Zwei Mannschaften mit hohen Erwartungen und überzeugender Gruppenphase haben die Weltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko bereits nach dem ersten K.-o.-Spiel verlassen.
Sowohl die deutsche Nationalmannschaft als auch die Niederlande unterlagen im Elfmeterschießen – Deutschland gegen Paraguay, die Niederlande gegen Marokko. Die Ergebnisse werfen erneut die Frage auf, woran es europäischen Spitzenteams im entscheidenden Moment mangelt.
Die DFB-Auswahl hatte die Gruppe E als Sieger abgeschlossen. Nach einem deutlichen 7:1 gegen Curaçao und einem 2:1 gegen die Elfenbeinküste folgte eine bedeutungslose 1:2-Niederlage gegen Ecuador. Die Stimmung im Lager war entsprechend zuversichtlich. Im Sechzehntelfinale gegen Paraguay in Boston endete diese Zuversicht jedoch abrupt.
Die Partie verlief über weite Strecken ausgeglichen. Paraguay ging durch einen Treffer von Enciso in der 42. Minute in Führung – das erste K.o.-Tor der Südamerikaner bei dieser Weltmeisterschaft.
Kai Havertz glich kurz nach der Pause per Kopf aus. Trotz mehrerer Chancen auf beiden Seiten blieb es nach 120 Minuten beim 1:1. Im anschließenden Elfmeterschießen trafen nur vier deutsche Schützen. Havertz und Jonathan Tah verschossen, Manuel Neuer hielt zwar einen Versuch, doch am Ende setzte sich Paraguay mit 4:3 durch.
Nach dem Spiel sprach Bundestrainer Julian Nagelsmann von „unakzeptablen Momenten“ in einer ansonsten ordentlichen Leistung. Spieler wie Joshua Kimmich äußerten Enttäuschung über die fehlende mentale Stabilität. Auch Lothar Matthäus kritisierte die Mannschaft ungewöhnlich deutlich.
Die Mannschaft hat es unter Julian Nagelsmann erneut versäumt, aus den Fehlern früherer Turniere zu lernen und ihre Leistung im K.-o.-Modus stabil abzurufen.
„Das ist ein Skandal, dass er das zurückpfeift. Es ist ein Vollskandal“,
moniert Julian Nagelsmann die strittige Schiedsrichterentscheidung nach der Partie. Der Bundestrainer war sichtlich empört über die Szene, die seiner Mannschaft zum Nachteil gereichte.
„Es gibt Spiele, die du dreckig gewinnen musst. Das hätten wir dreckig gewonnen, hätte dieses Tor gezählt.“
Die Aberkennung des Kopfballtors von Jonathan Tah war eine knappe, aber umstrittene VAR-Entscheidung. Zwar stand Tah minimal im Abseits, doch der Eingriff erfolgte in einer Grenzsituation, in der eine Zurückhaltung angebracht gewesen wäre.
Durch die Aberkennung verlor Deutschland den möglichen Siegtreffer in der Verlängerung und scheiterte anschließend im Elfmeterschießen. Die Szene zeigt erneut, dass der VAR zunehmend auch in nicht eindeutigen Fällen eingreift und damit spielentscheidende sowie emotionale Momente zerstört.
Julian Nagelsmann talks about the future of German football after being eliminated from the 2026 World Cup 🎙️🇩🇪#WorldCup pic.twitter.com/nU9XLBjaaY
— DAZN Football (@DAZNFootball) June 30, 2026
Auch die Niederlande hatten die Vorrunde souverän gemeistert. Unter Ronald Koeman erzielte die Mannschaft zehn Tore in drei Spielen und sicherte sich den Gruppensieg in Gruppe F. Die Offensive um Cody Gakpo und Donyell Malen zeigte sich in guter Verfassung.
Gegen Marokko in Monterrey entwickelte sich ein anderes Bild. Die Niederlande gingen durch Gakpo in Führung und kontrollierten lange Zeit das Spiel. Marokko kämpfte sich jedoch zurück und glich in der Nachspielzeit durch Issa Diop zum 1:1 aus. In der Verlängerung fanden beide Teams keine Lösung.
Im Elfmeterschießen hielten die Marokkaner die Nerven besser. Während Teun Koopmeiners und Wout Weghorst trafen, verschoss Quinten Timber, und Crysencio Summerville scheiterte an Yassine Bounou. Marokko gewann 3:2 und zog ins Achtelfinale ein.
Die Niederländer hatten in der Gruppenphase viel Ballbesitz und viele Chancen, konnten diese jedoch nicht konsequent nutzen. Gegen Marokko zeigte sich, dass physische Präsenz, taktische Disziplin und die Fähigkeit, in Rückstandssituationen stabil zu bleiben, im K.-o.-Modus oft entscheidender sind als spielerische Überlegenheit.
🚨🚨❌ BREAKING: GERMANY ARE OUT OF THE 2026 WORLD CUP, ELIMINATED BY PARAGUAY! pic.twitter.com/1SidnstKUw
— Fabrizio Romano (@FabrizioRomano) June 29, 2026
Sowohl für den DFB als auch für den niederländischen Verband ist das frühe Ausscheiden ein weiterer Rückschlag nach bereits enttäuschenden Turnierverläufen in den vergangenen Jahren. Die Qualifikation und die Gruppenphase verliefen in beiden Fällen weitgehend nach Plan. Im ersten K.-o.-Spiel jedoch fehlte es an der nötigen Kaltblütigkeit – sowohl bei der Chancenverwertung als auch im Elfmeterschießen.
Die Begegnungen verdeutlichen erneut, dass im modernen Turnierfußball die Papierform im K.-o.-Modus nur begrenzt trägt. Paraguay und Marokko zeigten, dass disziplinierte, physisch robuste und mental stabile Mannschaften auch ohne große Starbesetzung in der Lage sind, Favoriten zu schlagen.
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