Zuerst wurde die Anzahl der Grenzübertritte bagatellisiert, dann wurde der Ansturm als Hoffnungsgeschichte verkauft – und nun suggeriert man faktenwidrig, dass beinahe alle Migranten wieder nach Marokko zurückgekehrt seien.
Die ORF-Story zum Chaos in Ceuta tangiert die Realität nur
peripher, was nun auf scharfe Kritik seitens der FPÖ stößt

Inzwischen ist klar: Über 49.000 Menschen – laut neusten Informationen sogar bis zu 60.000 Personen – überwanden am Donnerstag binnen 24 Stunden die Grenze nach Ceuta, der spanischen Exklave an der afrikanischen Nordküste. Doch, bis diese unfassbare Zahlen den zwangsfinanzierten ORF erreichten, dauerte es seine Zeit. Nachdem der mediale Mainstream lange Stunden über angeblich „hunderte“ Grenzübertritte sprach, berief sich der ORF auch noch am Donnerstagabend auf Zahlen der öffentlich-rechtlichen Kollegen der spanischen TVE, dass es sich um „2.000 bis 3.000 Menschen“ handle. Marokkanische Medien sprachen da schon von 30.000 Übertritten und mehr.

Auch der Beitrag in der ZiB2 schien v.a. auf Mitleid abzuzielen: Die Rede war von „ganzen Familien mit Kindern“, Die Migranten seien kilometerweit und „stundenlang“ geschwommen und „völlig erschöpft“ auf der Suche nach einem „besseren Leben“. Die Stimmung sei „euphorisch“, sie hätten dabei gerufen: „Es leben Spanien!“ Das Segment wartete zudem mit einseitigen O-Tönen und Bildern der Hilfsbereitschaft auf. Zu diesem Zeitpunkt verbreiteten sich freilich in sozialen Medien längst Bilder von tumultartigen Szenen und sogar Plünderungen. Außerdem zeigte sich, dass die meisten Migranten wenige hundert Meter um den Grenzzaun schwammen… Dass ein Migrant sogar mitsamt seines Fahrrads um den Grenzzaun schwamm, lässt nicht auf stundenlange Mühen schließen.

FPÖ kritisiert ORF-„Weichzeichnerei“

Scharfe Kritik an dieser Art der Berichterstattung übte FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker:

„Während an der EU-Außengrenze das Chaos regiert, verkauft uns der ORF ‚erschöpft und erfreut angekommene‘ Migranten und eine ‚euphorische‘ Stimmung. Aus einem illegalen Sturm auf die EU-Grenze wird beim Gebührenfunk eine rührselige Willkommensgeschichte. Das ist keine objektive Berichterstattung mehr, das ist Weichzeichnerei auf Kosten der Beitragszahler!“

In Wahrheit würden die Videobilder aber erkennbar zeigen, dass dort nicht Familien, sondern „zum ganz überwiegenden Teil junge Männer im wehrfähigen Alter“ ankämen.

Auch das Zahlenspiel sei ungeheuerlich: „Am 31. Juli spricht der ORF plötzlich von ‚mehreren hundert‘ Menschen, während spanische Behörden von zehntausenden an einem einzigen Tag berichten. Wer einen historischen Grenzkollaps zum Zwischenfall herunterrechnet, betreibt Realitätsverweigerung mit System.“ Insgesamt, so Hafenecker, erzähle der ORF Ceuta als „isolierte Hoffnungsgeschichte und blendet völlig aus, dass unkontrollierte Massenmigration über die EU-Außengrenze auch die Debatte über islamistischen Extremismus und Terror in Europa unmittelbar berührt.“ Wenn zehntausende ungeprüft EU-Boden stürmen, wisse schließlich niemand, wer da wirklich kommt.

„Fast alle zurück“: Doch bis zu 12.000 bleiben

Doch selbst, als auch der Küniglberg-Sender zunächst die Zahl von 49.000 und dann von „bis zu 60.000 Migranten“ einräumen muss, scheint er sich die Kritik nicht wirklich zu Herzen zu nehmen. Denn in einem aktuellen ORF.at-Artikel ist zu lesen, dass der spanische Außenminister behauptet habe, dass „nahezu alle der 50.000 bis 60.000 irregulär eingereisten Menschen von Ceuta nach Marokko zurück“ gekehrt seien – unter Berufung auf eine spanische Tageszeitung angesichts „kaum vorhandener Aussichten auf eine Weiterreise sowie fehlender Unterkunft und Versorgung […] enttäuscht und freiwillig“.

Die Realität sieht freilich anders aus: Denn schon am Freitagnachmittag war in spanischen Medien zu lesen, dass jedenfalls die 7.000 Minderjährigen, welche sich unter den rund 60.000 Grenzstürmern befanden, sehr wohl vorerst in Spanien bleiben dürfen, weil man diese nicht gesammelt nach Marokko zurückschicken kann. Die sozialistische Sanchez-Regierung lässt diese nun auf die spanischen Regionen verteilen. Und auch wenn tatsächlich laut offiziellen spanischen Zahlen rund 48.000 Personen wieder nach Marokko zurückgekehrt sein sollen, bleibt somit rund jeder 5. Grenzstürmer auf EU-Gebiet – 12.000 sind eine größere Zahl als beim bisher intensivsten Ceuta-Ansturm vor 5Jahren.

FPÖ-EU-Mandatarin Petra Steger bezeichnete den Migranten-Sturm auf Ceuta als „orchestrierte Invasion“:

Forderung nach Ende schöngefärbter Realität

Übrigens: Dass der ORF zwar durchaus von „Chaos“, „Ausnahmezustand“ und „zusammengebrochener Grenzsicherung“ spreche, aber einen „illegalen Massenansturm zur menschlichen Hoffnungsgeschichte umdeutet“, hält Hafenecker für besonders perfide, zumal die größere Sicherheitslage ausgeblendet werde und die politischen Schuldigen aus dem Bild genommen werden: „Das ist Haltungsjournalismus in Reinkultur“. Der blaue Spitzenpolitiker, zudem Mediensprecher seiner Partei, plädiert für eine grundlegende ORF-Reform: Der Sender müsse die „ganze Realität abbilden, statt sie schönzufarben“, zudem brauche es ein „Ende der Zwangsgebühren“.

Apropos politische Verantwortung: Auch hier bringt der ORF die entsprechenden O-Töne, ohne diese kritisch zu beurteilen. Ausgerechnet EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen wird als Hardlinerin dargestellt: Ebenso wie ÖVP-Migrationskommissar Magnus Brunner. Dieser wird dahingehend zitiert, dass „keine einzige Person die Grenze zum EU-Festland überschritten“ habe. Eine besonders spitzfindige und realitätsverdrehende Darstellung, denn Spanien ließ sich für Ceuta & Melilla zwar einst ein verschärftes Kontrollregime ausbedingen – dennoch sind die Exklaven ganz normales, spanisches Hoheitsgebiet und Teil des Schengenraums.



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