Von Olga Samofalowa

Die Vereinigte Flugzeugbaukorporation (United Aircraft Corporation, UAC) unterzeichnete zusammen mit drei indischen Fluggesellschaften eine Absichtserklärung über den Bau und die Lieferung von 105 regionalen Turboprop-Flugzeugen des Typs Il-114-300. Bei der Il-114-300 handelt es sich um ein kleines Flugzeug mit einer Kapazität von 68 Passagieren.

Konkret sieht die Vereinbarung die Lieferung von 50 Maschinen an Pinnacle Air, 35 an Sleek Aviation und 20 an Air Kerala vor, heißt es in der entsprechenden Mitteilung. Darüber hinaus vereinbarten die Parteien, am Standort des Betreibers ein Ausbildungszentrum mit einem Full-Flight-Simulator einzurichten.

Für Russland könnte dieses Exportgeschäft das größte seit Sowjetzeiten werden. Im Bereich der Militärluftfahrt gab es in Russland zwar sehr umfangreiche Exportprogramme, doch gerade in der zivilen Luftfahrt fanden bisher noch keine derart großangelegten Verkäufe russischer Passagierflugzeuge statt.

Wladimir Tschernow, Analytiker bei Freedom Global, erklärt:

„Für den zivilen Flugzeugbau könnte dies tatsächlich einer der größten Exportaufträge in der postsowjetischen Geschichte Russlands werden, sofern für alle 105 Maschinen endgültige Lieferverträge abgeschlossen werden.“

Und obwohl es sich bislang lediglich um eine Absichtserklärung handelt, bestehen gute Aussichten auf den Abschluss verbindlicher Verträge. Denn das Geschäft kommt beiden Seiten zugute.

Indien löst dank der russischen Il-114 gleich mehrere Aufgaben. Erstens eigne sich die Il-114-300 gut für den Ausbau des Streckennetzes und eine bessere Verkehrsanbindung der indischen Regionen, erklärte der stellvertretende Minister für Industrie und Handel, Gennadi Abramenkow.

Zweitens können Flugreisen dadurch auch für die breite Bevölkerung erschwinglicher werden. Der Einsatz der Il-114-300 auf regionalen Flugstrecken werde zur Umsetzung des nationalen UDAN-Programms („Lasst die einfachen Bürger des Landes fliegen“) beitragen, das darauf abzielt, Flugreisen erschwinglicher zu machen und landesweit neue Regionalflughäfen zu eröffnen, erklärte der stellvertretende Leiter von Rostec, Dmitri Lelikow.

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Gerade der regionale Flugverkehr entwickelt sich in Indien dynamisch. Die Behörden des Landes verlängerten das Regionalflugprogramm UDAN bis 2035–2036 und planen, im Rahmen dieses Programms weitere 100 Flughäfen auszubauen. Derzeit umfasst das Programm bereits 95 Flughäfen, Hubschrauberlandeplätze und Wasserflugplätze sowie fast 680 Flugstrecken.

Tschernow führt aus:

„Daher benötigt Indien eine große Flotte relativ kleiner Flugzeuge mit 60 bis 80 Sitzplätzen, die auf kurzen Regionalstrecken effizient eingesetzt werden können, auf denen der Betrieb von Boeing- und Airbus-Flugzeugen wirtschaftlich nicht rentabel ist. Genau auf dieses Segment ist die Il-114-300 ausgerichtet.“

Neben der Passagierbeförderung kann das russische Flugzeug laut Rostec auch für den Post- und Frachttransport sowie für medizinische und Rettungsaktionen eingesetzt werden.

Der Hauptkonkurrent der russischen Il-114-300 ist das französisch-italienische Flugzeug ATR-72.

Alexander Stepanow, Experte des Instituts für Recht und nationale Sicherheit der Präsidialakademie, erklärt:

„Einer der Vorteile der Il-114 besteht darin, dass sie Flugplätze mit eingeschränkter Bodeninfrastruktur und relativ kurzen Start- und Landebahnen nutzen kann. Für abgelegene Gebiete ist dies von entscheidender Bedeutung, da der Bau großer Flughafenkomplexe dort bei weitem nicht immer wirtschaftlich sinnvoll ist.“

Darüber hinaus ermöglicht ein solches Flugzeug den Fluggesellschaften, ihre Kosten zu senken. Stepanow erläutert:

„Bei voller kommerzieller Nutzlast beträgt die Reichweite der Il-114 rund 1.400 Kilometer. Dank des Turboprop-Antriebs ist das Flugzeug im Betrieb auf kurzen und mittleren Strecken wirtschaftlicher als Turbostrahlflugzeuge. Für die Fluggesellschaften bedeutet dies niedrigere Betriebskosten und besser kalkulierbare wirtschaftliche Parameter solcher Flüge.“

Für Indien dürfte zudem von Bedeutung sein, dass die Il-114 ein vollständig russisches Flugzeug ist. Dadurch ist sie gegen mögliche Sanktionen weitgehend abgesichert und verringert die Abhängigkeit vom Westen.

Stepanow führt weiter aus:

„Sanktionsbeschränkungen sowie die Instabilität internationaler Produktions- und Logistikketten erhöhen die Risiken beim Einsatz ausländischer Flugzeuge: Schwierigkeiten können sowohl bei der Lieferung von Maschinen und Komponenten als auch bei der anschließenden Wartung entstehen. Die Il-114-300 wird als russische Plattform mit heimischen Triebwerken und wesentlichen Bordsystemen entwickelt. Dadurch lässt sich die Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern verringern, die Stabilität der Produktionskooperation erhöhen und die Vertragserfüllung besser planbar machen.“

Schließlich berichtet die indische Presse, dass Delhi mit einer Lokalisierung der Il-114-Produktion im eigenen Land rechnet. Im Grunde sei dies eine durchaus logische Entwicklung: Im Bereich der Militärluftfahrt arbeiten Russland und Indien genau in diesem Format zusammen. Zunächst kauft Delhi fertige Militärtechnik aus Russland, und anschließend vereinbaren die Parteien schrittweise eine lokale Lizenzproduktion und einen höheren Lokalisierungsgrad. Daher könnten sich auch die Vereinbarungen über die Il-114 zu einem Produktionsprojekt in Indien entwickeln. Damit wäre dies bereits das zweite gemeinsame russisch-indische Projekt in der Zivilluftfahrt.

Im Januar 2026 unterzeichnete Russland bereits ein Abkommen über die Produktion des Superjets in Indien. Dem indischen Unternehmen HAL (Hindustan Aeronautics Limited) wurde darin eine Lizenz für die Herstellung und den Vertrieb des Superjets erteilt, einschließlich der Baugruppen, Teile und Komponenten, die für Reparatur und Wartung des Flugzeugs erforderlich sind.

Für Russland ist die Einführung der Il-114 auf dem internationalen Markt von nicht minder großer Bedeutung. Erstens könnte es sich um Einnahmen in Höhe von 3 bis 3,7 Milliarden US-Dollar handeln, die durch die Lieferung von 105 solcher Flugzeuge nach Indien erzielt würden – wenn man den Wert eines einzelnen Flugzeugs auf 30 bis 35 Millionen US-Dollar schätzt, so Tschernow.

Zweitens sind die Auswirkungen auf die Realwirtschaft weitaus umfassender. Tschernow erklärt:

„Dies umfasst die Auslastung der Flugzeugwerke der UAC, der Triebwerks- und Avionikhersteller, die Produktion von Ersatzteilen, die Ausbildung von Besatzungen, Simulatoren und die Wartung über Jahrzehnte hinweg. Die Vereinbarung mit Sleek Aviation sieht bereits die Einrichtung eines Ausbildungszentrums mit einem Full-Flight-Simulator vor. Daher besteht der Hauptnutzen nicht lediglich in einem einmaligen Verkauf von Flugzeugen, sondern in der Entstehung eines großen Exportprogramms mit einem langen Lebenszyklus und Deviseneinnahmen auf Jahre hinaus.“

Drittens erfordert dies von Russland eine Erweiterung der Produktionskapazitäten, wobei mit steigender Produktionsmenge die Selbstkosten sinken und die Erlöse des Herstellers steigen.

Für den russischen Binnenmarkt sieht der Produktionsplan für die Il-114 vor, eine Jahresproduktion von 18 Flugzeugen zu erreichen. Die Produktionszahlen werden jedoch stets schrittweise gesteigert. Konkret sollen 2026–2027 zunächst drei Flugzeuge gebaut werden, 2028 sechs, 2029–2030 jeweils neun und anschließend zwölf Maschinen pro Jahr. Die Exportverträge erfordern jedoch einen beschleunigten Hochlauf der Serienproduktion.

Die UAC rechnet damit, bis Ende dieses Jahres verbindliche Verträge über die Lieferung der ersten Il-114 nach Indien abzuschließen. Festgelegt werden sollen dabei Lieferpläne, Wartungsbedingungen, Verpflichtungen zur Lokalisierung und weitere Einzelheiten.

Ein weiterer Vorteil: Der Vertrag mit Indien ist hervorragende Werbung für die Il-114 und könnte weitere Interessenten auf russische Regionalflugzeuge mit 68 Sitzplätzen (und nicht nur diese) aufmerksam machen.

Neben Indien könnte die Il-114 auch in Afrika gefragt sein, wo große Entfernungen zwischen den einzelnen Orten häufig mit einer unzureichend entwickelten Flughafeninfrastruktur einhergehen, merkt Stepanow an. Russland unterhält bereits partnerschaftliche Beziehungen zu einer Reihe von Staaten des Kontinents, darunter Äthiopien, Uganda, Mosambik, Südafrika, Algerien und Ägypten.

Stepanow fasst zusammen:

„Ein beträchtliches Nachfragepotenzial für Flugzeuge dieser Art besteht auch in Südostasien, insbesondere in Inselstaaten, für die der Luftverkehr eine entscheidende Rolle für die innerstaatliche Verkehrsanbindung spielt. Somit beschränkt sich die potenzielle Einsatzgeografie der Il-114-300 nicht auf den russischen Markt, sondern könnte auch BRICS- und SOZ-Staaten sowie weitere Länder umfassen, die an der Entwicklung einer erschwinglichen regionalen Luftfahrt interessiert sind.“

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 11. September 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung „Wsgljad“ erschienen.

Olga Samofalowa ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung „Wsgljad“.

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