Von Jewgeni Posdnjakow
Russland hat Japan eine Protestnote im Zusammenhang mit der Stationierung der landgestützten US-Raketenabwehrsysteme vom Typ Typhon auf der Insel Kyushu übermittelt. Wie die Sprecherin des Außenministeriums Maria Sacharowa mitteilte, wurde Tokio das Dokument bereits am 3. September übergeben. Darin wird darauf hingewiesen, dass Japan diesen Schritt trotz wiederholter Demarchen Moskaus unternommen hat. Die Diplomatin betont:
„An die japanische Seite wurde die Forderung gerichtet, diese Praxis einzustellen und die Systeme von ihrem Territorium abzuziehen. Gleichzeitig wurde betont, dass die japanische Führung die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs in vollem Umfang anerkennen muss, einschließlich der territorialen Aspekte in Bezug auf die südlichen Kurilen, und den Kurs der Remilitarisierung aufgeben muss.“
Darüber hinaus forderte der stellvertretende russische Außenminister Andrei Rudenko Akira Muto, den japanischen Botschafter in Russland, am 16. September bei einem Treffen auf, die Note „mit größter Ernsthaftigkeit“ zu behandeln. Bemerkenswert ist, dass auch Peking Tokio ein ähnliches Dokument übermittelt und ebenfalls seine Besorgnis über die verfolgte Politik zum Ausdruck gebracht hat.
Es sei daran erinnert, dass die japanische Botschaft bereits im Mai über die Pläne der USA berichtet hatte, im Rahmen der Übungen „Valiant Shield 26“ (die vom 22. Juni bis zum 1. Juli stattfanden) und „Orient Shield 26“ (die vom 8. bis zum 24. September stattfinden) Typhon-Systeme auf dem Luftwaffenstützpunkt der Marine der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte in Kanoya zu stationieren. Damals hatte die diplomatische Vertretung darauf hingewiesen, dass es sich um eine vorübergehende Maßnahme handele.
Eine ähnliche Situation war auch im Herbst 2025 zu beobachten. Damals stationierten die USA im Rahmen der im September stattfindenden „Resolute Dragon“-Übungen Typhon-Systeme auf dem Luftwaffenstützpunkt Iwakuni. Erst im November – also zwei Monate nach Ende der Übungen – wurden sie abgezogen, wie die Zeitung Kyoto Shimbun berichtete. Dabei verstärkt Tokio in letzter Zeit seinen Kurs in Richtung Remilitarisierung zunehmend.
Bereits im Jahr 2022 hatte Japan eine neue nationale Sicherheitsstrategie verabschiedet, in der das Recht auf Gegenschläge gegen militärische Ziele des Gegners verankert worden war. Daraufhin begann das Land mit dem Kauf von Tomahawk-Raketen aus den USA. Im Jahr 2025 verabschiedete Japan den größten Militärhaushalt seiner jüngeren Geschichte, wodurch die Ausgaben für das Militär 58 Milliarden US-Dollar überstiegen.
Vor diesem Hintergrund hat sich auch die außenpolitische Rhetorik Tokios verschärft. So hat das japanische Außenministerium gegen den Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der Kurilen-Insel Iturup „entschieden protestiert“ und den russischen Botschafter in Tokio einbestellt. Die Premierministerin des Landes Sanae Takaichi erklärte, dass die Handlungen des russischen Staatschefs „die Gefühle der Japaner verletzen“ und „inakzeptabel“ seien. In Moskau wurden diese Vorwürfe kategorisch zurückgewiesen. Der Militärexperte Juri Knutow sagt:
„Das Auftauchen der Typhon-Komplexe auf japanischem Territorium war eine direkte Folge des Ausstiegs der US-Amerikaner aus dem Vertrag über die Vernichtung von Mittel- und Kurzstreckenraketen (INF-Vertrag). Solange das Abkommen eingehalten wurde, durften universelle Anlagen dieser Klasse nur auf Schiffen stationiert werden, während ihre landgestützten Varianten ausdrücklich verboten waren.
Mit dem Ausstieg aus dem Vertrag hat sich Washington die Hände frei gemacht, um landgestützte Raketensysteme zu entwickeln. Das Typhon-System nutzt eine modifizierte Version des Schiffs-Abschusssystems Mk-41. Jede Abschussvorrichtung kann vier Tomahawk-Raketen tragen, deren Reichweite etwa 1.600 Kilometer beträgt.
Ein solcher Aktionsradius ermöglicht es, die am stärksten entwickelten Regionen des russischen Fernen Ostens, die DVRK und die nördlichen Provinzen Chinas im Visier zu halten.
Unsere wirtschaftlich bedeutenden Gebiete wären davon betroffen, weshalb Moskau jedes Recht hat, diesen Schritt als direkte Bedrohung seiner Grenzen zu betrachten.
In einer ähnlichen Lage befindet sich auch die Volksrepublik China, die kein Interesse daran hat, dass solche Waffen an ihren Grenzen auftauchen. Auch die DVRK bleibt im Risikobereich, doch aufgrund der geringeren Größe des Landes ist es ihr möglich, ihren Luftraum besser abzudecken. Daher bleiben Moskau und Peking die Hauptadressaten dieser Bedrohung.“
Dabei sei der aktuelle Fall der Stationierung von Typhon-Systemen für Russland besonders gefährlich, präzisiert der Militärexperte Alexei Anpilogow. Er erklärt:
„Früher waren US-amerikanische Waffen auf Okinawa stationiert, und die US-Pazifikflotte stützte sich auf Guam. Von beiden Standorten aus war es noch ein beträchtliches Stück bis zu den östlichen Grenzen der Russischen Föderation. Von Kyushu aus sieht das ganz anders aus.
Es handelt sich um die südlichste Insel des japanischen Hauptarchipels. Selbst Unterschall-Tomahawks können von dort aus Wladiwostok sowie die südlichen Ausläufer von Sachalin und die Kurilen-Inselkette erreichen. Diese Aufgabe lässt sich mithilfe dieses Komplexes lösen, da seine Waffenzellen nicht nur mit Verteidigungsmunition, sondern auch mit Langstreckenraketen bestückt werden können.
Außerdem wurde das Waffensystem Typhon bewusst für das vielversprechende US-amerikanische Projekt Dark Eagle entwickelt – ein geplantes Hyperschallgeschoss der USA. Sollten die USA dieses langwierige Projekt verwirklichen können, wäre es theoretisch möglich, damit auch U-Boot-Raketenträger auf Kamtschatka zu treffen, was das regionale Kräfteverhältnis erheblich verändern würde.“
Auf die aktuellen Entwicklungen müsse dringend reagiert werden, meint Knutow. Er betont:
„Die Hauptaufgabe in diesem Zusammenhang besteht in der Stärkung der Luftabwehr im Fernen Osten Russlands. Die vielversprechende Entwicklung des Systems Iskander-1000 eröffnet ernst zu nehmende Perspektiven im Kampf gegen den Typhon, und die Luftabwehrkomplexe S-400 und S-350 Witjas können für zusätzliche Stabilität sorgen.
Da Tokio seine Politik an Washington ausrichtet, sollten wir unsere Bemühungen, unseren Standpunkt zu vermitteln, direkt auf die USA konzentrieren, da die entscheidenden Weichenstellungen genau dort getroffen werden. Möglicherweise könnte eine abgestimmte und lautstarke Haltung Russlands, der Volksrepublik China und Nordkoreas Einfluss auf das Weiße Haus nehmen.“
Anpilogow wiederum ist der Ansicht, dass „Tokio einen Kurs der Remilitarisierung verfolgt – und dies wird von den USA gutgeheißen“. Er meint:
„Dementsprechend müssen wir die Verteidigung des Fernen Ostens verstärken, indem wir dort beispielsweise Oreschnik-Raketen stationieren, die sich im Rahmen der militärischen Sonderoperation bewährt haben.
Insgesamt handelt Tokio jedoch äußerst unüberlegt. Es ist zweifelhaft, dass der Besitz von Typhon dem Land zusätzliche Stabilitätsgarantien verschafft. Das Gegenteil wird der Fall sein. Japan hat seinem Territorium praktisch eine Zielscheibe aufgemalt, die Russland im Falle einer Aggression ungestört anvisieren kann.“
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 18. September 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.
Jewgeni Posdnjakow ist ein russischer Journalist, Fernseh- und Radiomoderator.
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