Am Samstagabend, dem 25. Juli 2026, fand der Berliner CSD ein jähes Ende. Der mutmaßliche Attentäter Abdul B. fuhr mit einem Mietauto in die feiernde Menschenmenge und tötete eine aus Polen angereiste Frau. 31 Menschen wurden bei dem Anschlag teils schwer verletzt. Den mit dem Islamischen Staat in Verbindung gebrachten 21-jährigen Abdul B. erschoss die Polizei am Tag darauf bei dem Versuch seiner Festnahme.

Doch nicht alle trauern um das Todesopfer und empfinden Mitgefühl mit den Verletzten. Ein im Ruhestand befindlicher katholischer Priester aus dem Bistum Fulda nutzte den Anschlag, um mit der homosexuellen Partyszene des Christopher Street Day abzurechnen. Der Leserbrief des kirchlichen Eiferers erschien in der Freitagsausgabe der Fuldaer Zeitung. Die Onlineportale Queer.de und Osthessen News bilden ihn als Bildschirmfoto ab.

Dem Wortlaut des Screenshots zufolge bildete eine Äußerung des Berliner Erzbischofs Heiner Koch den Stein des Anstoßes für Pfarrer Winfried Abel. In einer Stellungnahme hatte dieser kurz nach dem Anschlag erklärt: „Wie schrecklich! Ein so frohes und bewegendes Fest, brutal zu zerstören.“ Man werde in den Sonntagsgottesdiensten Fürbitten für die Opfer halten. Der Hass dürfe nicht gewinnen.

Pfarrer Abel empörte diese erzbischöfliche Einordnung zutiefst. In seinem Leserbrief nannte er den CSD eine „Parade der Schamlosigkeit“ und eine „zur Schau gestellte Verherrlichung der Perversion“. Geistliche hätten den Auftrag, solche Ereignisse „im Sinne des Evangeliums zu deuten und ins rechte Licht zu stellen“.

Es sei bezeichnend, dass Muslime „dem einst christlichen Abendland die zunehmend sittliche Dekadenz zum Vorwurf“ machten und die westliche Kultur verachteten. Auch Fulda könnte sich womöglich als „Stätte dieser Unkultur profilieren“ wollen, äußerte der katholische Hardliner seine Befürchtung und stellte die Frage: „Wird die einst prächtige, nun arg zusammengeschrumpfte Fronleichnamsprozession durch die große Parade halb nackter Leiber verdrängt?“

Zwar brandmarkte der 87-jährige Abel das Vorgehen der islamischen Terroristen als „brutal und menschenverachtend“. Deren Morde und Gruppenvergewaltigungen seien Ausdruck ihres Hasses auf das Christentum. Doch Christen sollten – so die Auffassung des hessischen Priesters – „derartige Gräueltaten als ein Signal des Himmels verstehen, als einen Aufruf zur Besinnung und zur Umkehr.“

Die Empörung ließ nicht auf sich warten. Der Chefredakteur der Fuldaer Zeitung, Tobias Farnung, distanzierte sich in seiner Kolumne von der „verstörenden Argumentation“ des katholischen Priesters. Abels Leserbrief habe den Opfern die Würde geraubt und sei keine gute Werbung fürs Christentum.

Auch das Bistum Fulda sah sich zu einer Stellungnahme gezwungen. Abels Leserbrief gebe nicht die Haltung des Bistums wieder. Die Deutung eines terroristischen Anschlags als Ausdruck göttlichen Handelns weise man entschieden zurück. Aus der Lehre der menschlichen Gottesebenbildlichkeit erwachse vielmehr der Auftrag, „allen Menschen mit Achtung, Respekt und Nächstenliebe zu begegnen“ – und dies unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Kirchenmann Abel am CSD abarbeitet. Bereits im Jahr zuvor hatte er sich in einem offenen Brief, der auf dem katholischen Onlineportal kath.net erschien, von einem Grußwort des Fuldaer Generalvikars zum örtlichen CSD in deutlichen Worten abgegrenzt.

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