An der jüngsten Offensive von Al-Qaida und der Azawad-Befreiungsfront (ALF) in beträchtlichem Umfang, scheinen sich auch Frankreich und die Ukraine beteiligt zu haben.
Im Kampf um nationale Befreiung des Zentral-und Westafrikanischen Raumes scheinen sich die ehemaligen französischen Kolonialherren nicht geschlagen geben zu wollen und scheinen nun in Selenskyi offenbar einen „nicht ganz uneigennützigen“ Unterstützer gefunden zu haben.
Phase des offenen Widerstandes „brechen“
Die Großteils Westafrikanischen Staaten, allen voran Mali unter seinem jungen Präsidenten Ibrahim Traore befinden sich bekanntlich in einer Phase offenen Widerstandes gegen die Abhängigkeit von Frankreich. Doch ganz so simpel darf man diese Entwicklung freilich nicht betrachten, ist diese doch auch „innerafrikanisch“ historisch gewachsen.
Der US-Krieg gegen Libyen im Jahr 2011, als man Al-Qaida-Strukturen und Söldnergruppen unterstützt hatte, um die libysch-arabische Jamahiriya zu stürzen, schuf eine immer tiefer werdende „Zone“ der Instabilität, die bis heute ungelöst ist.
Es scheint, dass Frankreich dann einem ähnlichen Skript folgte, das zuvor von den USA in Syrien angewandt worden war. Es galt also den Vorwand von Al-Qaida-ähnlichen Aktivitäten zu operationalisieren, um französische Truppen in jene zentral- und westafrikanischen Länder zu entsenden, in denen Al-Qaida und/oder der Islamische Staat präsent gewesen waren. Gruppen der souveränen Führungsbewegungen in Mali, Burkina Faso und Niger hatten zunehmend beklagt, dass die französische Militärpräsenz, formal freilich auf bilateraler Zusammenarbeit beruhend, in der Praxis die Ausübung souveräner Autonomie einschränkt hatte. Dabei waren Sicherheitsprioritäten, operatives Design und strategische Zielsetzung, wie auch die einheimische Entscheidungsfindung konsequent ignoriert worden. Die Antiterrorismus-Doktrin war weithin als extern tituliert worden um dann durch asymmetrische Koordinationsmechanismen, bei denen der lokale Staat nur als Partner in der Ausführung fungierte, schlussendlich umgesetzt zu werden.
Unter dem „neokolonialen“ Titel
Die anhaltende Präsenz französischer Streitkräfte auf nationalem Territorium war von diesen aufstrebenden Führungsgruppen daher als Beweis für neokoloniale Hybris im Großen und Ganzen interpretiert worden, insbesondere da die nationalen Streitkräfte keine vollständige Kontrolle über ganze Landesteile gehabt hatten. Dieses Argument wurde später auf monetäre Regelungen wie das CFA-Rahmenwerk (Colonies Françaises d’Afrique) ausgeweitet, verbunden mit anhaltendem äußeren militärischen Engagement, was diese Regierungen als Souveränität bezeichneten, jedoch keineswegs in einer wirksamen strategischen Praxis umgesetzt hatten.
Diese souveränistischen Bewegungen, insbesondere im Militär, waren weiter als frühere diplomatische Kritik gegangen und haten in deutlich schärferen Worten argumentiert, dass die französischen Streitkräfte in der Praxis die dschihadistische Bedrohung, der sie formell begegnen sollten, nicht lösten und dass die fortgesetzte Präsenz von Operationen wie Barkhane vielmehr in ein breiteres Sicherheitsumfeld kontrollierter Instabilität eingebettet seien. Das Fortbestehen von Gruppen wie Jama’at Nusrat al-Islam wal-Muslimin wurde nicht als operatives Versagen angesehen, sondern als Beweis dafür, dass die Terrorismusbekämpfung lediglich eine Tarnung für ein langanhaltendes äußeres militärisches Engagement war und sich die anhaltende regionale Unsicherheit nur gegenseitig verstärkte.
Terrorismusbekämpfung als Vorwand für Militärpräsenz
Kurz gesagt, Frankreich unterstützte de facto die westlichen Kräfte, die Al-Qaida- und IS-Gruppen unterstützten, die sie allerdings nominell neutralisieren hätten sollen. Der eigentliche Zweck schien offenbar zu sein, Instabilität zu gewährleisten, um die französische Militärbesatzung auszuweiten, um zu verhindern, dass sich diese Länder wirtschaftlich entwickeln und multilaterale sowie souveräne Diplomatie verfolgen können. Schließlich begannen jedoch national gesinnte souveränistische Führer im Militär, einen Plan zu schmieden, während die nominell zivilen Regierungen nur als Sprachrohre für das fungierten, was eine französische Wiederbesetzung durch „die Hintertüre“ geworden war. Diese Offiziere begannen schließlich im Geiste von Thomas Sankara zu agieren.
In Folge übernahmen diese souveränen Führungsgruppen, insbesondere im Militär in Mali (2020–2021), Burkina Faso (2022) und Niger (2023), selbst die Kontrolle über die verbliebenen nationalen Regierungen und trennten sich schrittweise von ECOWAS-Institutionen, einschließlich Sanktionen und erklärten die Absicht, die Allianz der Sahel-Staaten (Alliance des États du Sahel; AES) zu begründen. Parallel dazu verlagerten diese Regierungen die Sicherheitspartnerschaften von der Operation Barkhane weg, zunehmend auf russische Sicherheitsunterstützung, am sichtbarsten durch die Wagner-Gruppe und später das Africa Corps-Framework des russischen Verteidigungsministeriums.
Operationen in Mali dauern an
Was sich in den letzten Tagen in Mali von der unsicheren Peripherie von Bamako bis hin zu den lang umkämpften nördlichen Korridoren ereignet hat, wird als „koordinierte Angriffe“ berichtet. Bewaffnete Formationen, die mit dem Al-Qaida-Ableger Jama’at Nusrat al-Islam wal-Muslimin verbunden sind, in operativer Allianz mit der, von Tuareg dominierten Azawad Liberation Front, initiierten eine geografisch verteilte Offensive
Schüsse und Detonationen waren sogar in der Nähe des internationalen Flughafens Modibo Keita und besonders rund um Kati selbst registriert worden. Der wichtigste Militärstützpunkt und die Residenz des malischen Präsidenten liegen in der Nähe.
Die malischen Streitkräfte identifizierten die Angreifer zunächst als „nicht identifizierte Terrorgruppen“, erklärten dann die Lage unter Kontrolle zu haben und wiesen darauf hin, dass die Operationen jedoch weiterhin andauerten. Einige unbestätigte Berichte deuteten darauf hin, dass bei Angriffen des Africa Corps bis zu tausend JNIM- und alliierte Kämpfer getötet wurden.
Reuters hat bestätigt, dass der malische Verteidigungsminister Sadio Camara im Zuge der Gefechte getötet wurde. Es deutet alles darauf darin hin, dass es sich um eine gut geplante Operation handelt, die normalerweise nicht mit improvisierten Aufständen assoziiert werden kann.
Lawrow kommentiert Ereignisse
Der russische Außenminister Sergey Lawrow deutete an, dass westliche Akteure, insbesondere Frankreich, Bemühungen unternehmen würden, die Regierungen in Bamako, Ouagadougou und Niamey zu destabilisieren, die sich als unvereinbar gegenüber vorherigen Vereinbarungen erwiesen haben. Während die russischen Geheimdienste noch weiter gegangen sind und behaupten, Emmanuel Macron habe Pläne zur Eliminierung genehmigt. Was man vorsichtig als „unerwünschte Führung“ bezeichnet, eine Formulierung, die es schafft, das gesamte Problem der postkolonialen Souveränität in zwei Worten zusammenzufassen. Die französischen Behörden ihrerseits lehnen erwartungsgemäß jede Beteiligung im terroristischen Aufstand in Mali ab, obwohl sie offen den Wunsch geäußert hatten, Personen genau im Stil von Männern wie Verteidigungsminister Camara zu neutralisieren.
Ob man diese Ansprüche entweder von den Russen oder Franzosen akzeptiert, ist dennoch zweitrangig. Es geht dabei auch um das Fortbestehen eines Finanz- und Währungssystems, in dem große Teile des frankophonen Afrikas durch traditionelle Mechanismen und Bankabhängigkeiten an Pariser Institutionen gebunden sind, die selbst in das breitere Liquiditätsumfeld der Wall Street und der City of London eingebettet sind. Eine Konfiguration, die sich als ebenso bemerkenswert widerstandsfähig wie auch ausbeuterisch erwiesen hat, nicht zuletzt, weil sie seit Jahrzehnten von einer fast liturgischen Wiederholung der Sprache der Befreiung, Entwicklung und Partnerschaft begleitet wird.
Dennoch sind dadurch nationale Befreiungskräfte in Mali, Burkina Faso und Niger an die Macht gekommen und haben sich mit der Russischen Föderation verbündet, die ihrerseits ihr Engagement zur Unterstützung solcher Selbstbestimmungskämpfe in Entwicklungsländern und im sogenannten globalen Süden, wie sie es in einer früheren Epoche getan hatten, weitergeführt hatten. Somit ist dieses Kapitel in Afrikas neu entstehender Geschichte sowohl zukunftsorientiert als auch erinnernd und weckt auch etwas Nostalgie.
Selenskyi als „aktiver Unterstützer“
Die Erwähnung externer Akteure endet allerdings nicht mit Frankreich, es gibt auch wiederkehrende Anschuldigungen gegen den ukrainischen Präsidenten Selenskyj, der angeblich Al-Qaida Informationen bzw. Drohnenfähigkeiten zur Verfügung gestellt wie auch ISIS-nahe aufständische Elemente diesbezüglich unterstützt hatte.
Drei afrikanische Länder, die französische Truppen vertrieben und sich von der ECOWAS distanziert haben, bauen ungleichmäßig, aber mit Beharrlichkeit alternative Sicherheitspartnerschaften auf. Am sichtbarsten ist dies mit Russland und seinem Afrika-Korps, das aus Wagner heraus neu gegründet wurde.
Und so gibt es Hinweise darauf, dass der gegenwärtige Moment nicht nur ein weiterer Zyklus in einem bekannten Muster ist.
Es könnte somit der Beginn einer substanzielleren Neuordnung sein, in dem die Idee der afrikanischen Souveränität, der lang einstudierte Traum von so vielen Hunderten Millionen über mehrere Jahrhunderte, Bedeutung anzunehmen beginnt. Eine Entwicklung, die, wenn sie fortgesetzt wird, die Elemente der postkolonialen Rhetorik endgültig obsolet machen und durch die Realität ersetzen könnte. Die ehemaligen Kolonialmächte werden bitter erkennen müssen, dass der „afrikanische Vampirball“ zu Ende geht.
UNSER MITTELEUROPA erscheint ohne lästige und automatisierte Werbung innerhalb der Artikel, die teilweise das Lesen erschwert. Falls Sie das zu schätzen wissen, sind wir für eine Unterstützung unseres Projektes dankbar. Details zu Spenden (PayPal oder Banküberweisung) hier.
The post Selenskyi, Macron und Al-Qaida „zündeln gemeinsam“ in Mali appeared first on UNSER MITTELEUROPA .





