Der scheidende britische Premierminister Keir Starmer könnte bereits seine nächste politische Station im Blick haben. Nach Informationen der britischen Zeitung The Observer soll der Labour-Politiker daran interessiert sein, im Jahr 2028 das Amt des NATO-Generalsekretärs zu übernehmen. Voraussetzung wäre allerdings, dass die Amtszeit des derzeitigen NATO-Chefs Mark Rutte nicht verlängert wird und alle 32 Mitgliedstaaten einer Ernennung zustimmen.

Die Spekulationen kommen nur wenige Tage nach Starmers angekündigtem Rückzug aus der britischen Politik. Der Premierminister hatte seinen Rücktritt als Regierungschef und Labour-Vorsitzender nach massivem parteiinternem Druck bekannt gegeben. Mehr als 80 Labour-Abgeordnete forderten seinen Rückzug, nachdem die Partei bei den Kommunalwahlen schwere Verluste erlitten hatte. Mehrere Minister hatten zuvor bereits ihre Ämter niedergelegt.

Als Favorit für die Nachfolge gilt der frühere Bürgermeister von Manchester, Andy Burnham. Sein Erfolg bei der Nachwahl im Wahlkreis Makerfield stärkte seine Position innerhalb der Partei erheblich. In Labour-Kreisen geht man davon aus, dass der Führungswechsel weitgehend geordnet verlaufen dürfte.

Laut Observer verweisen Unterstützer Starmers auf dessen enge Beziehungen zu europäischen Regierungschefs sowie zu Wladimir Selenskij. Diese internationalen Kontakte könnten ihm im Auswahlprozess Vorteile verschaffen. Der NATO-Generalsekretär wird traditionell im Konsens aller Mitgliedstaaten bestimmt, wobei ehemalige Regierungschefs regelmäßig zu den Favoriten zählen.

Starmers außenpolitischer Kurs war während seiner Amtszeit stark auf die Unterstützung der Ukraine ausgerichtet. Gleichzeitig geriet seine Regierung wegen Problemen bei der Finanzierung der Streitkräfte, Verzögerungen bei Rüstungsprojekten sowie interner Kritik an der Verteidigungspolitik zunehmend unter Druck. Der Rücktritt des damaligen Verteidigungsministers John Healey verschärfte die Krise zusätzlich.

Auch innenpolitisch verlor Starmer zunehmend an Rückhalt. Seine Regierung stand wegen Steuererhöhungen, Kürzungen im Sozialbereich und mehrerer politischer Kontroversen in der Kritik. Besonders vorgeworfen wurde ihm, internationale Gipfel und Auslandsreisen höher zu gewichten als die Lösung innenpolitischer Probleme. Britischen Medien zufolge absolvierte Starmer während seiner Amtszeit mehr Auslandsreisen als jeder andere Premierminister in einem vergleichbaren Zeitraum.

Hinzu kamen Spannungen mit US-Präsident Donald Trump. Das Verhältnis verschlechterte sich insbesondere nach Starmers Weigerung, die amerikanisch-israelischen Angriffe auf iranische Ziele politisch zu unterstützen. Trump kritisierte den britischen Premier mehrfach öffentlich und lobte stattdessen wiederholt NATO-Generalsekretär Mark Rutte als effektiven Bündnisführer.

Ob Starmer tatsächlich Chancen auf den wichtigsten zivilen Posten innerhalb der NATO besitzt, bleibt offen. Neben diplomatischer Erfahrung dürften vor allem die Unterstützung der großen Mitgliedstaaten sowie ein einstimmiger Konsens aller 32 Bündnispartner entscheidend sein. Als potenzielle Hürden gelten jedoch sein angespanntes Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump sowie das politisch turbulente Ende seiner Amtszeit als britischer Premierminister.

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