Der gestern Abend geschlossene zehntägige Waffenstillstand schien am frühen Freitag im Libanon zu halten und versprach eine Pause der Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah. Zugleich könnte er ein großes Hindernis für eine Vereinbarung zwischen Iran sowie den Vereinigten Staaten und Israel aus dem Weg räumen, die darauf abzielt, den bereits mehrere Wochen dauernden verheerenden Iran-Krieg zu beenden.
Unklar blieb jedoch, ob Israel seine Angriffe auf die Hisbollah vollständig einstellen und die Hisbollah eine Vereinbarung akzeptieren würde, an deren Aushandlung sie nicht beteiligt war und die vorsieht, dass israelische Truppen weiterhin einen Teil des Südlibanons besetzt halten.
US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Vereinbarung als einen „historischen Tag für den Libanon“, während er zugleich in einer Rede in Las Vegas zuversichtlich erklärte, dass der Krieg mit Iran bald enden werde. „Ich kann sagen, dass der Iran-Krieg sehr gut verläuft“, sagte Trump. „Er dürfte ziemlich bald zu Ende gehen.“
Tatsächlich ist die Waffenruhe im Libanon vor allem ein Trump-Effekt: Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte auf den Druck des US-Präsidenten, der einen gesichtswahrenden Ausweg aus dem Iran-Krieg sucht. Daher geht es Trump nicht in erster Linie um das Schicksal des Libanon. Die Waffenruhe mit Israel ist vielmehr eine Voraussetzung für einen Deal mit Iran.
Ein Ende von Israels Krieg mit der Hisbollah war eine zentrale Forderung der iranischen Verhandlungsführer, die Israel zuvor vorgeworfen hatten, die aktuelle Waffenruhe durch Angriffe auf den Libanon gebrochen zu haben. Israel erklärte hingegen, diese Vereinbarung habe den Libanon nicht umfasst.
Bereits sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, er habe der Waffenruhe zugestimmt, um Friedensbemühungen mit dem Libanon voranzubringen, betonte jedoch, dass israelische Truppen sich nicht aus den besetzten Gebieten im Süden Libanons zurückziehen würden.
Israelische Streitkräfte lieferten sich zuletzt in der Grenzregion heftige Kämpfe mit der Hisbollah, während sie in den Südlibanon vorrückten, um eine von den Behörden als „Sicherheitszone“ bezeichnete Pufferzone zu schaffen. In seiner Videoansprache sagte Netanjahu, diese werde sich zehn Kilometer (sechs Meilen) weit in den Libanon erstrecken.
„Dort sind wir, und wir werden nicht gehen“, sagte er.
Das israelische Militär hat dennoch eines seiner Ziele offenbar nicht erreicht, als die Feuerpause in Kraft trat: den strategisch wichtigen Ort Bint Jbeil im Grenzgebiet zu Libanon zu erobern. Dort haben sich in den vergangenen Tagen die Kämpfe konzentriert.
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