Von Andrei Restschikow

Der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt erklärte in einem Interview mit der britischen Zeitschrift The Economist, dass sich Russland derzeit erst in der Phase des Aufbaus der Satellitenkonstellation Rasswet (Morgendämmerung) befinde, die westlichen Länder jedoch bereits entsetzt über die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten seien. Er stellte klar, dass es nach der vollständigen Inbetriebnahme des Projekts praktisch unmöglich sein werde, dessen Einsatz zu blockieren. Seiner Einschätzung nach könne das Netzwerk bereits in einem Jahr einsatzbereit sein, was Russland einen erheblichen Vorteil bei der Zielerfassung und Kommunikation verschaffen würde.

Der ehemalige Google-Chef beschäftigt sich derzeit mit der Entwicklung von Drohnen. Sein Unternehmen „Project Eagle“ liefert den ukrainischen Streitkräften Drohnen vom Typ Hornet für Angriffe auf mittlere Entfernungen. Nach Ansicht von Schmidt verfüge die Ukraine bislang über keine wirksame Methode, um mit russischen ballistischen Raketen fertigzuwerden. Die vom Westen gelieferten Patriot-Luftabwehrsysteme seien so knapp, dass sie schlichtweg nicht ausreichen werden. Schmidt sagte:

„Die Russen entwickeln extrem leistungsstarke sogenannte Gleitbomben mit einem unabhängigen Leitsystem. Sie verhindern, dass sich die Frontlinie verschiebt, und treffen tatsächlich zahlreiche Ziele.“

Seinen Angaben zufolge habe Moskau den technologischen Vorsprung Kiews im Drohnenkrieg praktisch zunichtegemacht. Während die Ukraine früher bei der Entwicklung von Drohnen-Technologien angeblich deutlich vor Russland gelegen habe, habe sich die Situation nun grundlegend geändert.

Er führte ein konkretes Beispiel an: Ursprünglich habe Russland angeblich geplant, nur etwa zehn Prozent seiner „Geran-5“-Drohnen mit Strahltriebwerken auszustatten, doch mittlerweile liege ihr Anteil „bei über der Hälfte“. Dies habe ihre Geschwindigkeit drastisch erhöht und das Abfangen erschwert. Experten zufolge hat der ehemalige Google-Chef recht. Russland habe bei der Innovationsgeschwindigkeit die Nase vorn und verfüge dabei über einen vielfachen Ressourcenvorteil. Der Militärexperte Wassili Dandykin erklärt:

„Der wichtigste Treiber ist die Bündelung der Kräfte von Wissenschaft, Militär, Industrie und Privatwirtschaft. Im Gegensatz zum stalinistischen Mobilisierungsmodell setzt man heute vor allem auf private Initiative, kleine Unternehmen und Enthusiasten. Genau das hat es ermöglicht, die Produktion um ein Vielfaches zu steigern und vor allem den Entwicklungszyklus zu verkürzen: Während dies früher ein Jahr dauerte, sind es jetzt zwei bis drei Monate.“

Der Experte betont, dass alle neuesten Entwicklungen sofort unter Kampfbedingungen getestet würden. Dies gelte auch für Raketenwaffen und Luftabwehrsysteme. Er meint:

„Ein Beispiel ist das Flugabwehrartilleriesystem ‚Zitadelle‘: Auf den ersten Blick eine gewöhnliche 30-Millimeter-Kanone, doch mit eigener Ortungsstation, Laservisieren und Nachtsichtfunktionen sowie Zündern, die es ermöglichen, ein Ziel im Anflug mit zwei bis drei Geschossen zu treffen. Wir lösen Aufgaben, für die der Westen riesige Summen ausgibt und trotzdem nicht immer Ergebnisse erzielt.“

Laut Dandykin haben die Strahltriebwerke für die Geran-Drohnen und die Vermaschten Relais-Netze den Einsatz von Drohnen zuverlässiger gemacht. Der Experte hebt hervor:

„Die Taktik hat sich geändert: Gewöhnliche Geran-Drohnen lenken die Luftabwehr auf sich, die Gepard-Drohnen greifen sie an, während die Jet-Drohnen in großen Höhen und mit hoher Geschwindigkeit fliegen und eine Reichweite von etwa 800 Kilometern haben. Danach kommen ballistische Raketen und Marschflugkörper verschiedener Abschussarten zum Einsatz – vom Meer, aus der Luft und vom Boden aus. Während wir uns früher einen massiven Angriff pro Woche leisten konnten, sind es jetzt zwei bis drei, wobei der tägliche Einsatz unvermindert weitergeht.“

Seinen Worten zufolge würden sich die Ergebnisse einer solchen Taktik bereits auf die Kampfkraft des Gegners auswirken. Die Logistik werde gestört, Transportmittel, die Produktion von Drohnen und „Flamingo“-Raketen sowie die Energieversorgung würden zerstört. Dandykin betont:

„Für den Gegner wird es immer schwieriger, dies wiederherzustellen – es reichen weder Feuerwehrautos noch Schläuche noch Wasser aus. Der Winter naht, und selbst ein milder Winter könnte sich als schlimmer erweisen als ein kalter.“

Der Militärexperte Jan Gagin, Mitglied des russischen Rates für Außen- und Verteidigungspolitik (SWOP), meint:

„Der wichtigste Treiber ist die Mobilisierung der Rüstungsproduktion, ohne die Wirtschaft auf einen militärischen Kurs umzustellen, das Setzen auf private Initiative und Erfinder sowie ein operatives Feedback von der Front an die Konstruktionsbüros. Hinzu kommt ein bedeutender Beitrag des militärisch-technischen Nachrichtendienstes, der Trophäen und die Erfahrungen des Gegners analysiert.“

Die neueste Generation der Geran-Drohnen habe sich hinsichtlich Reichweite, Gefechtskopfgewicht und Geschwindigkeit der Waffenkategorie der Flügelraketen angenähert. Gagin erklärt:

„Das bringt eine mehrfache Einsparung: Wir produzieren sehr viele davon, und die Leistungsmerkmale sind mit denen von Raketen vergleichbar. Mehr als die Hälfte der Geran-Drohnen ist mittlerweile mit Strahltriebwerken ausgestattet, und die Vermaschten Relais-Netzwerke zur Signalweiterleitung funktionieren nicht schlechter als Starlink. Dies hat sich als effektiver Ansatz erwiesen, was sich nicht nur an unseren Lageberichten zeigt, sondern auch an den Eingeständnissen der ukrainischen Seite und europäischer Quellen: Logistikketten, Brücken, Tankstellen sowie Montagestätten für Drohnen, die der Westen an die Ukraine liefert, wurden zerstört.“

Gesondert hebt der Militärexperte die Abfangdrohnen hervor. Diese würden in großer Zahl produziert und seien in der Lage, jede Drohne bei hohen Geschwindigkeiten und in großen Höhen einzuholen. Er merkt an:

„Wir setzen nicht auf Maschinengewehre als Waffe der letzten Chance, sondern auf Drohnenabwehrsysteme, die Ziele bereits in großer Entfernung ausschalten. Die Ukraine hat einen Mangel an Luftabwehrsystemen, unter anderem deshalb, weil die für sie bestimmten Mittel in die Länder am Persischen Golf abgezogen wurden. Und eine Drohne im Wert von einer Million Rubel (umgerechnet etwa 11.800 US-Dollar) mit einer Rakete im Wert von einer Million US-Dollar abzuschießen, ist wirtschaftlich gesehen unsinnig. Hier haben wir sowohl bei den Leistungsmerkmalen als auch bei den Kosten die Nase vorn.“

Gagin betont, dass der russische militärisch-technische Nachrichtendienst ein wesentlicher Bestandteil des bestehenden Systems sei. Er erklärt:

„Alles, was an der Front abgeschossen wird, fällt uns als Trophäe zu und wird anschließend gründlich untersucht. Die ersten Düsen-‚Banshees‘ haben wir bereits 2023 an der Donezk-Front abgeschossen. Die Erfahrungen des Gegners nutzen wir, um unsere eigenen, noch ausgereifteren Produkte zu entwickeln.

Wir liegen tatsächlich vorne. Sanktionen – sowohl wirtschaftliche als auch technologische – haben sich als wirkungslos erwiesen. Russland steht nicht der Ukraine gegenüber, sondern der gesamten NATO und ihrem militärisch-industriellen Komplex. Die Ukraine ist ein Schlachtfeld, und die ukrainischen Streitkräfte sind im Grunde genommen eine private Militärfirma von Wladimir Selenskij, die für den Krieg gegen uns angeheuert wurde. Wir stehen den Armeen und Volkswirtschaften aller NATO-Staaten und ihrer Verbündeten gegenüber, und dabei wächst unsere Wirtschaft, und unser militärisch-industrieller Komplex entwickelt sich weiter. Der Gegner hingegen ruiniert seine eigene Wirtschaft.“

Schmidts Prognose, dass das russische Satellitennetz Rasswet bereits in einem Jahr in Betrieb gehen wird, sei keine Fantasie. Nach Ansicht von Dandykin ärgert dies bereits Selenskij – und nicht nur ihn. Der Militärexperte argumentiert:

„Derzeit überwachen wir das Gebiet der Ukraine zwei bis drei Stunden lang und schlagen präzise zu; künftig werden es fünf bis sechs Stunden und mehr sein. Das macht die Kommunikation unempfindlich gegenüber Störversuchen. Aber der konstruktive Gedanke muss noch weiter gehen: die Luftabwehr in alle Richtungen auszubauen, einschließlich Luftschiffen und Stratosphärenballonen, passive und aktive Mittel zu kombinieren und die Privatwirtschaft stärker einzubeziehen. Wir stehen faktisch 51 Ländern gegenüber, beziehen zwar einiges aus China, stützen uns aber im Wesentlichen auf unsere eigene Schule, unsere eigenen Ressourcen und unsere eigenen Möglichkeiten.“

Wenn die Zukunft in der Kombination aus „Künstliche Intelligenz + Schwarmtechnologien + Vermaschte Relais-Netzwerke“ liege, dann brauche Russland vollständig autonome Drohnen, die unter Bedingungen einer totalen elektronischen Unterdrückung operieren können. Laut Dandykin würden elektronische Kampfführung, Laserwaffen und elektromagnetische Mittel aktiv weiterentwickelt. Er bemerkt:

„Das ist ein ewiger Wettstreit: Was in Syrien funktioniert hat, stößt später auf Gegenmaßnahmen. Aber es gibt Fortschritte – sowohl bei Kampfdrohnen als auch bei der Zerstörung eines Aufklärungsluftschiffs in zehn Kilometern Höhe. Die Arbeit geht ohne Unterbrechung weiter.“

Doch das Wichtigste sei: Man dürfe sich nicht ausruhen, selbst nach dem Lob des ehemaligen Google-Chefs. Dandykin betont:

„Solange wir keine absolute Lufthoheit erreicht haben, gibt es keinen Grund, innezuhalten. Derzeit haben wir zwar die Oberhand, aber keine absolute. Absolute Lufthoheit bedeutet die Möglichkeit, Luftangriffe mit bemannten Flugzeugen durchzuführen und nicht nur mit präzisionsgelenkten Bomben. Die Motivation derjenigen, die Waffen herstellen, ist hoch: Sie sind an der Front, sehen, wie schwer es unsere Soldaten haben, und das beschleunigt die Suche nach neuen Lösungen. Der Kontakt zur Front ist eine unabdingbare Voraussetzung.“

Zwar verfüge die Ukraine bislang noch nicht über Entsprechungen zu den Geran-Drohnen, doch westliches Verteidigungskapital fließe aktiv in ukrainische Start-ups. Der Experte fügt hinzu:

„Sie finden die Trümmerteile, sie verfügen über wirtschaftliche und industrielle Möglichkeiten. Deshalb darf man sich auf keinen Fall zurücklehnen. Es braucht neue Entdeckungen, neue Forschungen, neue physikalische Prinzipien. Wenn man vorne liegt, hat man einen Vorsprung, wie bei einem Rennen. Wir haben den Rückstand aufgeholt und sind an die Spitze vorgestoßen, aber sie werden kaum etwas erreichen, sofern wir weiterhin ohne Fanatismus, ohne Eile und ohne Nervosität arbeiten. Wir müssen arbeiten, arbeiten und arbeiten.“

Nach Ansicht von Gagin müsse man vor allem in Richtung einer Massenproduktion von Anti-Drohnen-Waffen gehen. Er meint:

„Wir werden sie noch in großer Zahl brauchen. Die Arsenale des Gegners sind nicht erschöpft, er wird alle Reserven in die Schlacht werfen. Man muss die leichte Jagdfliegerei und die leichte Luftabwehr ausbauen und darf dabei die schweren Waffen sowie die strategischen Raketentruppen nicht vergessen. Das System ‚Perimeter‘ – ‚Mjortwaja Ruka‘ (Tote Hand) – ist das, wovor der Feind wirklich Angst hat. Die neue Generation europäischer Politiker hat offenbar nichts aus der Geschichte gelernt und versteht nicht, was ein Atomkrieg ist.“

Was den Einsatz der Künstlichen Intelligenz (KI) auf dem Schlachtfeld angeht, so „sollte kein Mittel völlig autonom agieren“. Gagin hebt hervor:

„Es besteht das Risiko von Fehlern der Künstlichen Intelligenz, böswilliger Absicht oder Umprogrammierung. Man darf nicht zulassen, dass KI eigenständig Kampfhandlungen durchführt. Teilweise – Zielerfassung, Aufklärung –, aber unter menschlicher Kontrolle – das ist zulässig. Volles Vertrauen in die KI ist gefährlich, bis hin zu einem hypothetischen Selbstbewusstsein des Netzwerks und einer lawinenartigen Entwicklung, deren Folgen unvorhersehbar sind.“

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 9. Oktober 2026 zuerst auf der Website der Zeitung „Wsgljad“ erschienen.

Andrei Restschikow ist Analyst bei der Zeitung „Wsgljad“.

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