Moskauer, denen der vergangene (hust… nun ja) Winter nicht lang und schneereich genug gewesen ist – auch solche mag es vielleicht geben, die meisten von ihnen wohl Kinder – dürften sich gefreut haben, als sie am Morgen des 86. Februar, oh, Verzeihung, des 27. April 2026 aus den Fenstern blickten: Schnee, soweit das Auge reicht, bedeckte die Straßen und Flächen, die bereits grünen Laub tragenden Büsche und Bäume, die Gebäude und Fahrzeuge.


Für alle anderen jedoch ist dieser unverhoffte weiße Landschaftsschmuck eine Anomalie an der Grenze zur Katastrophe: Innerhalb der letzten 24 Stunden fiel etwa die Hälfte der monatlichen Niederschlagsnorm, während die durchschnittliche Höhe der Schneedecke in Moskau und Umgebung um Viertel nach zehn Uhr morgens örtlicher Zeit zwölf Zentimeter betrug. Womit der vor 55 Jahren verzeichnete Rekord von 10 Zentimetern gebrochen wurde – und Meteorologen verkündeten erst die Unwetter-Gefahrstufe Gelb, dann Orange. Diese Einstufung hat allerdings nicht nur den Schnee zum Grund, sondern auch den gleichzeitig einsetzenden starken Wind mit Böen von bis zu 23 Metern pro Sekunde in Moskau und bis zu 25 Metern pro Sekunde im Umland.
Denn die Verbindung von nassem, schweren Schnee und starkem, böigen Wind bricht auch dicke Baumzweige und teils sogar ganze Bäume, die bei ihrem Fall zu Boden eine Gefahr für Leib und Leben für Passanten ebenso wie für Fahrzeuge darstellen und die Geh- und Fahrwege blockieren. Zudem reißen Stromleitungen unter dem hohen Gewicht des klebrigen Schnees – weswegen Dutzende Ortschaften in Moskaus Umgebung ohne Strom und in der Zwischensaison mit Strom beheizte Einrichtungen wie einige Kindergärten und Schulen auch ohne Wärme blieben. Der Gouverneur des Gebietes Moskau erklärte, alle zuständigen Not- und Kommunaldienste in den Intensiv-Arbeitsmodus versetzt zu haben und die Arbeit zur Wiederherstellung der Stromversorgung persönlich zu überwachen.
Moskauer Autofahrer, die auf ihr privates Fahrzeug verzichten konnten (oder mussten, wegen bereits aufgezogener Sommerreifen), zeigten sich denn auch so verantwortungsbewusst – doch damit wurden gleichzeitig die öffentlichen Verkehrsmittel und die Taxidienste überlastet. An einer der Linien der Moskauer U-Bahn wurde der Verkehr durch einen Baum, der auf einer übertage verlaufenden Teilstrecke auf die Gleise fiel, kurzzeitig unterbrochen. Einige Flüge am Moskauer Flughafen Wnukowo verspäten sich; auch das Eisenbahnnetz beklagt Probleme nicht zuletzt aufgrund gerissener Stromleitungen. Dem massenhaften Verzicht auf private Fahrzeuge zum Trotz blieb der Automobilverkehr in der Millionenstadt dennoch intensiv – und es kam zu zahlreichen Verkehrsunfällen aufgrund von Glatteis, oder aber auch einfach wegen reichlich Schneematsch, und infolgedessen auch zu Staus. Über 180 Streufahrzeuge sind auf den Straßen Moskaus und im Umland unterwegs.


Meteorologen sagen für diesen und mindestens noch den folgenden Tag, eher aber auch für den Tag darauf, eine Lufttemperatur von zwei bis vier Grad Celsius und nassen Schneefall beziehungsweise Schneeregen in Moskau und Umgebung voraus.
In der vergangenen Woche war es in der russischen Stadt Nischni Nowgorod ebenfalls zu anomal spätem, heftigem Schneefall gekommen.
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