So kann verhindert werden, was der SED-Führung in der DDR passierte: dass der König an der Realität vorbeiregiert und sich völlig in seinen Hirngespinsten der Gesellschafts-, Herrschafts- und Zweckoptimierung verrennt. Wenn er sich jedoch von seinen Leidenschaften und Emotionen hinreißen lässt, dann fällt der parrhesiastische Vertrag. Dann geraten zuerst die Wahrsprecher in große Gefahr und schließlich, über kurz oder lang, das gesamte gesellschaftliche Gefüge. Diese Gefahr der Wahrsprecher besteht nicht nur bei einem tyrannischen Monarchen, sondern im selben Maße bei entfesselter Mehrheitshysterie. Angst vor Krankheit und Katastrophen führt gegenwärtig zur Angst vor der freien Rede und besonders vor denen, die sie unerschrocken weiter praktizieren. Am Ende sollen sie schuld sein an einem gesellschaftlichen Chaos, das durch die ungebändigte Macht einer leidenschaftsgetriebenen Mehrheit entsteht.
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