Über Finanzmärkte und lokale Innenpolitik hinaus dient die Architektur zur Entwicklungshilfe als entscheidender, transnationaler Vektor, um die Ideologie des „extremen Zentrums“ global durchsetzen zu lassen.

Wie Technokratie-Eliten über ungleiches Recht Mehrheiten kujonieren – Teil 3b

Ryan Perkins über die Front der Entwicklungshilfe: Globale Entwicklungshilfe als System zum Ideologie-Transfer

Internationale Finanzinstitutionen, Hilfsorganisationen und philanthropische Stiftungen nützen Entwicklungs-[Hilfe-]Gelder, technische Hilfe und politische Auflagen, um ein spezifisches Paket sozialer, ökologischer und regierungsformbezogene Normen exportieren und institutionalisieren zu lassen. Dieser Prozess verwandelt humanitäre und wirtschaftliche Hilfe in ein mächtiges Instrument zur Gestaltung gesellschaftlichen Wandels nach vordefiniertem Muster. Dieses stimmt vielfach mit genau jenen Rahmenbedingungen überein, welche von ESG-Kriterien [für Environment – Social – Governance – Umwelt – Soziales – Führung] sowie aktivistischen NGOs [Nicht-Regierungs-Organisationen] vorgegeben werden. Der Mechanismus umfasst drei Hauptschienen, wie insbesondere jene für:

  • Finanzierungsauflagen!
  • Neudefinitionen
  • eine direkte Kultivierung von Zivilgesellschaften!

Erstens werden Entwicklungskredite und Entwicklungszuschüsse von Institutionen wie der Weltbank oder bilateralen Hilfsorganisationen zunehmend nicht nur an die Einhaltung wirtschaftlicher Kennzahlen geknüpft, sondern auch …

… an Fortschritte in Bereichen für Geschlechtergerechtigkeit, Klima-Resilienz und Inklusion zur Regierungsführung!

Empfängerländer müssen ihr Engagement unter besagten Bildungsaufträgen durch Rechtsreformen und Verabschiedung entsprechender politischer Maßnahmen unter Beweis stellen, um Zugang zu unerlässlichem Kapital erhalten zu können, was starke Anreize für ideologische Konformität auf staatlicher Ebene nach sich zieht.

Zweitens wird das Konzept „guter Regierungs- und/oder Unternehmensführung“ umfassend neu definiert, um das gesamte Spektrum der Ideologie abzudecken. Es beschränkt sich nicht nur auf Korruptionsbekämpfung und Rechtsstaatlichkeit, sondern schreibt inzwischen routinemäßig fest:

  • die durchgängige Berücksichtigung von Geschlechtergleichstellung in Bezug auf öffentliche Politik!
  • verbindliche Initiativen für Vielfalt, Gleichstellung & Inklusion (DIE – Diversity, Equity & Inclusion)!
  • Implementierung spezifischer Umweltstandards!

Entwicklungsorganisationen finanzieren Fachleute, die bei der Ausarbeitung der entsprechenden Gesetze helfen und Beamte zu deren Implementierung abstellen lassen. Damit bauen sie Kapazitäten von Staaten effektiv auf, um eine neue Orthodoxie von innen heraus durchgesetzt zu bekommen:

Man schafft so westlich orientierte Staaten durch ideologische Vereinnahmung derjenigen Personen, die das administrieren!

Schließlich schaffen und tragen Entwicklungsprogramme auf solche Art direkt lokale Zivilgesellschaften, die besagtes Modell perpetuieren. Ein erheblicher Teil der Hilfe fließt über oder in Nichtregierungsorganisationen [NGOs], die sich auf spezifische und Rechten basierende Ansätze fokussieren. Dadurch entsteht ein Kreislauf der Abhängigkeiten: Lokale Aktivisten und NGOs richten ihre Interessenvertretung an den von internationalen [Geld-]Gebern bevorzugten Rahmenbedingungen aus, um sich darüber deren Finanzmittel sichern zu lassen.

Ein solcher Prozess war in Westafrika zu beobachten, wo die jahrzehntelange Strategie der Ford-Stiftung darin bestand, „Menschenrechte und Gleichstellung der Geschlechter“ fördern und über 2.700 lokale Stipendien finanzieren und darüber die zivilgesellschaftliche Ausrichtung der Region prägen zu lassen.

Somit wirkt die globale Entwicklungsagenda als Instrumentarium, um Soft Power anzuwenden. Der Auftrag projiziert die Ideologie des „extremen Zentrums“ in das rechtliche, soziale und wirtschaftliche Gefüge der Empfängerländer. Besagte Ideologie stellt eine Mischung aus technokratischem Managerialismus, identitätsorientierten Rechten und Vorgaben für ökologischen Wandel dar.

Indem besagte Agenda lebenswichtiges Entwicklungskapital an die Übernahme solcher Normen knüpft, erreicht sie durch Anreize und technische Hilfe Ziele, die mit Gewalt nicht durchsetzbar gewesen wären: Dies führt zur schrittweisen Integration verschiedener Nationen in eine homogenisierte, globale Ordnung, die von einer einzigen, nicht verhandelbaren Vision von Fortschritt gekennzeichnet ist! Deren oberstes Ziel ist es, …

… die Entstehung souveräner Staaten verhindern und die Entwicklung nationalen Bewusstseins ersticken zu lassen!

Dieses Vorgehen läuft auf eine kognitive Vereinnahmung im globalen Maßstab hinaus!

Ein Rahmenkonzept für gesteuerte Sparpolitik [im entwickelten Norden] und kontrollierte Entwicklung [im globalen Süden]

Aus dieser Perspektive betrachtet lassen sich diese Agenden zur Herbeiführung eines grundlegenden Wandels im Gesellschaftsvertrag, sowohl im entwickelten „Globalen Norden“ als auch im sich entwickelnden „Globalen Süden“, interpretieren.

[Der transnationale Bildungsauftrag] für die entwickelte Welt: Konditionierung auf „ein Weniger [an Wachstum im Norden]“!

Die Programme wirken als Disziplinierungsmechanismus und Maskerade für Wirtschaftsrückgang, getarnt als ethisch getragenes Anliegen. Die unerbittliche Fokussierung auf CO₂-Reduzierung, Kreislaufwirtschaft und „nachhaltigen Konsum“ fördert von Natur aus ein Narrativ materieller Begrenzung.

In Verbindung mit finanziellen Sanktionen (wie ESG-gebundene Kredite) und regulatorischen Vorgaben (wie eine konforme Politik für SDGs – sprich nachhaltige Entwicklungsziele) verwandelt sich dieses Narrativ von aktivistischer Fürsprache in durchsetzbare wirtschaftliche Realität. Die Bevölkerung wird schrittweise darauf konditioniert, höhere Energiekosten, Konsumbeschränkungen und eine Verlangsamung des traditionellen Wirtschaftswachstums hinzunehmen –

… nicht aufgrund politischen Versagens, sondern als Zeichen moralischer Notwendigkeit und Tugendhaftigkeit!

Das soll von den sozialen Folgen wirtschaftlicher Stagnation bzw. von der zunehmenden Vermögenskonzentration und Polarisierung [zugunsten einer transnationalen Minderheit] ablenken und geringere materielle Erwartungen nicht als materiellen Verlust, sondern vielmehr als Sieg dank Ethik darstellen.

[Der transnationale Bildungsauftrag] für den Globalen Süden: Die Architektur zur permanenten Begrenzung!

Dazu wirkt jene Agenda als modernes System zur Entwicklungsbegrenzung: Indem internationale Finanzhilfen, Schuldenerlässe und Entwicklungshilfen an die Übernahme strenger grüner Standards bzw. Wege, die ausschließlich auf erneuerbare Energien und umfassende Naturschutzmodelle ausgerichtet sind, geknüpft werden, verhindert ein solcher Ordnungsrahmen systematisch jene Art von kohlenstoffintensiver Industrialisierung, welche jedoch gerade dem modernen Westen den Aufstieg ermöglicht hatte. Nationen, reich an fossilen Brennstoffen, werden unter Druck gesetzt, diese ungenutzt liegen zu lassen, während diejenigen, die beabsichtigen umfassende Produktionsstandorte aufzubauen, mit hohen Kosten zur Einhaltung von ESG-Kriterien bzw. Überwindung von Finanzierungshindernissen konfrontiert werden.

Das schafft eine „grüne Obergrenze“ bezüglich Entwicklung und fesselt einen Großteil der Welt dauerhaft in die Rolle reiner Rohstofflieferanten für eine grüne Wende – wie z.B. durch Förderung von Kobalt oder Lithium – und reduziert sie zugleich zu lediglich Abnehmern fertiger, hochwertiger grüner Technologien aus der entwickelten Welt:

Das Ergebnis ist eine neokoloniale Dynamik, die durch Klimamoral noch weiter verstärkt wird!

Der Süden wird mit dem globalen Umweltschutz betraut, wobei ihnen dort genau jene Instrumente entzogen werden, welche den Reichtum derjenigen, die dem Süden diese Regeln auferlegen, geschaffen haben.

Der Zusammenhang mit dem übergeordneten ideologischen Projekt

All dies passt perfekt zur Ideologie des „extremen Zentrums“. Es handelt sich um eine über Management orientierte Lösung für globale Begrenzung, um bestehende Hierarchien zu schützen, indem diese:

  • radikale Energien mit Forderungen nach Vermögensumverteilung hin zur technischen Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien kanalisieren lässt!
  • Moral finanzialisiert und dem Kapital (über ESG) ermöglicht, von diesem Wandel zu profitieren und zugleich zu definieren, wie „korrekte“ Entwicklung auszusehen habe!
  • über SDGs [nachhaltige Entwicklungsziele] nur ein einziges Modell universalisiert, doch alternative auf Souveränität gestützte Entwicklungszweige als „nicht konform“ für ungültig erklären lässt.

Letztendlich kann dieser Rahmen als ultimativer Ausdruck neoliberaler Ordnung, die sich an die politischen und ökologischen Krisen des 21. Jahrhunderts angepasst hat, verstanden werden:

Es sind jene Krisen, die in erster Linie durch enorme Ungleichheit an Reichtum und Privilegien entstanden sind und [sogenannter] liberaler Ordnung zur Macht verhalfen. Es wird darüber eine Zukunft verheißen, in der Stabilität nicht durch breit angelegten Wohlstand gewährleistet würde, sondern durch:

  • eine gesteuerte, ethisch begründete Reduzierung der Ambitionen des [entwickelten] Nordens!
  • eine sorgfältig kontrollierte, ökologisch definierte Obergrenze für Fortschritte im [globalen] Süden!

Das alles wird administriert von …

… einer Klasse technokratischer Eliten in Regierungen, Finanzinstitutionen und NGOs!

Fortsetzung Teil 3b folgt

Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA

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  • Teil 1a der Serie von Ryan Perkins, „Wie im Kalten Krieg noch Kulturkriege entstanden!“, findet man: HIER
  • Teil 1b der Serie von Ryan Perkins, „Der Kongress für kulturelle Freiheit“, findet man: HIER
  • Teil 1c der Serie von Ryan Perkins, „Das Kulturkrieger-Spektrum von CIA bis zur Philanthropie“, findet man: HIER
  • Teil 2a der Serie von Ryan Perkins, „Wie der NGO-Komplex Identitäts-Debatten zu Waffen schmiedet!“, findet man: HIER
  • Teil 2b der Serie von Ryan Perkins, „Zur Privatisierungs-Aktion über den transnationalen Komplex“, findet man: HIER
  • Teil 2c der Serie von Ryan Perkins, „Über Regimewechsel-Operationen verborgen hinter Stiftungen“, findet man: HIER
  • Teil 3a der Serie von Ryan Perkins über „Die verkappten Zauberkünste der extremen Mitte“ findet man: HIER
  • Die Serie „The Ghost in the Machine Part 2 – How the NGO Complex Weaponized Identity (and Why the Right Still think it’s a Marxist Plot)“ im Original auf English: HIER

Zum Autor: Ryan Perkins ist Senior Analyst und als Editor für den Global Economic Indicator tätig. Er lebt in Peking. Seine Analysen wurden in internationalen Medien wie dem „The Atlantic Magazine“ veröffentlicht und sowohl von Unternehmen wie auch Thinktanks in Anspruch genommen. Sein Substack-Blog erreichte Platz 49 in der Kategorie „Weltnachrichten und Politik“.



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