Im zweiten Teil des Interviews will Sharmine Narwani [The Cradle ] von Victor Gao wissen, mit welcher Reaktion Israel zu rechnen hätte, falls es gegen den Iran mit Atomwaffen einsetzen würde.
Victor Gao: Es wäre eine Situation zu schaffen, nach der
kein Land in Nahost mehr Atomwaffen haben dürfte! – Teil 2
The Cradle: Ich möchte nicht widersprechen, doch der lange Arm der Gerechtigkeit lässt sehr lange auf sich warten, während Hunderttausende an Hunger leiden. Darum geht es: Genau das hat viele Menschen veranlasst, um Abhilfe zu fordern. Zugleich möchte ich anerkennen, dass die chinesische Regierung alle palästinensischen Fraktionen zu einem Treffen nach Peking geladen hatte, um zu versuchen, sie alle auf einen Nenner zu bringen.
Kürzlich haben wir auch erfahren, dass China neue Investitionen in Israel verboten habe!
Doch noch einmal: Hungrige Menschen und der langsame Arm der Geschichte und Gerechtigkeit, bringt mich zur Frage: Könnten Sie als Analyst den aktuellen Krieg gegen den Iran gegebenenfalls aus Ihrer persönlichen Sicht, nicht aus der von Peking, erläutern? Ihre legendär gewordenen offenen Meinungsäußerungen auch dazu würde ich schätzen: Was wären die Vorteile für China, falls dieser Krieg weiterliefe? Die negativen Auswirkungen sind uns bewusst – Sie haben uns diese bereits genannt:
- Es beträfe die Welt.
- Es beträfe den Energiehandel, den China benötige.
- Es beträfe die internationalen Beziehungen.
- Wir könnten am Rande des Dritten Weltkriegs stehen.
Doch lassen Sie uns über einige der Vorteile sprechen, die China ggfs. aus dem Krieg ziehen könnte. Ich möchte das nicht im negativen, sondern nur im geopolitischen Sinn – in nüchterner Abschätzung und als reine Analyse – verstanden wissen:
Glauben Sie nicht, dass die Forderung des Irans, um für Transporte durch die Straße von Hormos Zahlungen in Yuan und gegebenenfalls in anderen nicht-westlichen Währungen eintreiben zu lassen, nicht nur für China, sondern auch für die multipolaren Ziele von BRICS und SCO [Shanghai Cooperation Organisation] zur Schaffung neuer weltweiter Zahlungsplattformen bis hin zur Beendigung der Pax Americana, einen Nettogewinn ergeben könnte? Victor, könnten Sie dieses Thema für uns von dieser Seite aus bzw. von der Sicht der Nettogewinne her näher beleuchten?
Victor Gao: Ich möchte Ihnen dazu meine wahren Gefühle und ehrliche Meinung aus ganzem Herzen sagen:
Für China ergibt sich überhaupt kein einziger Nettovorteil in Folge des Krieges. Es ist ein Angriffskrieg mit Kriegsverbrechen gegen Irans Bevölkerung. Es kommt dabei zu schockierenden Auswüchsen mit keinem einzigen Vorteil, den ich in Bezug auf China daraus ersehen könnte.
China fordert nachdrücklich ein sofortiges Ende dieses Krieges und eine gründliche Untersuchungen aller begangenen Kriegsverbrechen sowie aller Verbrechen gegen die Menschlichkeit, welche im Verlauf dieses Krieges begangen wurden:
Gegen ein Land, das es wagt, inmitten von Verhandlungen einen Angriffskrieg zu starten, sollte in der Tat ermittelt werden!
Falls ein Land sich daran machte Berechnungen darüber anzustellen, ob es mehr oder weniger gewinnen oder verlieren würde, würde das keiner angemessenen Vorgehensweise entsprechen. Lassen Sie mich Ihnen und Ihrem Publikum weltweit mitteilen, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun müssen, um im Rahmen internationaler Zusammenarbeit auf alle involvierten Parteien Druck auszuüben, damit dieser Krieg sofort beendet würde. Ich möchte es auf den Punkt bringen:
- China realisiert inzwischen mehr als ein Drittel der weltweiten Produktionsleistung. Das ist mehr als jene der Vereinigten Staaten, EU und Japan zusammen!
- Doch im internationalen Handel werden nur etwa 3% aller Zahlungen über den chinesischen Yuan bzw. Renminbi abgewickelt!
Meiner Ansicht nach wäre die Verrechnungen über Yuan/Renminbi mindestens zu verzehnfachen, …
… von derzeit drei auf schlussendlich rund dreißig Prozent!
Das Erreichen eines Anteils von 30% [zur angenommenen Abwicklung in Yuan] am BIP im globalen internationalen Handel würde mehr oder weniger proportional dem Anteil der chinesischen Fertigungsindustrie sowie dem Gewicht des chinesischen Beitrages zum Wachstum des weltweiten BIP [Bruttoinlandsprodukts] entsprechen.
Daher sollte niemand über den steten Anstieg und die Zunahme des Gewichts von Renminbi an der heutigen Weltwirtschaft schockiert sein: Letztendlich gehe ich davon aus, dass wir – ob mit oder ohne Krieg – den chinesischen Beitrag zur Weltwirtschaft, zur Fertigung, zur Industrialisierung, zur Urbanisierung und zur Vernetzung aller Art sowie zur Verteidigung des internationalen freien Handels, fortsetzen werden. Wenn immer irgendein Land den Renminbi…
… zur Abwicklung seines Handels mit Öl, Gas oder anderen Gütern einsetzen wollte, so würden wir das stets begrüßen!
Wir glauben jedoch nicht, dass dies ein Vorteil wäre, der China erst durch Fortsetzung dieses Krieges entstanden wäre. Vielmehr hoffe ich, dass dieser Krieg möglichst sofort und am besten noch heute beendet würde sowie USA & Israel veranlasst werden könnten in sich zu gehen. Es sollte ihnen niemals mehr erlaubt sein, einmal mehr einen Angriffskrieg gegen irgendein Land, einschließlich Iran, zu beginnen.
Israel sollte niemals so tun, als hätten es die Wahrheit gepachtet. Es hat bereits Atomwaffen entwickelt. Berichte besagen, wonach sie in nicht wenigen Fällen mit einem Atomkrieg gegen andere Länder gedroht hätten. Israel verfügt über keinerlei Recht, von irgendeinem anderen Land – nicht nur im Nahen Osten, sondern auf der ganzen Welt – zu verlangen, dass es keine Atomwaffen entwickle: Sie selbst haben als Erste gegen diese Regeln verstoßen und …
… verfügen inzwischen über Atomwaffen mit deren Einsatz sie drohen!
Wie schon erwähnt, müssten wir letztendlich, sobald es zum zweiten oder dritten Schritt gekommen wäre [Anmerkung der Redaktion: Nachdem der US-Elefant aus der Grube gezogen worden wäre – mehr Details dazu, siehe Teil 1], eine Situation schaffen, nach der es in jedem Land des Nahen Ostens überhaupt keine Atomwaffen mehr geben dürfte. Das würde wahrscheinlich ein besseren Nahen Osten machen: Es würde zu echtem Frieden und Stabilität führen sowie zur friedlichen Koexistenz zwischen den Ländern im Nahen Osten beitragen!
The Cradle: Victor, uns kommen immer mehr Gerüchte zu Ohren, dass Israel möglicherweise eine Atomwaffe gegen den Iran einsetzen könnte – das erscheint extrem gefährlich! Zugleich sehen wir, wie Medien im Westen bzw. …
… deren politische Kommentatoren beitragen, den Boden für Widerwärtiges, was gerade in Planung wäre, aufzubereiten!
Es wird insgesamt viel zu viel darüber gesprochen, dass Israel Atomwaffen gegen den Iran einsetzen könnte. Dazu zwei Punkte:
- Falls Israel eine Atomwaffe gegen den Iran einsetzen würde, zeigte das dann nicht ultimativ, wonach das israelische – und US-Militär außerstande gewesen wären, ihre Ziele gegen eine Mittelmacht wie die des Irans [auf militärisch konventionelle Weise] zu erreichen? Es zeigte im Grunde, dass ihre Streitkräfte nichts taugten, sodass sie gezwungen wären Massenvernichtungswaffen einzusetzen.
- Der andere Punkt mit der wichtigsten Frage betrifft das, was unsere Zuseher besonders erfahren möchten: Wie würden deklarierte Atommächte, wie China und Russland reagieren, falls ein nicht deklarierter Staat außerhalb der Systeme, welche zur Regulierung von Atomwaffen konzipiert worden waren, wie zum Beispiel durch den Atomwaffensperrvertrag, eine Atomwaffe einsetzen würde? Könnte das nicht einen Wettlauf im Globalen Süden auslösen, um als erste Verteidigungsmaßnahme sich selbst solche Waffen anzuschaffen?
Würde das nicht die Menschen lehren, dass der Iran sich schon längst eine Atombombe hätte beschaffen sollen?
Erlauben Sie mir, Ihnen dazu die folgende Frage zu stellen: Wie glauben Sie würde Peking als verantwortungsbewusste und anerkannte Atommacht – als eine von fünf – darauf reagieren? Was sollte Peking tun, falls ein nicht deklarierter Staat eine schmutzige Bombe gegen ein SCO- oder BRICS-Partnerland einsetzen würde? Wie glauben Sie, würde die Reaktion darauf ausfallen?
Victor Gao: Zunächst einmal möchte ich der israelischen Regierung und den israelischen Führern sagen, dass in dem Moment, in dem Israel einen Atomsprengkopf gegen ein anderes Land einsetzte, einschließlich gegen den Iran, dies …
… den Untergang Israels als Land und Staat bedeuten würde!
Warum? Weil Israel durch den Abwurf eines Atomsprengkopfs auf ein anderes Land zum Staatsfeind Nummer eins der Menschheit geworden wäre. Denn die Menschheit wird Israel niemals dabei unterstützen, einen Atomsprengkopf gegen ein anderes Land einzusetzen und damit Hunderttausende, wenn nicht sogar noch mehr Menschen töten zu lassen. Dies würde in anderen Ländern eine massive Welle an Verurteilungen gegen die Regierung oder das Regime in Israel auslösen und den Untergang Israels als Regime – und als Land – nach sich ziehen. Daher sollte man sich das zweimal überlegen und stets an die chinesische Weisheit denken, dass man:
- im Fall des Einsatzes einer Atomwaffe gegen ein anderes Land, den Untergang des eigenen Landes herbeiführen könnte – so viel zum ersten Punkt.
- Punkt Zwei lautet: Sollte Israel es wagen, einen Atomsprengkopf gegen ein anderes Land einzusetzen, würde dies ironischerweise den gesamten Prozess beschleunigen, gemäß dem andere Länder in diesem Teil der Welt auch versucht sein würden, sich eine Atombombe anzuschaffen. Schlussendlich würde es in diesem Teil der Welt zu einem explosionsartigen und enormen Anstieg an Atomwaffen kommen, was wahrscheinlich zuletzt die Zerstörung der gesamten Region als zuvor noch lebenswerte Umgebung für Hunderte Millionen Menschen nach sich ziehen dürfte.
Eine Aussage von Präsident Trump heute hat mich allerdings zuversichtlich gestimmt. Als er gefragt wurde, ob Israel einen Atomsprengkopf einsetzen werde, antwortete Präsident Trump mit ähnlicher Entschiedenheit: „Nein, das werden sie nicht!“ Ich hoffe, dass Präsident Trump zumindest in diesem speziellen Punkt aufrichtig blieb und hoffe daher:
- dass sich letztendlich der Frieden durchsetzen möge.
- dass Vernunft siegen kann.
- dass Premierminister Netanjahu davon abgehalten werde, jemals daran zu denken, einen Atomsprengkopf gegen andere Länder einsetzen zu lassen.
Die Folgen davon wären enorm: Er selbst sowie die israelische Regierung und das israelische Militär würden als Staatsfeinde Nummer eins der Menschheit gelten!
The Cradle: Doch Israel scheint an Verurteilungen gewöhnt. Israel ist der größte Gesetzesübertreter an Resolutionen des UN-Sicherheitsrats in der Geschichte der UN – würde eine Verurteilung ausreichen? Wären Atommächte in einem solchen Szenario tatsächlich noch handlungsfähig? Läge das im Interesse der Atommächte? Ich frage nicht nach geheimen Plänen, aber sicherlich könnten Länder wie China und Russland nicht tolerieren, was in weiterer Folge zu einer massiven Verbreitung dieser Waffen führen würde. Müsste das nicht sofort im Keim erstickt werden, damit niemand mehr auf solche Gedanken käme? Das wäre zugleich meine Frage an Sie: Was könnte man außer einer Verurteilung noch tun?
Victor Gao: Es geht nicht nur um eine Verurteilung. Ich erwähnte, dass der Moment, in dem Israel es wagen würde, eine Bombe auf ein anderes Land abzuwerfen, der Moment seines Untergangs als Land oder Staat sein würde. Meine Aussage hat verschiedene Bedeutungen. Es ist keine Drohung gegen Israel: Es ist eine Drohung gegen jeden in Israel, …
... der es wagte, daran zu denken, einen Atomsprengkopf gegen andere Länder einzusetzen!
Wie ich sagte: Falls sie es wagen würden, das zu tun, würden sie zum Staatsfeind Nummer eins werden. Das wäre nicht nur eine Verurteilung. Es würde enorme Konsequenzen nach sich ziehen, falls Israel es wagen würde, eine Atomwaffe einzusetzen.
Nun, andererseits denke ich, müssen wir alle herausfinden, warum Israel glaubt, in der Lage zu sein, den Vereinigten Staaten Vorschriften machen oder gar befehlen zu können, wie US-Truppen eingesetzt werden müssten. Erlauben Sie mir, einen Punkt anzusprechen: Ich denke, es ist jetzt höchste Zeit, …
… das Böse, wie es durch Jeffrey Epstein oder wen auch immer mit ihm, verkörpert wird, auszulöschen!
Das ist inzwischen ein sehr wichtiger Punkt. Ich möchte nicht weiter ins Detail gehen. Ich denke, das Böse, wie es von Jeffrey Epstein verkörpert wird, muss vollständig aus der Welt getilgt werden – auch in den Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten!
The Cradle: Hat China die [Epstein]-Akte?
Victor Gao: Nun, irgendwann muss alles ans Licht kommen: Warten wir ab!
The Cradle: Okay …
… diese Art strategischer Unklarheit gefällt mir!

Quelle: Screenshot The Cradle Video
Victor, Sie haben letzten Monat im Februar den Verkauf chinesischer CM302-Anti-Schiffs-Raketen an den Iran verteidigt. Wie könnte es überhaupt Widerstand gegen chinesische Verkäufe an den Iran, einen strategischen Partner Chinas, geben, nachdem die USA und ihre Verbündeten Militärgüter an die schlimmsten Tyrannen der ganzen Welt liefern?
Victor Gao: Zunächst einmal hat die chinesische Regierung die reale Lage ausführlich erläutert:
- Erstens: Ich glaube nicht, dass China Waffen, insbesondere Waffen mit bestimmten Eigenschaften, an irgendein anderes Land verkaufen bzw. sich an Waffenverkäufen beteiligen würde, die letztendlich zu mehr Spannungen, mehr Konfrontationen oder weiteren Kriegsfolgen führen dürften.
- Zweitens: Andererseits sollten China und der Iran, zwei souveräne Staaten, das uneingeschränkte Recht ausüben, normale Handelsbeziehungen miteinander zu pflegen. China wird niemals irgendwelchen sogenannten Sanktionen nachgeben, die von anderen Ländern verhängt wären, sofern diese nicht die Zustimmung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen erhalten hätten.
Daher sollte sich niemand alarmiert zeigen, falls China und der Iran, als souveräne Staaten – zwei unabhängige Länder voll der Entscheidungshoheit – Handel zu normalen, konstruktiven und für beide Seiten vorteilhaften kommerziellen Zwecken betreiben sollten. Andererseits bin ich fest überzeugt, dass China keine Waffenverkäufe an irgendein Land tätigen würde, falls China der Ansicht wäre, dass dies tatsächlich zu mehr Spannungen und schwerwiegenderen Folgen im Fall des Ausbruches eines militärischen Konflikts führen könnte.
The Cradle: So schließe ich daraus, dass der Verkauf von Anti-Schiffs-Raketen aus chinesischer Sicht eindeutig ein Verkauf defensiven Charakters war: Für den Fall, dass Kriegsschiffe anderer Länder, insbesondere die der Vereinigten Staaten, in iranische Hoheitsgewässer eindrängen oder Angriffe auf See gegen den Iran starten wollten.
Das entnehme ich aus dem, was Sie eben gesagt haben. Aber letzten Monat sagten Sie auch, wonach das Ausmaß der chinesischen Unterstützung für den Iran noch auf die Probe gestellt werden müsste. Dies würde zumindest den nachrichtendienstlichen Austausch und die Versorgung sowie Logistik betreffen. Könnten Sie das näher ausführen?
Victor Gao: Nun, ich denke, China und der Iran pflegen einen umfassenden, für beide Seiten vorteilhaften und normalen Austausch im kommerziellen Sinne des Wortes: Kein anderes Land hat irgendeine Berechtigung, sich einem solchen normalen Handel zwischen China und dem Iran in den Weg zu stellen! Falls irgendein Land glaubte, sich durch den normalen Handel zwischen China und dem Iran beunruhigen zu müssen, …
… dann hätte wohl ein solches Land – doch nicht China oder Iran – seinen Verstand verloren!
Das ist der Megatrend in der Welt:
- Jedes Land mit eigener Souveränität und territorialer Integrität sollte in der Lage sein, seine eigenen Angelegenheiten mit anderen Ländern zu regeln, es sei denn, es wäre beispielsweise durch eine vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verhängte Sanktion daran gehindert.
- Keinem Land sollte es gestattet sein, die extraterritoriale Geltung seiner eigenen innerstaatlichen Gesetze gegen ein anderes Land auszuweiten.
- Darüber hinaus wird China niemals dem Druck eines Landes stattgeben, falls es China mit einseitig verhängten Sanktionen gegen ein anderes Land in Verbindung bringen wollte. China wird solchen einseitigen Sanktionen niemals nachgeben, es sei denn, diese wären vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gebilligt worden!
The Cradle: Sie wurden sehr konkret auf eine Frage im Zusammenhang mit dem Krieg gegen den Iran: Sie sprachen über nachrichtendienstliche Informationen, Versorgung und Logistik. Gibt es etwas, was Sie uns dazu noch sagen wollten?
Viele Leute sprechen davon, dass der Iran BeiDou [das chinesische Global Positioning System] – das chinesische BeiDou-System – nutze. Ich bin mir sicher, dass dies anstelle von GPS, also dem amerikanischen GPS-System, geschieht, um es für zivile Anwendungen einsetzen zu lassen.
Wir haben inzwischen eine Zunahme privater chinesischer Satellitenunternehmen festgestellt, von denen einige keine eigenen Satelliten im Weltraum besitzen, aber diese leasen, mieten bzw. Zugang dazu haben und Bilder veröffentlichen lassen, die von den Amerikanern, Israelis und ihren Partnern am Golf eindeutig als Verifizierung von Treffern auf ihre Gebiete am Golf angesehen werden. Diese Dinge hätten – so vermute ich – ohne die Zustimmung der Regierung in Peking nicht geschehen können. Vielleicht können Sie nicht ins Detail gehen, aber glauben Sie, dass es entscheidende materielle Unterstützung von Peking für seinen SCO- und BRICS-Partner Iran zur Bereitstellung und Förderung iranischer Selbstverteidigung gäbe?
Victor Gao: Lassen Sie mich erwähnen, dass das BeiDou-Navigationssystem eines der modernsten und effizientesten Ortungssysteme der Welt ist: In vielen Fällen ist es sogar effizienter als GPS. Zweitens glaube ich, dass fast alle Länder der Welt – nicht ganz 200 – in der einen oder anderen Form die Dienste des BeiDou-Ortungssystems nützen.
Das ist kein Geheimnis. Das ist eine offenkundige Tatsache. Das BeiDou-System betreibt in zahlreichen Ländern der Welt seine Bodenstationen und andere Dienste. Wenn also irgendein Land vorgibt, schockiert zu sein, dass ein anderes Land wie der Iran das BeiDou-System nutzt – oh meine Güte – dann wäre ein solcher Schock völlig ungerechtfertigt, denn das BeiDou-System ist ein offenes System: Jeder kann es benützen. Vorausgesetzt, man nutzt es für normale und legale Zwecke!
Inzwischen übt der Iran sein Recht auf Selbstverteidigung aus. Der Iran wird angegriffen. Der Iran wird von anderen Ländern bombardiert, die vorsätzlich in den Iran eingefallen sind. Der Iran kämpft um sein Überleben. Wenn also jemand im Iran die von BeiDou öffentlich angebotenen Dienste nutzen möchte, sollte das niemanden überraschen. Dies kann man nicht als militärische Unterstützung Chinas für den Iran in seinem Krieg gegen Israel oder gegen die Vereinigten Staaten werten. Ich würde sagen, dass jeder, der verlangt, dass China BeiDou-Dienste für ein bestimmtes Land der Welt einstellen solle, nicht weiß, wie man China respektiert:
China wird solchen Forderungen niemals Beachtung schenken!
Man verfügt über keinerlei Rechtfertigung, um zu verlangen, dass China seinen Dienst für ein anderes Land einstellen müsste. Der BeiDou-Dienst ist global. Jeder und jedes Land der Welt kann diesen Dienst verwenden!
The Cradle: Ihr Kommentar vom letzten Monat, dass Chinas Unterstützung für den Iran zumindest aus der Bereitstellung von [nachrichtendienstlichen] Informationen und Logistik bestehe: Sprachen Sie da nicht von militärischer Unterstützung?
Gao: „Informationen“ kann alles Mögliche bedeuten. Ich denke, wenn Sie verstehen, wer ich bin und wo ich zur Schule ging, erhalten Sie derartige Informationen über mich. „Informationen“ bedeuten nicht nur militärische Informationen. Mit „Informationen“ kann sehr Allgemeines beschrieben werden!
Fortsetzung mit Teil 3 folgt.
Übersetzung: UNSER MITTELEUROPA
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Teil 1 des Interviews mit Victor Gao durch The Cradle: HIER
Das ganze Interview von Victor Gao durch The Cradle als Video auf Englisch: HIER
Zur Straße von Hormos und drohendem Ölembargos wie auch den Plänen der USA für einen begrenzten Atomkrieg berichtete UNSER-MITTELEUROPA im Jahr 2023 und 2025 ausführlich:
UM-Artikel: „Wie Wahrscheinlich ist ein nuklearer Blitzangriff der USA auf den Iran?“
UM-Artikel: „Wie der kollektive Westen durch ungezügelte Kriegspolitik seine Selbstenthauptung verursacht
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