Moskau hat das Russland-Geschäft der deutschen Metro AG unter vorübergehende staatliche Verwaltung gestellt. Ein Präsidialerlass von Wladimir Putin überträgt 100 Prozent der betroffenen Vermögenswerte an die russische Managementgesellschaft UK Torg RUS. Der Schritt folgt nur wenige Wochen, nachdem bereits der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé und die französische Handelskette Auchan unter externe Verwaltung genommen wurden. Auch die frühere Leroy-Merlin-Tochter Lemana PRO und französische Logistikfirmen waren betroffen.

In dem Dekret selbst werden keine Gründe genannt. Der Kreml hatte frühere Maßnahmen damit begründet, es handle sich um Unternehmen aus „unfreundlichen Ländern“, deren Regierungen durch Waffen- und Finanzhilfe für Kiew in den Krieg involviert seien. Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte erklärt, diese Hilfe werde für Angriffe auf zivile und wirtschaftliche Infrastruktur in Russland genutzt. Die Entscheidung fällt in eine Phase verschärfter Spannungen zwischen Moskau und Berlin – unter anderem nach deutschen Vorwürfen eines Drohnenanschlags auf den Flughafen Leipzig/Halle und einem seltenen Treffen von Außenminister Sergei Lawrow mit seinem deutschen Amtskollegen Johann Wadephul am Rande der UN-Vollversammlung, bei der Wadephul allerdings keine diplomatischen Bemühungen erkennen ließ, sondern seinem russischen Amtskollegen lediglich eine Liste mit bereits bekannten deutschen Forderungen vorlas.

Metro blieb – und verliert nun die Kontrolle

Anders als viele westliche Konzerne hatte Metro nach dem Beginn der militärischen Spezialaktion in der Ukraine im Februar 2022 das Russland-Geschäft nicht aufgegeben. Begründet wurde das mit Rücksicht auf Mitarbeiter und Kunden. In Russland betreibt der Großhändler nach Angaben noch 91 Cash-&-Carry-Märkte. Das Russland-Geschäft gilt intern als dynamisch.

Die Düsseldorfer Zentrale bestätigte die Maßnahme. Formell bleibe das Eigentum bei der Metro AG, faktisch habe der Konzern aber „keine operative Kontrolle mehr über Metro Russland“. Die russische Tochter erklärte, der Betrieb laufe normal weiter, Verpflichtungen gegenüber Kunden würden erfüllt – zum Dekret selbst äußerte sie sich nicht.

Torg RUS wurde erst am 8. September 2026 mit einem Stammkapital von lediglich 10.000 Rubel in Moskau gegründet. Als Geschäftsführer gilt Johannes Maria Tolaij, der zugleich die russische Metro-Tochter leitet. Übertragen wurden unter anderem Anteile an Metro Cash & Carry, dem Lager Noginsk und Immobilienfirmen. Die EU bewertet solche „vorübergehenden Verwaltungen“ regelmäßig als faktische Enteignung.

Die Metro AG ist ein internationaler Großhandelskonzern mit Sitz in Düsseldorf. Nach dem Delisting an der Frankfurter Börse 2025 liegt die Kontrolle bei wenigen Ankeraktionären. Größter Eigentümer ist EP Global Commerce des tschechischen Investors Daniel Křetínský und seines Partners Patrik Tkáč – je nach Zählung rund 50 bis gut 68 Prozent. Weitere große Blöcke halten die Meridian-Stiftung der Familie Schmidt-Ruthenbeck und die Beisheim Holding der Familie des Metro-Mitgründers Otto Beisheim (zusammen rund ein Viertel). Der Rest ist Streubesitz.

Politische Reaktionen aus Berlin oder Brüssel lagen am Montagnachmittag noch nicht im Detail vor. Der Vorgang reiht sich in eine Serie russischer Gegenmaßnahmen gegen westliche Unternehmen ein.

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