Laut einer von Bild veröffentlichen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA befürworten die Befragten eine Lockerung der sonntäglichen Ladenöffnungszeiten in einzelnen Bereichen, lehnen jedoch eine generelle Liberalisierung mehrheitlich ab.
So findet es zwar eine knappe Mehrheit von 44 Prozent richtig oder eher richtig, wenn Bäckereien, Konditoreien und öffentliche Bibliotheken sonntags länger geöffnet hätten. Immerhin 40 Prozent lehnen auch in diesen Bereichen eine sonntägliche Öffnung ab. Bei der aktuellen Umfrage vom 9. und 10. Juli 2026 befragte INSA insgesamt 1.003 Bürger.
Die Bundesregierung plant, ab Januar 2027 längere Sonntags- und Feiertagsarbeitszeiten für Mitarbeiter im Bäckergewerbe und Bibliotheksangestellte zu erlauben. Dann wäre die sonntägliche Buchausleihe nicht mehr nur in wissenschaftlichen Präsenzbibliotheken, sondern auch in Stadtbibliotheken möglich.
Im Gegensatz zu den Ladenschlussgesetzen, für die die Bundesländer zuständig sind, kann der Bund über das Arbeitszeitgesetz den Arbeitseinsatz von Arbeitnehmern an Sonn- und Feiertagen regeln. Geht es nach der Regierung von Friedrich Merz, öffnen Bibliotheken ab nächstem Jahr am Sonntag bis zu sechs Stunden lang, Bäckereien und Konditoreien dürfen dann acht Stunden lang verkaufen. Bisher dürfen sie an diesem Tag – je nach Bundesland – lediglich drei bis fünf Stunden öffnen.
Eindeutiger ist die Haltung der Befragten, wenn es um die Möglichkeit einer sonntäglichen Öffnung für alle Geschäfte geht. Auf die Frage „Sollten alle Geschäfte Ihrer Meinung nach künftig häufiger am Sonntag öffnen dürfen?“ antworteten nur 37 Prozent der an der Umfrage Beteiligten mit „Ja“. 52 Prozent lehnten eine generelle Sonntagsöffnung ab oder tendierten eher dagegen.
Geht es also nach dieser Umfrage, entsprechen die jüngsten Forderungen der deutschen Handelsverbände nach einer Aufhebung des Öffnungsverbots am Sonntag nicht den Wünschen der Konsumenten.
So hatte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), kürzlich gegenüber Bild erklärt: „Einkaufen ist auch Freizeiterlebnis. Daher setzen wir uns für Sonntagsöffnungen im Einzelhandel ein, um Innenstädte attraktiv und lebendig zu halten.“ Vom HDE angestrebt sind bundesweit zehn bis zwölf verkaufsoffene Sonntage pro Jahr.
Und auch Nils Busch-Petersen, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, stieß ins selbe Horn: Deutschland solle endlich einen Schritt nach vorn machen und den Sonntag in das Ermessen der Kaufleute und Kunden stellen. Derzeit mache sich strafbar, wer in Deutschland sonntags ein Hemd verkaufe. Das sei im Zeitalter des Online-Handels von vorgestern. Gewerkschaften und Kirchen lehnen eine sonntägliche Öffnung der Läden jenseits der jetzt schon möglichen Ausnahmen dagegen ab.
Dementsprechend argumentierte Nils Böhlke, Gewerkschaftssekretär in der Landesfachbereichsleitung Handel bei Verdi NRW, gegenüber dem Sender WDR: „Es gibt viele Länder, in denen sonntags geöffnet werden darf. Es ist nicht so, dass der Onlinehandel deswegen weniger verkauft.“ Eine Liberalisierung der sonn- und feiertäglichen Ladenöffnungszeiten brächte nur zusätzliche Belastungen für die Beschäftigten und deren Familien mit sich.
Der Mönchengladbacher Handelsexperte Gerrit Heine wies zudem beim WDR auf das begrenzte Ausgabenbudget der Konsumenten hin: „Wenn die Geschäfte sonntags geöffnet sind, verteilt sich das Budget auf mehr Tage. Gleichzeitig haben die Geschäfte höhere Kosten, insbesondere beim Personal.“ Somit würden längere Ladenöffnungszeiten nicht von vornherein mehr Umsatz bringen.
Eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten ist somit erst einmal nicht in Sicht. Ohnehin müssen die 16 Länderparlamente erst grünes Licht für die längeren sonn- und feiertäglichen Öffnungszeiten im Bäckereiwesen geben. Denn sie sind es schließlich, die über die Ladenöffnungszeiten entscheiden.
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