Von Alexandra Nollok

Rund um den vierten Jahrestag des Beginns des Ukraine-Krieges speien deutsche Medien Gift und Galle. Skandal: Trotz EU-weiten Verbots erreiche der deutschsprachige russische Auslandssender RT DE Millionen Leser. Dabei sei doch alles, was aus Russland komme, böse „Desinformation“. Statt derlei Behauptungen in der Sache zu belegen, spinnt manch ein „Qualitätsjournalist“ mal wieder selbst wilde Verschwörungstheorien zusammen, die an Wahnvorstellungen grenzen: von angeblichen riesigen russischen „Trollfabriken“ bis zu globalen Netzwerken für „Informationswäsche“ – alles freilich unter der Totalkontrolle des Kremls.

Abgesehen davon, dass ich als angebliche „Kreml-Propagandistin“ noch immer vergeblich auf den mir (und anderen) schon 2022 vom MDR angedichteten Direktdraht zum russischen Präsidenten Wladimir Putin und zum Außenminister Sergei Lawrow warte (der Beitrag wurde wohl inzwischen entfernt), fiel nun das ARD-Magazin Monitor mit einer wirklich hanebüchenen Geschichtsverfälschung zum Zweiten Weltkrieg auf. Als aus dem Publikum Beschwerden kamen, entfernte die ARD die Stelle wohl still und heimlich, an der offen gelogen wurde, aus ihrer Mediathek – und dies dazu sehr dilettantisch.

Geschwurbel über „russische Informationswäsche“

Vollgepackt mit billigen Propagandabegriffen wie „toxische Desinformation“ aus einer „Medienmaschinerie des Kremls“ klagte kürzlich das sogenannte „Faktenchecker-Portal“ Correctiv darüber, dass unter anderem deutsche Behörden das EU-Verbot von RT DE nicht genügend durchsetzten. Dank zahlreicher Spiegelseiten sei das Angebot noch immer abrufbar, ätzte das Portal, drohte Verbreitern solcher Seiten gleich mal mit juristischen Strafen und unterstellt den Lesern implizit, zu dumm zu sein, um „russische Propaganda“ zu erkennen. Als wäre das EU-Verbot eines „Feindsenders“ kein Propagandamachwerk westlicher Informationskontrolleure.

Besonders erfindungsreich fantasierte in dieser Woche die Kampagnen-Plattform Campact über „Russlands Infokrieg“. Die platte Unterstellung, wonach ein solcher ausschließlich von „Putins Reich“ betrieben werde, niemals jedoch von „freiheitlichen Wertedemokratien“ wie Deutschland, ist man schon hinlänglich gewohnt. Doch die Verschwörungsthesen, die dann folgen, schlagen vieles um Längen. So heißt es beispielsweise:

„Der Kreml und seine Gehilfen im In- und Ausland haben ihren Werkzeugkasten der Propaganda und Täuschung in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut und erweitert.“

Das einzige angebliche Beispiel, das sie dafür anführen, ist mal wieder Butscha. Die Vorfälle dort im Frühjahr 2022 sind zwar bis heute nicht unabhängig aufgeklärt worden, aber klar: Was Russland dazu schreibt und fordert, könne nur ein Machwerk aus „Lügen und Leugnen“ sein. So schwadroniert Correctiv weiter von großangelegten „Propagandaoperationen“, „prorussischen Profiteuren“ und „Fake-Aktivismus“ bis zu heimtückischer „Informationswäsche“ (Was soll das sein?).

Kurzum: Nach der Lektüre dieses Beitrags kann (und soll) man glauben, wir RT DE-Autoren seien alle Teil eines vom Kreml gesteuerten Netzwerks, böse Agenten also, die nur auf Anweisung warteten, was wir als Nächstes schreiben müssen, um naive Bundesbürger zu Russlandfreunden zu manipulieren. Komisch nur, dass wir noch nichts davon gemerkt haben. Von der Idee, dass es auch Menschen geben soll, die zu anderen Schlüssen als die Herrschenden kommen, hat man bei Campact und Co. wohl auch noch nichts gehört.

Monitor: Amerikaner hätten Nazideutschland „befreit“

Nun ist der Russenhass, genau wie die fanatische Israelsolidarität inklusive Unterstützung des Völkermords an den Palästinensern, anscheinend deutsche Staatsräson. Wer anderer Ansicht ist, kann heute nicht nur vor dem Kadi, sondern schnell auf einer EU-Sanktionsliste im rechtsfreien Raum landen und bürokratisch in den wirtschaftlichen und sozialen Tod getrieben werden. Diesen Autoritarismus sowie die Lügen, mit denen die angebliche „Freiheitsdemokratie“ ihn durchsetzt, verschweigen seine Befürworter aber am liebsten.

Kürzlich wurde beispielsweise das ARD-Magazin Monitor dabei erwischt, wie es in einen Beitrag eine wirklich dreiste Geschichtsverfälschung einbaute. Es ging darin um die Frage, ob in den USA unter Trump gerade der Faschismus entstehe. Abgesehen von der bürgerlich-idealistischen Bullshit-Verklärung, wonach Faschismus durch einen wie aus dem Nichts aufgetauchten bösen Mann wie Trump entstehe und mit der Durchsetzung von Kapitalinteressen rein gar nichts zu tun habe, behauptet die Sprecherin ab Minute 9:21 Folgendes:

„Deutschland unter Hitler, befreit vor allem von den Amerikanern.“

Das sind gleich zwei Lügen in einem Satz: Denn erstens wurde Deutschland nicht „befreit“, denn das würde bedeuten, die Nazis wären völlig ohne Zutun der Bevölkerung an die Macht gekommen. Tatsächlich wurde es schlicht und ergreifend besiegt. Zweitens kann man sogar bei Wikipedia nachlesen, dass die Sowjetunion nicht nur das am übelsten zugerichtete Land mit rund 27 Millionen Opfern war, sondern auch 80 Prozent der Kampfhandlungen gegen Nazideutschland und die Befreiung der meisten Vernichtungslager auf ihr Konto gingen. Die westlichen Alliierten, darunter die USA, beschränkten sich weitgehend darauf, vor allem zivile Ziele aus der Luft zu bombardieren.

Beitrag nach Kritik manipuliert?

Die offene Lüge ist den ARD-Verantwortlichen anscheinend selbst peinlich. Nachdem Youtube-Nutzer in den Kommentaren darauf aufmerksam gemacht hatten, versuchte die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt offenbar, den Beitrag in der Mediathek zu manipulieren – was ihr vermutlich nicht ganz wie geplant gelang.

Bei etwa Minute 10, kurz bevor dort die Falschaussage kommt, springt das Video plötzlich zurück auf den Anfang. Versucht man, das Video an dieser Stelle nochmals zu starten, wird ein „Wiedergabefehler“ angezeigt. Setzt man das Video auf etwa Minute 10:40, läuft es wieder normal weiter. Die Stelle, an der die Sprecherin die Lüge verbreitet, ist also auf der ARD-Website nicht mehr abrufbar.

Da wird man glatt mal fragen müssen: Wer verbreitet hier eigentlich die „Propaganda und Täuschung“, die deutsche Medien stets russischen Kanälen vorwerfen? Und gehört die offensichtlich klammheimliche, dilettantische nachträgliche Entfernung der zurecht beanstandeten dreisten Lüge zur besten Sendezeit im Öffentlich-Rechtlichen in die von Campact erwähnte Kategorie der „Informationswäsche“?

Wertewestliche Desinformation in Dauerschleife

Nun ist das nur ein (besonders dreistes) Beispiel für zahlreiche ähnliche Fälle aufgeflogener „Desinformation“ oder eben „Täuschung“ im immer noch viel gesehenen öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Vor allem zu außenpolitischen Themen wie Russland, Ukraine oder „Nahost“ haben deutsche Medien und Politiker schon gelogen, verschleiert, weggelassen, manipuliert oder schöngeredet, dass sich die sprichwörtlichen Balken biegen. RT DE hat immer wieder solche Fälle dokumentiert, etwa hierhier oder hier

Könnte das wohl der Grund sein, warum die deutsche und EU-Bevölkerung mit aggressiven Drohungen von RT und anderen „Feindsendern“ ferngehalten werden soll? Der Verdacht drängt sich sehr deutlich auf. 

Mehr zum Thema – Terminatorus Pistolius – Ausdruck selbstmörderischer Kriegsgeilheit der Eliten Europas

Abbildung des Banners Merch Gegen Oben
Nach oben scrollen