Wer einen Politiker „Schwachkopf“ nennt, riskiert heute Post von der Staatsanwaltschaft, eine Geldstrafe und Gerichtskosten. Mitunter kommt noch eine Schmerzensgeldforderung hinzu. Dabei lässt sich dieselbe Kritik mithilfe künstlicher Intelligenz so vornehm formulieren, dass sie beinahe wie eine Laudatio klingt.
Von MEINRAD MÜLLER | Seit der Verschärfung des sogenannten Majestätsbeleidigungsparagraphen gilt Ähnliches wie zur Kaiserzeit: Du sollst die Obrigkeit nicht beleidigen. Juristisch heißt das heute § 188 Abs. 1 StGB. Besonders eifrig stellten Marie-Agnes Strack-Zimmermann rund 1.900, Robert Habeck 805 und Annalena Baerbock 513 Strafanzeigen.
Wer einen Politiker einen Hornochsen, Vollidioten, Schwachkopf, Versager oder Drecksack nennt, kennt die Macht der künstlichen Intelligenz noch nicht. Das gewöhnliche Schimpfwort gehört sprachlich zum Plumpsklo.
Wie die KI volkstümliche Beleidigungen besser formuliert
Aus „Hornochse“ wird mit KI:
„Der Amtsträger weist eine dauerhaft verfestigte Beratungsresistenz auf, die bei verständiger Würdigung den Eindruck erweckt, dass rationale Argumente mangels zuständiger Empfangseinrichtung nicht entgegengenommen werden können.“
Aus „Vollidiot“ wird mit KI:
„Die erkennbare Abwesenheit sachgerechter Erwägungen begründet erhebliche Zweifel, ob die für das Amt erforderliche geistige Mindestausstattung zum maßgeblichen Entscheidungszeitpunkt betriebsbereit war.“
Aus „Schwachkopf“ wird mit KI:
„Die kognitiven Kapazitäten des Betroffenen stehen zu seinem politischen Geltungsanspruch in einem offenkundigen und bislang nicht heilbaren Missverhältnis.“
Aus „Versager“ wird mit KI:
„Zwischen den öffentlich angekündigten Zielen und den tatsächlich eingetretenen Ergebnissen besteht eine dauerhafte negative Kausalität, weshalb bloßer Zufall als entlastender Umstand ausscheidet.“
Aus „Drecksack“ wird mit KI:
„Die Amtsführung lässt eine flexible Auslegung elementarer Anstandsanforderungen erkennen, die bei Gesamtwürdigung den Anfangsverdacht moralischer Verwahrlosung rechtfertigt.“
Aus „Lügner“ wird mit KI:
„Der Betroffene unterhält zur objektiv feststellbaren Wirklichkeit ein derart gelockertes Rechtsverhältnis, dass seine Aussagen regelmäßig einer nachträglichen Tatsachenbereinigung bedürfen.“
Aus „Lackaffe“ wird mit KI:
„Das äußerlich zur Schau gestellte Selbstbewusstsein steht zur nachweisbaren Sachkompetenz in einem groben Missverhältnis, dessen öffentliche Wahrnehmung durch auffälliges Imponierverhalten verhindert werden soll.“
Die künstliche Intelligenz verwandelt die Kneipenbeleidigung wenigstens in einen eleganten juristischen Ausfluss und der Unterhaltungswert nimmt gleichzeitig zu.
MEINRAD MÜLLER (71), Unternehmer im Ruhestand, kommentiert mit einem zwinkernden Auge Themen der Innen-, Wirtschafts- und Außenpolitik für diverse Blogs in Deutschland. Der gebürtige Bayer greift vor allem Themen auf, die in der Mainstreampresse nicht erwähnt werden. Seine humorvollen und satirischen Taschenbücher sind auf Amazon zu finden. Müllers bisherige Beiträge auf UNSER MITTELEUROPA gibt es hier, seinen Ratgeber für Hobbyautoren hier.
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