Die globalen Treibstofflieferungen sind derzeit durch die Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine eingeschränkt. Vor diesem Hintergrund arbeiten US-amerikanische Ölraffinerien an der Grenze ihrer Kapazitäten. Laut der Financial Times (FT), die sich auf Angaben der Energieinformationsbehörde (EIA) beruft, arbeiten die Raffinerien im ganzen Land mit einer Auslastung von 96 Prozent ihrer Kapazitäten, in den Regionen Mittlerer Westen und Rocky Mountains sogar mit 100 Prozent. Jeder Ausfall könnte jedoch schwerwiegende Folgen haben.
US-amerikanische Energieunternehmen haben ihre Exporte von Erdölprodukten, darunter Dieselkraftstoff und Flugpetroleum, auf Rekordniveau gesteigert, nachdem Iran die Straße von Hormus gesperrt hatte. Um diese Rekordexporte zu stemmen, arbeiten die Raffinerien mit hoher Auslastung. Dies hat unterbrechungsfreie Lieferungen sichergestellt und den Kursanstieg von Unternehmen wie Valero Energy und Marathon Petroleum begünstigt: Seit Jahresbeginn haben sich die Aktien der beiden größten US-Raffineriebetreiber nahezu verdoppelt.
Die Analysten warnen jedoch, jeder Ausfall – sei es ein technischer Defekt oder eine Naturkatastrophe wie ein Hurrikan – würde Verbraucher weltweit treffen, die bereits jetzt unter hohen Energiepreisen leiden. Der Energiestratege der Rabobank, einer niederländischen Großbank mit Schwerpunkt auf Agrar- und Rohstoffmärkten, Joe DeLaura, sagte:
„Der Anstieg der US-Exporte hilft, aber das ist nur ein Pflaster auf einer schweren Schusswunde. Wir versuchen, das Defizit auszugleichen, indem wir an der Kapazitätsgrenze arbeiten, aber das bedeutet, dass jeder Ausfall einer Raffinerie äußerst schwerwiegende Folgen haben wird.“
Im Frühjahr kündigte US-Präsident Donald Trump an, dass die USA die strategische Reserve nutzen würden, um den Anstieg der Ölpreise abzumildern. Dabei ging es um die Freigabe von 172 Millionen Barrel, wie das Energieministerium präzisierte. Laut FT hat Washington bereits rund 77 Prozent der 172 Millionen Barrel aus der Strategischen Erdölreserve (Strategic Petroleum Reserve, SPR) auf den Markt gebracht.
Im Juli teilte der US-Rechnungshof (Government Accountability Office, GAO) mit, dass etwa 25 Prozent des gesamten SPR-Bestands faktisch nicht verfügbar seien. Insbesondere das Lager Big Hill in Texas sei außer Betrieb, da veraltete Rohölpumpen, Rohrleitungen und Steuerungssysteme ausgetauscht würden. Bei den unterirdischen Rohöllagern Bayou Choctaw und West Hackberry im Süden Louisianas seien die Auffüllmöglichkeiten aufgrund erheblicher Probleme bei der Entsorgung von Lagerstättenwasser und eines kritisch niedrigen Grundwasserspiegels eingeschränkt.
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