Seine großen Erfindungen verdankt Deutschland heute nicht mehr Wissenschaft und Forschungen – sie entstehen vielmehr in der Politik. Die wichtigste Entdeckung der vergangenen Jahre lautet: Türkische Gastarbeiter brachten das deutsche Wirtschaftswunder zustand. Und eigentlich auch fast sonst alles, was Deutschland heute ausmacht. Die Fakten sagen natürlich etwas anderes: Als mit dem Anwerbeabkommen ab 1961 die ersten Gastarbeiter aus der Türkei eintrafen, neigte sich die Wirtschaftswunderzeit schon wieder dem Ende zu, also die Ära des überraschend schnellen ökonomischen Wiederaufstiegs. Der kam fast ohne ausländische Arbeitskräfte aus. Spätestens seit Außenminister Johann Wadepuhl diese Tatsache in einem Interview mit „Hürriyet“ souverän zur Seite schob und die alternative Wirklichkeit verkündete, türkische Gastarbeiter hätten einen unverzichtbaren Beitrag zum Wirtschaftswunder geleistet, genießt diese kontrafaktische Geschichtsschreibung offiziellen Regierungssegen.
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