Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) hat der Zürcher MBaer Merchant Bank die Bewilligung entzogen und das Institut in Liquidation geschickt.

Vorausgegangen war ein Enforcementverfahren, in dem die Behörde gravierende Defizite bei der Bekämpfung der Geldwäscherei festgestellt hatte. Nachdem die Bank ihre Beschwerde gegen das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht zurückgezogen hatte, setzte die FINMA Liquidatoren ein und übernahm faktisch die Kontrolle.

„Die FINMA hat mit Verfügung vom 6. Februar 2026 der MBear Mearchant Bank AG nach einem Enforcement-Verfahren wegen Verstössen gegen die Vorschriften betreffen die Bekämpfung der Geldwäscherei die Bewilligung entzogen und sie in Liquidation gesetzt. Als Liquidatoren wurden Prof. Dr. Daniel Staehelin (Mandatsleiter) und Dr. Lukas Bopp (Stellvertreter), beide Kellerhals Carrard Basel KlG, eingesetzt.

Gegen diese Verfügung hat die Bank Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhoben und um aufschiebende Wirkung ersucht. Diese wurde vom Gericht gewährt. Auf Grund der neuesten Entwickelungen, namentlich der Sanktionsandrohung durch das US-amerikanischen Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN), hat der Verwaltungsrat der Bank beschlossen, die Beschwerde zurückzuziehen. Damit wurden der Bewilligungsentzug und die Auflösung rechtskräftig und vollstreckbar.

Die Bank ist nunmehr in Liquidation und wird einzig durch die Liquidatoren vertreten. Frau Annett Viehweg führt ihre Funktion als CEO unter der Aufsicht der Liquidatoren gemäss deren Weisungen fort. Der Verwaltungsrat ist zurückgetreten.

Gemäss den Büchern der Bank sind ausreichend Vermögenswerte vorhanden, um die Bankkunden und Gläubiger vollumfänglich zu befriedigen. Auf Grund der US-amerikanischen Intervention und dem Bewilligungsentzug unterliegt die Bank Beschränkungen im Zahlungsverkehr. Vorderhand können daher pro Kunde nur max. CHF 100’000 und nur in Schweizer Franken ausbezahlt werden.

Ansprechpartner für die Bankkunden ist weiterhin ihr Kundenberater. Aktionäre erhalten ihre Einlagen erst nach Befriedigung aller Gläubiger und Abschluss der Liquidation ausbezahlt.“

Der Druck aus den Vereinigten Staaten nahm deutlich zu. Das US-Finanzministerium stufte die Bank als primäres Risiko für Geldwäscherei ein und stellte in Aussicht, ihr den Zugang zum US-Finanzsystem zu entziehen. In einer Mitteilung warf die Behörde dem Institut vor, Hunderte Millionen Dollar im Auftrag illegaler Akteure mit Verbindungen zu Iran und Russland durch das US-Finanzsystem geschleust zu haben.

Per Ende 2025 verwaltete die MBaer Bank laut Finma Kundengelder in Höhe von 4,9 Milliarden Franken. Rund 700 Kundenbeziehungen und mehr als 60 Mitarbeitende zählte das Institut. Gegründet worden war es von Michael „Mike“ Bär, einem Nachfahren der Bär-Bankiersfamilie.

Im Zentrum der Kritik steht die Ausrichtung des Geschäftsmodells. Gemäss FINMA stammten zuletzt 98 Prozent der angenommenen Vermögenswerte von Hochrisikokunden. Die von der Aufsicht eingesetzte Untersuchungsbeauftragte kam zum Schluss, dass die Bank wiederholt Empfehlungen ihrer eigenen Compliance-Abteilung ohne nachvollziehbare Begründung übergangen habe.

Hintergründe von Geschäftsbeziehungen und Transaktionen seien systematisch ungenügend abgeklärt worden. Zudem sei die gesetzliche Meldepflicht nach Geldwäschereigesetz teilweise verspätet oder gar nicht erfüllt worden.

Brisant ist der Zeitpunkt. Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Zusammenbruch von Wegelin & Co., der das Schweizer Bankgeheimnis nachhaltig erschütterte, wirkt der Befund wie ein Rückfall in alte Muster. Trotz verschärfter internationaler Standards und wachsender Sensibilität im Umgang mit sanktionierten Kunden habe die Bank weiterhin Geschäftsbeziehungen mit besonders exponierten Klienten gesucht oder ausgebaut.

Interne Umstellungen änderten daran offenbar wenig. Nachdem ein führender Manager 2024 ausgeschieden war und die FINMA ihre Prüfung intensiviert hatte, sei es dem Institut nicht gelungen, die Risiken substanziell zu reduzieren. Statt problematische Engagements konsequent abzubauen, habe die Bank weiterhin Kunden aus Hochrisikoländern betreut.

Die FINMA wählte in ihrer Mitteilung ungewohnt deutliche Worte. Durch ihr Verhalten und ihre mangelhafte Organisation habe die Bank nicht nur sich selbst, sondern auch den Finanzplatz Schweiz unverhältnismässig hohen Risiken ausgesetzt. Diese Formulierung unterstreicht die Tragweite des Falls über das einzelne Institut hinaus.

Für mehrere Verantwortliche leitete die Aufsicht sogenannte Gewährsverfahren ein. Betroffen sind unter anderem Gründer Bär sowie frühere Mitglieder der Führungsgremien. Sie müssen klären, ob sie die Anforderungen an eine einwandfreie Geschäftstätigkeit noch erfüllen.

Die unmittelbaren Folgen tragen Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter. Die Anteilseigner verlieren ihr Investment, die rund 700 Kunden müssen für ihre Vermögen eine neue Bank finden, und mehr als 60 Angestellte stehen vor einer ungewissen beruflichen Zukunft.

Für den Schweizer Finanzplatz hat die Liquidation der MBaer Merchant Bank Gewicht. Sie zeigt, dass auch ein kleines Institut erheblichen Schaden anrichten kann, wenn interne Kontrollen nicht greifen und aufsichtsrechtliche Vorgaben ignoriert werden. Mit dem Aus der Bank endet nicht nur ein ehrgeiziges Projekt, sondern es wächst der Druck auf eine Branche, die sich kaum noch Fehltritte leisten kann.

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