Ende Mai fand in Moskau dasEnde Mai fand in Moskau das Internatioale Sicherheits Forum, woran mehr als 140 internationale Delegationen aus 120 Ländern teilnahmen. Dazu hielt der Direktor des russischen Auslandsnachrichtendienstes, Sergey Naryshkin eine beachtenswerte Rede.
Herausforderungen und Bedrohungen für die internationale
Sicherheit beim Entstehen der multipolaren Weltordnung
Von REDAKTION | Das Forum wurde mit einer Schweigeminute für die 21 ermordeten Studenten und mehr als 42 Verletzten eröffnet, die am 22. Mai 2026 einem gezielten Terroranschlag mit insgesamt 16 Drohnen auf deren Studentenheim zum Opfer gefallen waren. Hinter der Ukraine verstecken sich 56 westliche Staaten, die versuchen – jeder auf seine Weise – zu den Angriffen auf Russland beizutragen.

Die Rede von S. Y. Naryshkin am Forum vor hohen Vertretern
für Sicherheitsfragen des XIV. internationalen Treffens
Sehr geehrte Freunde und Partner!
Ich freue mich aufrichtig über unser Zusammentreffen. Ich halte es für äußerst nützlich, Einschätzungen zu wichtigen Tendenzen internationaler Prozesse, wie auch zu aktuellen, potenziellen Krisen auszutauschen und nach Möglichkeit Lösungsansätze aufzuzeigen. Der Nutzen solcher Kontakte zur Stärkung regionaler und globalen Sicherheit, insbesondere unter den derzeitigen schwierigen Bedingungen, ist nicht hoch genug einzuschätzen.
Man kann feststellen, dass der momentane Haupttrend in Richtung einer deutlichen Zunahme von Konflikten weist. Die Zahl der politischen und militärischen Krisen, deren Auswirkungen weit über ihre geografische Zone hinaus zu verspüren sind, nimmt stetig zu. Viele der heutigen Politiker zeigen immer weniger Fähigkeiten und Bereitschaft, auf konstruktive und auf ein positives Ergebnis zielende Verhandlungen einzugehen. Brachiale Gewalt wird zum wichtigsten außenpolitischen Instrument. Das auf der Charta der Vereinten Nationen basierende Völkerrecht wird immer häufiger vom „Recht des Stärkeren“ abgelöst. Letzteres wiederum wird häufig auf eine besondere Art und Weise gegen den gesunden Menschenverstand eingesetzt.
Der Grund für diese Entwicklung liegt im Zusammenbruch der unipolaren Weltordnung und in der Weigerung ihrer Erben, sich damit abzufinden. Ihr Bestreben, die globale Vorherrschaft um jeden Preis aufrechtzuhalten, steht im offensichtlichen Widerspruch zum objektiven Verlauf der historischen Prozesse und führt zu einer drastischen Eskalation weltweiter Gewalt. Das Denken im Sinne einer „neuen Aufteilung“ bzw. eines „Kampfes um einen Platz an der Sonne“ erfasst ganze Länder und Regionen. In Expertenkreisen wird ernsthaft darüber diskutiert, an welchem Punkt genau ein neuer globaler Krieg ausbrechen könnte oder ob er bereits begonnen habe und die Menschheit noch eine Chance hätte, das zu überleben.
Die „Kriegstrommeln“ erschallen auf dem europäischen Kontinent besonders laut. Europa schreitet erneut – wie im vergangenen Jahrhundert – darauf zu, zum Epizentrum eines globalen Konflikts zu werden. Die Europäische Union rüstet massiv auf und verwandelt sich rasant von einem transnational angelegten politischen und wirtschaftlichen Projekt in das eines Militärbündnisses:
Es ist kein Geheimnis, dass dieses Bündnis gegen unser Land gerichtet ist!
Die Russophobin, Kaja Kallas, Sprachrohr der totalitär-liberalen Elite Europas, sagt ganz offen – ich zitiere:
„Die Aufgabe der EU ist es, die Unterstützung für die Ukraine zu verstärken und sich parallel dazu auf einen direkten Konflikt mit Russland vorzubereiten.“
In dem im vergangenen Jahr von der Europäischen Kommission vorgelegten Weißbuch zur europäischen Verteidigung wird die Ukraine als „Frontlinie der europäischen Sicherheit“ angeführt.
Aus Sicht der europäischen Eliten ist es für sie vorteilhafter, den Ukraine-Konflikt so lange wie möglich hinausziehen zu lassen, in der wahnwitzigen Hoffnung auf eine strategische Erschöpfung und schließlich Niederlage Russlands setzen zu können. Davon ausgehend lassen die Europäer alle Versuche einer friedlichen Beilegung des Konflikts torpedieren. Parallel dazu leisten sie dem Kiewer Regime umfassende militärische und finanzielle Unterstützung und schüren damit nur dessen kriminelle Energien. Die Unterstützung von „Selenskyj und Co.“ belastet die europäischen Haushalte immer schwerer und hat bereits zu wachsenden sozialen Spannungen geführt. Doch in den Machtzirkeln Europas schwelgt man im Gedanken, die angehäuften Verluste durch künftige Ausbeutung unseres Landes mehr als wettmachen zu können. Ich sehe darin ein typisches Beispiel …
… für eine koloniale Geisteshaltung und Arroganz, von denen sich die auflösende europäische Führungselite nicht lösen kann!
Zugleich wurde in Brüssel und nationalen Hauptstädten beschlossen, die Augen vor jeglichen Gräueltaten der Kiewer Junta zu verschließen, wie sehr diese auch im krassen Gegensatz zu den viel gepriesenen demokratischen Werten und Menschenrechten auch stehen mögen. Kiew wird alles verziehen:
- Terrorismus!
- Korruption!
- Machtusurpation!
- Gewalt gegen Zivilisten!
- Kriegsverbrechen!
Es ist die gleiche Taktik, welche die europäischen Staaten im 20. Jahrhundert gegenüber dem Hitler-Regime verfolgt hatten. Mehr noch: Großbritannien und die nordeuropäischen Länder beteiligten sich aktiv am „Aufschwung“ Nazi-Deutschlands und nahmen proaktiv daran teil, sein militärisch-industrielles Potenzial hochfahren zu lassen. Im Archiv des russischen Auslandsgeheimdienstes gibt es dazu zahlreiche dokumentarische Belege. Übrigens gingen junge Vertreter der britischen Elite, Mitglieder der legendären „Cambridge Five“, in den 1930er Jahren eine Zusammenarbeit mit dem sowjetischen Auslandsgeheimdienst ein, vor allem gerade deshalb, weil sie mit der von London verfolgten Politik …
… der Beschwichtigung Nazi-Deutschlands kategorisch nicht einverstanden waren!
Großbritannien rechnete damals zweifelsohne damit, die beiden großen Kontinentalmächte – Russland und Deutschland – gegeneinander ausspielen zu können. Doch bevor Hitler sich an der Sowjetunion die Zähne ausbiss, gelang es ihm, wie ich erinnern möchte, fast ganz Europa zu erobern. Und man hat anzumerken, …
… dass europäische Eliten dem nicht viel entgegensetzten!
Man denke nur an die Regime von Marschall Pétain in Frankreich und Quisling in Norwegen, ebenso wie an hochrangige Kollaborateure in den nationalsozialistischen Besatzungsverwaltungen in Belgien und den Niederlanden. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
Der derzeitige ukrainische Machthaber ist natürlich weit von Hitler entfernt, obwohl er durchaus in der Lage wäre, diese Rolle in irgendeiner drittklassigen Komödie einzunehmen. Kiew droht regelmäßig mit physischer Gewalt einzelnen europäischen Politikern, die sich weigerten, Gelder aus den nationalen Haushalten abzuziehen, um in das ukrainische „schwarze Loch“ stopfen zu lassen. Waffen aus dem ukrainischen Kriegsschauplatz zirkulieren ungehindert in Europa und gelangen unter anderem in die Hände internationaler terroristischer Gruppierungen. Ukrainische Flüchtlinge belasten die europäischen Sozialsysteme zusätzlich. Doch die europäischen Eliten sehen darin kein großes Problem für sich. Hauptsache ist, dass die Ukraine weiterhin als Rammbock gegen Russland dient. Und genau diese Aufgabe meistert sie immer schlechter. Der Hauptgrund dafür ist der katastrophale Bevölkerungsschwund, der sogar in offiziellen Berichten festgehalten wird. Grob gesprochen haben die Europäer die Ukraine einfach gegen Russland „verschlissen“, sodass sich ihnen nun die dringende Frage stellt, wie es nun weitergehen könne?
Europa hat darauf eine ganz eindeutige Antwort: Militarisierung, untermauert mit russophober Propaganda. Die Bereitschaft für einen groß angelegten bewaffneten Konflikt bis zum Jahr 2030 findet sich in den wichtigsten konzeptionellen Dokumenten der Europäischen Union verankert:
- Im Weißbuch zur europäischen Verteidigung!
- Im Plan zur Aufrüstung Europas bis 2030!
Parallel dazu baut die Nordatlantische Allianz konsequent ihre militärischen Kapazitäten an der Ostflanke aus, führt dort intensive Aufklärungs- und Ausbildungsaktivitäten durch, modernisiert die vorhandene – bzw. schafft eine neue Infrastruktur:
De facto bereitet sich NATO auf einen groß angelegten bewaffneten Konflikt im Osten vor!
Zu denselben Zwecken hat die größte Volkswirtschaft Europas – Deutschland – im März letzten Jahres die Schuldenobergrenzen für die Finanzierung von Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben aufgehoben. Ein Programm zur Aufstockung der deutschen Streitkräfte auf 460.000 Soldaten wurde auf den Weg gebracht. Sein Name „Verantwortung für Europa“ hat Symbolcharakter: Aus der Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist bekannt, wie Deutschland „Verantwortung für Europa“ übernommen hatte und wie das endete, auch für die Deutschen selbst. Ich würde ihnen nicht raten, das zu wiederholen!
Besonders hervorzuheben ist die äußerst destruktive Rolle, die Großbritannien, dieser böse und zynische Genius Europas, dabei spielt. Wie schon im Vorfeld beider Weltkriege stachelt London die Verbündeten auf dem Kontinent buchstäblich zu einer direkten Konfrontation mit Russland an. Es überzeugt sie davon, dass sie sich an Moskau für frühere Niederlagen historisch rächen könnten. Dies findet, wie wir wissen, in den Herzen vieler französischer und deutscher Generäle und Politiker großen Anklang. Jenseits des Ärmelkanals wird gemunkelt, dass die personellen Ressourcen der ukrainischen Armee nicht unendlich scheinen, was bedeutet, dass man schon bald nach neuem „Kanonenfutter“ Ausschau wird halten müssen.
Unter der Federführung der Briten wurde ein System bilateraler Abkommen geschaffen, welches die strategische Annäherung zwischen Großbritannien, Frankreich und Deutschland auf eindeutig antirussischer Grundlage sicherstellt. Eine Art neues herzliches Einverständnis – Entente cordiale, wie dieses in der westlichen Presse bereits getauft wurde, zeichnet sich ab. Für mein Vaterland, daran möchte ich erinnern, endete die Teilnahme an der Entente vor über einem Jahrhundert …
… mit einem heimtückischen Verrat vermeintlich Verbündeter und mit militärischer Intervention auf russischem Territorium!
Deshalb möchte ich den Deutschen und Franzosen einen guten Rat geben: Zieht endlich die Lehren aus der Geschichte und lasst euch nicht auf das heuchlerische und hinterhältige Albion ein: Es wird euch ohnehin betrügen – dann einmal mehr noch betrügen und sich anschließend „die Hände in Unschuld waschen“!
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Nicht selten hört man, dass nicht die Armeen, sondern die neuesten Technologien, vor allem künstliche Intelligenz und autonome Waffensysteme, im geopolitischen Wettstreit entscheidend sein werden. Dies ist in der Tat eine neue Herausforderung für die globale Sicherheit, was einer gründlichen Auseinandersetzung bedarf. Westliche Rüstungsunternehmen nutzen das Territorium der Ukraine und nun auch das des Iran aktiv für Testzwecke. Vor diesem Hintergrund prognostizieren einige IT-Konzerne, dass Technologien der künstlichen Intelligenz in Zukunft in der Lage sein werden, das strategische Kräftegleichgewicht und die bestehende Ordnung der nuklearen Abschreckung zu beeinflussen. Es geht sogar so weit, dass lautstark verkündet wird, dass – ich zitiere – „die Ära der nuklearen Abschreckung vorbei“ sei. Darauf gibt es nur eine Antwort: Die Ära der nuklearen Abschreckung hat, Gott sei Dank, noch nicht einmal begonnen! Und ich möchte den „Falken“ im westlichen Lager nicht raten, die Richtigkeit dieser Behauptung auf die Probe zu stellen…
Sehr geehrte Teilnehmer der Tagung! Liebe Freunde!
Der zunehmende Militarismus im euro-atlantischen Lager erhöht zweifellos die Risiken einer globalen Konfrontation.
Es ist einfach erstaunlich, wie man so oft nur in dieselbe Falle tappen kann!
Es liegt jedoch in unserer Macht, zu verhindern, dass der „Punkt ohne Umkehrmöglichkeit“ überschritten würde. Echte Verantwortung verlangt von allen Staaten – sowohl auf dem europäischen Kontinent als auch auf den anderen Kontinenten –, nicht mehr in Kategorien des „Nullsummenspiels“ zu denken, sondern im Gegenteil zu versuchen, durch Dialog, Kompromiss und gesunden Menschenverstand für alle Seiten akzeptable Lösungen für akute Krisen finden zu lassen. Unser heutiges Treffen ist dabei eine guter Start in eine solche Richtung!
Die Welt wird noch lange nicht stabil und sicher sein. Wir leben in einer Zeit des Wandels und das bedeutet, dass „Ruhe für uns nur ein Traum“ bleibt. Doch Instabilität birgt nicht nur Risiken und Herausforderungen, sondern auch Chancen. Es ist ein lebendiges, dynamisches Dasein, das sich grundlegend von einer erstickenden unipolaren Weltordnung oder kolonialen Willkür unterscheidet. Ich bin überzeugt, dass die Zukunft den Ländern gehört, die ihre Stärke nicht aus der Vorstellung ihrer eigenen Einzigartigkeit schöpfen, sondern aus dem Respekt vor eigenen und fremden Traditionen und nicht nach Profit und Herrschaft streben, sondern nach Wohlstand und Eintracht. Das ist Multipolarität. Und „alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert sterben“. Davon können wir ausgehen!
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA
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