Ein Freibad für die Bürger (m, w, d) vor einem Theater, dazu kostenlos und mitten in Berlin – so die vorgesehene Planung der Leitung der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Nach Umsetzung und Bau hätten dann in den knapp acht Wochen der Existenz laut Angaben des Hauses „rund 20.000 Badegäste“ das Angebot genutzt. Für Intendant Mathias Lilienthal ist dabei der immense Kostenaufwand der senatsgeförderten Spielstätte vollkommen sekundär in der Bedeutung.
Der rbb berichtet zu Informationen der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz zum Ende der ersten Badesaison des „Volksbad Berlin“. Intendant Matthias Lilienthal wollte demnach mit dem Projekt „auf die marode Infrastruktur in der Stadt“ aufmerksam machen und einen Ort schaffen, an dem alle Menschen zusammenkommen können.
Das Volksbad wäre für ihn das „unprovokativste Projekt“ gewesen, das er je in seiner Karriere gemacht habe. Zum Start des Volksbades zitieren ihn Agenturmeldungen mit der wörtlichen Eigenwahrnehmung:
„Ich wollte immer schon Schwimmbadleiter werden und nicht Theaterdirektor, und den Wunsch habe ich mir jetzt erfüllt.“


Das Theater habe mit dem Badebecken versucht, auf die „elementaren Bedürfnisse“ der Berliner einzugehen. Der Eintritt für Badegäste war dabei frei, kostenlose Tickets mussten vorab gebucht werden. Zur notwendigen Finanzierung des Hauses heißt es laut Medienbericht:
„Für das Projekt waren ursprünglich 300.000 Euro veranschlagt worden. Nach Angaben aus einer schriftlichen Anfrage eines AfD-Abgeordneten an das Berliner Abgeordnetenhaus beliefen sich die tatsächlichen Kosten auf rund 410.000 Euro. Ein Plus von 36,67 Prozent.“
Ein Schwimmartikelhersteller übernahm 27.500 Euro im Rahmen eines Sponsorings, der Rest wurde aus dem regulären Haushalt der Volksbühne finanziert. Der Bund der Steuerzahler kritisierte und hinterfragte bereits nach der Eröffnung im August die „fragwürdige Aktion“:
„Berlin bekommt in diesem Sommer ein neues (temporäres) öffentliches Schwimmbad. Allerdings haben die Berliner Bäderbetriebe damit nichts zu tun … Ob sich in Sachen Verfall der Infrastruktur etwas ändern lässt, wenn man acht Wochen lang eine Gratis-Schwimmbad-Party feiert, bleibt jedoch fraglich.
Die Volksbühne hatte im letzten Jahr Einnahmen in Höhe von ca. 4,4 Millionen Euro, u. a. aus Ticketverkäufen. Dem gegenüber stehen Ausgaben in Höhe von ca. 28 Millionen Euro. Die Differenz, also 23,6 Millionen Euro, kommt vom Land Berlin. Der überwiegende Teil des Haushaltes ist also über Zuschüsse vom Steuerzahler finanziert.“
Finanzieren konnte die Volksbühne das Projekt laut rbb-Informationen nur, „weil der Theaterbetrieb später als sonst startete“. Wegen notwendiger Reparaturen an der Bühnentechnik konnte im September demnach nicht gespielt werden. Das dadurch dann frei gewordene Budget „wurde für das Volksbad genutzt“.
Etliche Politiker der Stadt hatten das Projekt vor und nach Beginn stark kritisiert. Die SPD-Abgeordnete Dunja Wolff verwies unter anderem auf die schwierige Lage vieler kleiner Bühnen in Berlin. Gegenüber dem rbb erklärte sie:
„Wir haben viele kleine Theater auch im Bezirk, die so gekämpft haben. Die hätten sich über jeden Cent gefreut.“
Demgegenüber erklärte der Intendant und Bademeister, er habe „nur positive Resonanz gekriegt“. Das temporäre Freibad habe „die Leute in der Stadt gefreut“ und zudem den Blick auf das Theater „total verändert“. Seine positive Bilanz lautet: „Ich finde, dass es sich total gelohnt hat. Natürlich ist das total viel Geld“.
Die größten Kostenpunkte waren demnach die Anmietung des Schwimmbeckens mit 90.000 Euro und die notwendige Infrastruktur wie Container, Umkleiden und Duschen mit 81.000 Euro. Dazu Kosten für Sicherheitspersonal „und andere Dinge“.
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