Die Meldung, mit der sie sich verabschiedeten, war einheitlich. Das vermittelte schon überzeugend den Wunsch nach Vielfalt der Debatte:

So beispielsweise Katharina Dröge, Fraktionsvorsitzende der Grünen und natürlich ihre Fraktion, ebenso die SPD-Fraktion im Bundestag, aber auch Linken-Vorsitzender Jan van Aken. Überall derselbe Text, vielfach abgeschlossen mit derselben Werbung, man sei jetzt auf Bluesky zu finden, der Plattform, die die US-Demokraten gepuscht hatten, nachdem Elon Musk Twitter übernommen und seine Unterstützung für Donald Trump erklärt, vor allem aber die eingerichteten Zensurmechanismen abgeschaltet hatte. „Der Protest“, so meldet der Spiegel, sei „über Wochen gemeinsam vorbereitet“ worden. Auch den Mitgliedern und Gliederungen soll empfohlen werden, X zu verlassen.

Damit es dann richtig demokratisch und offen zugeht, wurde dann unter vielen dieser Erklärungen selbst das Kommentieren gesperrt.

Das hinderte jedoch die X-Nutzer nicht, ihren Senf dazuzugeben. Diese Aktion sei „an Heulseligkeit und Jämmerlichkeit nicht zu überbieten“, heißt es da beispielsweise. Der Europaabgeordnete Friedrich Pürner nannte das Ganze eine „Sandkastenrevolte“. Andere schrieben, das habe es doch schon während Corona gegeben, und am Ende sei doch jeder Account erhalten geblieben. „Geht mit Gott, aber geht“, schrieb wieder ein anderer.

Britta Haßelmann, die Co-Vorsitzende der Grünen-Fraktion, ließ Kommentare zu und erntete dafür Folgendes:

Auch das Handelsblatt war nicht zu überzeugen. „Wer den digitalen Diskurs ernst nimmt, muss dort präsent sein, wo er stattfindet.“ Der FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki spottete: „Dass die SPD wachsendem Chaos mit eigenem Rückzug begegnet, ist ein überraschend selbstkritischer und ehrlicher Schritt.“ Das ZDF, das über diesen Rückzug berichtete, sah den Grund in den „Schutzmechanismen gegen Desinformation“, die Musk zurückgefahren hatte; also das Ende der „Faktenchecker“, die jederzeit die Regierungsposition vertraten.

Natürlich gab es auch Kommentare von Anhängern, die den Rückzug bedauerten und schrieben: „Warum lasst Ihr die im Stich, die gegen Rechtsextremismus und Desinformation kämpfen“ oder „Wir versuchen noch etwas Stellung zu halten.“

Aber insgesamt traf dieser Schritt weniger auf Bedauern denn auf Erleichterung. Und womöglich führt er am Ende sogar dazu, dass die Zahl der durch Meinungsäußerungen ausgelösten Strafverfahren in Deutschland etwas zurückgeht, weil die Menge derjenigen, die leidenschaftlich ihnen nicht genehme Positionen melden, abgenommen hat. Dafür müssten aber tatsächlich auch die Mitglieder auf die sicher extrem anregende und humorvolle Plattform Bluesky folgen.

Auf die Tatsache, dass all die vermeintlich abgezogenen Konten immer noch aktiv und keineswegs gelöscht waren, reagierte das Publikum auf X mit einem praktischen Hinweis:

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Abbildung des Banners Denkanstoß statt Denkverbot
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