Die USA haben mehrere arabische Golfstaaten gewarnt, sich nach den Zwischenwahlen in den USA am 3. November auf eine mögliche kurze, aber intensive Militäroffensive gegen Iran vorzubereiten. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf informierte Kreise, während US-Präsident Donald Trump einen groß angelegten Angriff auf Teheran erwägt.
Die Warnungen sind Teil umfassenderer Vorbereitungen der USA und Israels für eine neue Angriffswelle gegen Iran. Ziel sei es, die verbliebenen militärischen Fähigkeiten des Landes zu schwächen und den Druck auf Teheran zu erhöhen, die Verhandlungen wieder aufzunehmen.
Die Warnungen seien über diplomatische und militärische Kanäle übermittelt worden. Gleichzeitig bereite sich das US-Militär darauf vor, seine Raketenabwehr zu verstärken, Munitionsbestände aufzufüllen und Flugzeuge für mögliche Kampfeinsätze bereitzustellen.
Trump hat einen Angriff bislang nicht genehmigt. Berichten zufolge tendiert er jedoch zu einer umfangreichen Militäroperation nach den Wahlen, die sich gegen iranische Infrastruktur und Nuklearanlagen richten könnte. Eine Verhandlungslösung bleibt demnach weiterhin möglich.
Bei einer Wahlkampfveranstaltung am Dienstag in Lubbock im US-Bundesstaat Texas deutete der Präsident an, dass in Iran in absehbarer Zeit Entwicklungen bevorstehen könnten. „Sie werden Iran in ein paar Wochen sehen, wenn es Ihnen nichts ausmacht“, sagte Trump zu seinen Anhängern.
Finanzminister Scott Bessent versuchte unterdessen, den Wahltermin von der strategischen Einschätzung der Regierung abzugrenzen. „Wir werden die Zwischenwahlen haben, und an der Kalkulation von Präsident Trump wird sich nichts ändern“, sagte Bessent am 26. Oktober.
Das US-Militär verlegt Berichten zufolge zusätzliche Luftabwehrsysteme in den Nahen Osten und passt zugleich seine regionale Truppenpräsenz an, um die Gefährdung durch mögliche iranische Vergeltungsangriffe zu verringern. Ein Patriot-Raketenabwehrsystem wird vom US-Stützpunkt Fort Bliss im Bundesstaat Texas in die Region verlegt. Ein Teil der zusätzlichen Kapazitäten soll nach Angaben von Regierungsvertretern und Flugverfolgungsdaten Israel erreichen.
Zudem wurden US-Soldaten von Militärstützpunkten abgezogen oder verlegt, die als besonders anfällig für iranische Raketenangriffe gelten. Gleichzeitig stocken die US-Streitkräfte ihre Munitionsbestände auf und bereiten Bomber sowie Kampfflugzeuge auf mögliche Offensivoperationen vor.
Im kommenden Monat soll die militärische Präsenz mit der Ankunft einer weiteren Flugzeugträgerkampfgruppe und einer Marine Expeditionary Unit (MEU) ausgebaut werden, eines beweglichen Marineverbandes für Einsätze an Land und auf See. Derzeit sind rund 20 US-Kriegsschiffe im Nahen Osten im Einsatz. Ein Teil davon könnte die Region allerdings verlassen, sobald Ablöseschiffe eintreffen.
Nach dem Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar durch die USA und Israel reagierte Teheran mit Raketen- und Drohnenangriffen sowie Einschränkungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus. Verhandlungen über eine umfassendere Einigung scheiterten später. Iran nutzte die Kampfpause, um seine Raketenproduktion teilweise wiederherzustellen und seine Verteidigung zu stärken. Für den Fall neuer US-israelischer Angriffe droht Teheran zudem mit Vergeltung gegen Flughäfen, Pipelines und Energieanlagen in den Golfstaaten.
Die mit Iran verbündeten Huthi im Jemen haben am Dienstag unter anderem die saudische Ölraffinerie Ra’s Tanura, die größte des Königreichs, bei einem erneuten Angriff auf die Energieinfrastruktur an der Golfküste ins Visier genommen. Am frühen Dienstagmorgen brach in der Nähe des Ölexportzentrums ein Feuer aus, das später unter Kontrolle gebracht wurde.
Die Huthi erklärten laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, die Raffinerie mit einer ballistischen Rakete angegriffen zu haben. Ihr Militärsprecher Yahya Saree sagte, der Angriff habe einen Brand auf dem Gelände ausgelöst.
Zu dem Komplex gehört auch ein Verladeterminal für Ölexporte. Die Anlage liegt am Persischen Golf, westlich der Straße von Hormus. Die saudischen Behörden haben bislang nicht bestätigt, dass die Raffinerie selbst getroffen wurde.
In einem Beitrag auf X erklärte zudem der Huthi-Sprecher, die Gruppe habe das saudische Verteidigungsministerium in der Hauptstadt Riad mit einer ballistischen Rakete angegriffen.
استهدفت قواتنا المسلحة بفضل الله وزارة الدفاع في عاصمة العدو السعودي الرياض بصاروخ باليستي وكانت الإصابة مباشرة بفضل الله.
— العميد/ يحيى سريع (@Yah_Saree) October 27, 2026
Der Sprecher der von Saudi-Arabien angeführten Koalition, Turki Al-Maliki, schrieb am Dienstag auf X, die Luftverteidigung habe „zwei ballistische Raketen abgefangen und zerstört, die von der terroristischen Huthi-Miliz auf Riad abgefeuert wurden“.
Saudi-Arabien hat seine Angriffe auf die Huthi verstärkt, seit die Miliz im vergangenen Monat strategisch wichtige Gebiete entlang der jemenitischen Küste am Roten Meer erobert hat und in Richtung der Meerenge Bab al-Mandab vorrückt. Diese ist eine wichtige internationale Schifffahrtsroute für die Ölexporte der Golfstaaten. Sie liegt auf der gegenüberliegenden Seite der Arabischen Halbinsel zur Straße von Hormus.
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