Saudi-Arabien droht Insidern zufolge nach einem Drohnenangriff auf eine Pipeline ein drastischer Einbruch seiner Ölexporte, falls die wichtige Leitung nicht binnen weniger Tage wieder in Betrieb geht. In den Häfen am Roten Meer reichten die Lagerbestände für fünf bis sieben Tage, sagten Ölkäufer und Händler.
Dies könne zu einem Ausfall von bis zu vier Prozent des weltweiten Angebots führen. Ein weiterer Rückgang der saudiarabischen Lieferungen würde die weltweite Angebotsverknappung verschärfen, die bereits zu rekordhohen Kraftstoffpreisen und steigender Inflation geführt hat.
Die britische Seehandelsorganisation (UKMTO) teilte mit, ihr sei gemeldet worden, dass ein Projektil ein Schiff in der Meerenge getroffen habe. Das Ausmaß des Schadens und der Zustand der Besatzung waren demnach zunächst unbekannt. Die anhaltenden Angriffe im sich ausweitenden Nahost-Konflikt könnten die Energiepreise weiter in die Höhe treiben. In der vergangenen Woche war der Preis für die Rohölsorte Brent wieder über 100 Dollar pro Barrel gestiegen.
Der Vorfall ereignete sich einen Tag, nachdem Saudi-Arabien mitgeteilt hatte, seine Ost-West-Pipeline vorsorglich vorübergehend geschlossen zu haben. Grund war ein Drohnenangriff, der nach Angaben von Bagdad und Riad vom Irak ausging, wo von Iran unterstützte Milizen operieren. Die 1200 Kilometer lange Pipeline war in den vergangenen sechs Monaten die Hauptroute für die weltweite Ölversorgung aus dem Nahen Osten, da die Straße von Hormus kriegsbedingt weitgehend geschlossen war. Sie transportierte vier bis fünf Millionen Barrel pro Tag, was vier bis fünf Prozent des weltweiten Angebots entspricht.
US-Präsident Donald Trump sagte, wahrscheinlich sei der Iran für den Angriff auf die Pipeline verantwortlich. Beweise dafür legte er nicht vor. Der De-facto-Machthaber Saudi-Arabiens, Kronprinz Mohammed bin Salman, hatte Trump am Donnerstag angerufen und um militärische Hilfe im Kampf gegen die Huthi-Rebellen gebeten, wie drei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Washington habe eine direkte Einmischung jedoch vorerst abgelehnt, aber Unterstützung durch Geheimdienstinformationen zugesagt. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen hatten zuletzt ihre Angriffe ausgeweitet und am Freitag die strategisch wichtige Insel Perim in der Meerenge von Bab al-Mandab erobert.
Mehr zum Thema – Mehrere US-Kampfjets bei jüngstem iranischem Angriff auf Jordanien beschädigt

