepwald kam es zu heftigen und verlustreichen Gefechten.

Die österreichische Südarmee gewann zwar ihre Schlachten zu Land und See gegen Italien (Schlacht bei Custozza und Seeschlacht bei Lissa), verlor jedoch den gleichzeitigen Krieg gegen Preußen. Trotz des Sieges führte die entscheidende Niederlage Österreichs in der Schlacht bei Königgrätz letztlich zum Verlust Venetiens an Italien.

Die Wende in der Schlacht trat ein, als gegen Mittag die preußische 2. Armee unter Kronprinz Friedrich Wilhelm auf dem Schlachtfeld eintraf. Durch ihren Angriff auf die ungeschützte Flanke der Österreicher geriet deren Verteidigung ins Wanken. Gleichzeitig griff die Elbarmee von Westen an. Die österreichischen Truppen mussten sich schließlich zurückziehen, um einer vollständigen Einkesselung zu entgehen.

In der Schlacht kämpften über 400.000 Soldaten. Die Verluste waren enorm: Preußen verlor rund 9.000 Soldaten, während Österreich und Sachsen zusammen über 40.000 Tote, Verwundete, Vermisste und Gefangene zu beklagen hatten.

Die Folgen

Mit dem Sieg bei Königgrätz wurde Preußen zur führenden Macht in Deutschland. Im Frieden von Prag musste Österreich den Deutschen Bund auflösen und schied aus der deutschen Politik aus. Anschließend gründete Preußen den Norddeutschen Bund und schuf damit die Grundlage für die deutsche Einigung unter seiner Führung.

Für Österreich hatte die Niederlage schwerwiegende Folgen. Das Kaiserreich verlor Venetien an Italien und musste innenpolitische Reformen einleiten, die 1867 im Ausgleich mit Ungarn mündeten. Die Schlacht von Königgrätz gilt deshalb als entscheidender Schritt auf dem Weg zur Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871. Sie veränderte das politische Machtgefüge Europas nachhaltig.

Für Europa wäre es vermutlich besser gewesen, wenn Österreich mit Sachsen die Schlacht gewonnen hätte. Denn die von Österreich angedachte „Großdeutsche Lösung“ hätte ein Deutsches Kaiserreich verhindert. Den Krieg mit Frankreich hätte es ebenfalls nicht gegeben – und vermutlich in weiterer Folge auch keinen Ersten Weltkrieg.

Ja, und Preußen würde heute noch existieren. Heute gehört nur noch etwa die Hälfte des ehemaligen preußischen Gebiets zu Deutschland. Österreich hingegen existiert bis heute – allerdings ohne Südtirol und die sudetendeutschen Gebiete.



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