Die Wahllokale in Ungarn sind geschlossen, die Auszählung der Stimmen hat begonnen. Mit ersten vorläufigen Ergebnissen wird innerhalb der nächsten Stunde gerechnet. Anders als in vielen europäischen Ländern gibt es in Ungarn keine Exit Polls. Stattdessen werden letzte Meinungsumfragen veröffentlicht, die in den Tagen vor der Wahl erhoben wurden und am Wahlabend als Orientierung dienen.
Das 21 Research Center, das nach eigenen Angaben unter anderem von der Europäischen Kommission finanziert wird, hat seine abschließende Umfrage veröffentlicht. Sie sieht einen deutlichen Sieg der oppositionellen Tisza-Partei bei 55 Prozent der Stimmen gegenüber 38 Prozent für Fidesz. Demnach würde die Partei von Péter Magyar 135 Sitze im Parlament erhalten, Fidesz käme auf 62 Mandate.
Die Umfragewerte des 21 Research Centers hatten Tisza bereits im Vorfeld klar in Führung gesehen. Sowohl Ministerpräsident Viktor Orbán als auch Péter Magyar betonten am Wahltag, dass jede einzelne Stimme entscheidend sein könnte.
In Budapest hatten beide Lager ihre Wahlveranstaltungen vorbereitet. Fidesz organisierte seine Veranstaltung an der Donau mit einer großen Bühne am Ufer. Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses versammelten sich Unterstützer der Tisza-Partei, die unter anderem „Systemwechsel-Bier“ verkauften und die Zeit bis zur Ergebnisverkündung überbrückten.
Die Wahlbeteiligung erreichte ein außergewöhnlich hohes Niveau. Bis 17 Uhr lag sie bei 74,23 Prozent und übertraf damit bereits zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale den Gesamtwert der Wahl von 2022. Medienberichten zufolge könnte die Beteiligung bis zur Schließung der Wahllokale über 80 Prozent liegen.
Kurz nach Ende der Abstimmung wurden zwei weitere Umfragen veröffentlicht. Beide sehen die Tisza-Partei deutlich vorn. Das Median-Institut kommt auf 57,1 Prozent der Stimmen für Péter Magyar und rechnet mit rund 135 Sitzen, was knapp für eine Zweidrittelmehrheit reichen würde.
Die Institute weisen darauf hin, dass es sich nicht um Exit Polls handelt. Die Erhebungen wurden zwischen dem 7. und 11. April sowie zwischen dem 8. und 11. April durchgeführt. Sollte sich dieses Bild bestätigen, würde Viktor Orbán nach 16 Jahren an der Macht aus dem Amt scheiden.
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