Die Stadtverwaltung in Kiew plant, die Fahrpreise für die öffentlichen Verkehrsmittel ab 15. Juli 2026 anzuheben. Kostete der Einzelfahrschein bislang 8 Griwnja, wird sich sein Preis nach dem Willen von Bürgermeister Witali Klitschko dann fast vervierfachen – auf 30 Griwnja.

Besonders der künftige Preis der Monatskarte, mit der alle Verkehrsmittel der Stadt (Metro, Bus, Straßenbahn und O-Bus) 30 Tage lang ohne Beschränkungen benutzt werden können, erregt Aufsehen in der Öffentlichkeit. 

Er soll auf 4.875 Griwnja monatlich steigen – nach dem aktuellen Umrechnungskurs entspricht das 94,97 Euro. Aber auch die Umrechnung nach der Kaufkraftparität macht es nicht besser: Das Durchschnittseinkommen in der Ukraine wird aktuell mit einer Spanne zwischen 20.000 und 24.000 Griwnja (475 bis 575 Euro) angegeben. Mit anderen Worten: Für eine Monatskarte wird ein Kiewer demnächst rund ein Fünftel seines Einkommens ausgeben müssen.

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Der neue Preis des Einzelfahrscheins wirkt für Westeuropäer mit 30 Griwnja (0,58 Euro) noch billig. Das Problem: Im Gegensatz zu Europa (und Moskau) ist das Umsteigen nicht inbegriffen. Wenn man also die Metro nicht vor seiner Haustür hat, zahlt man für den Zubringerbus extra. Selbst wer den ÖPNV nur für den Weg zur Arbeit und zurück nutzt, kommt im Monat so locker auf über 3.000,00 Griwnja. Wer die öffentlichen Verkehrsmittel auch in der Freizeit nutzen will, für den lohnt sich die überteuerte Monatskarte trotz der nach westeuropäischen Maßstäben günstigen Einzelfahrt. 

Zum Vergleich: In Paris kostet die Monatskarte für Erwachsene („Navigo Mois“) aktuell 88,80 Euro bei erheblich höherem Durchschnittseinkommen in Frankreich. Für Geringverdiener gibt es dort – anders als in Kiew – ohnehin Ermäßigungen und sogar kostenlose Pässe. Für Berlin gibt es die Umweltkarte, die im Abo 81,30 Euro kostet. Als Alternative existiert in Deutschland zudem weiterhin das „Deutschlandticket“, das mit 63 Euro im Monat zu Buche schlägt und auch noch über die eigene Stadt hinaus gilt. 

Und Moskau? In Moskau kostet die Monatskarte für alle Verkehrsmittel aktuell 3.460 Rubel (ca. 42 Euro) für die gesamte Stadt und 4.450 Rubel (53,75 Euro), wenn man mit der S-Bahn auch in die Vororte pendeln will. Kauft man das Abonnement für drei Monate oder gleich für ein Jahr, erhält man zudem erhebliche Rabatte. Es ist auch kein Fünftel des Einkommens, das ein Moskauer dafür hinblättern muss: Je nach Statistik oder Schätzung zum Durchschnitts- und Medianeinkommen sind es vielmehr etwa zwei bis drei Prozent.

Ukrainer scherzen in den sozialen Netzwerken bereits sarkastisch, dass die neuen Preise im ÖPNV auch den letzten Skeptiker überzeugen müssen: Die Ukraine ist inzwischen europäischer als Europa. Und stand der Euromaidan nicht genau dafür: für europäische Verhältnisse? Zwar sind die Renten und Gehälter lange nicht europäisch, aber 1.000 Euro monatlich für jeden Pensionär und europäische Löhne hatte ja auch nicht Witali Klitschko versprochen, sondern Arseni Jazenjuk. Und der ist schon lange von dannen, weit weg.

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