Offenbar ist nunmehr in der ohnehin mehr als angespannten Situation im Nahen Osten ein neues, allerdings befürchtetes „Horror-Szenario“ hinzugekommen.

Das bisherige „Energy-Transportproblem“ angesichts der Blockade der Straße von Hormus, hat nunmehr mit dem kompletten Produktions-Stopp per 3. März beim wichtigsten Gaslieferanten der Welt, einen neuen, dramatischen Höhepunkt erreicht.

Eskalation des „Energieliefer-Themas“

Aktuell berichtet das Handelsblatt, dass Qatar Energy, der weltweit größte LNG-Konzern, nun seine Produktion vollständig eingestellt hat. Grund dafür sei die massive militärische Eskalation, durch den US-israelischen Angriff auf den Iran, sowie dessen Vergeltungsschläge in der Region. Die Sicherheit der Förderanlagen wie auch der Mitarbeiter kann nicht mehr gewährleistet werden.

Damit fällt in diesem Moment die wichtigste Säule der globalen Flüssiggas-Versorgung (LNG) schlagartig weg. Europa hängt nunmehr, dank Russland-Sanktionen, endgültig „in den Seilen“, denn Europa ist nun gänzlich von US-LNG-Gas abhängig und das ist bekanntlich bei weitem das Teuerste weltweit.

Die unmittelbaren Auswirkungen für uns sind unter anderem auch, dass die EU-Drehkreuze, wie Niederlande und Belgien als Puffer ausfallen. Die Niederlande und Belgien sind bekanntlich die wichtigsten Import-Tore und Transitländer für die deutsche wie auch die mitteleuropäische Gasversorgung.

In Belgien ist das Terminal in Zeebrügge einer der absoluten Hauptumschlagplätze für katarisches Gas. Ohne diese Schiffe fällt der wichtigste Versorgungsanker für Nordwesteuropa de facto aus.

Die Niederlande verzeichnen ohnehin bereits kritisch niedrige Speicherstände von nur noch 10%. Wenn über die holländischen Terminals kein LNG mehr angelandet wird, bleibt freilich auch der Transit in die deutschen Netze aus. Die deutschen Speicher sind bekanntlich ebenfalls bereits auf einem historischen Tiefstand. Die Niederlande stehen somit nun vor einer riesigen Herausforderung.

Verteilungskampf auf EU-Binnenmarkt vorhersehbar

Innerhalb der Europäischen Union droht nun also ein beispielloser Verteilungskampf um die verbleibenden, drastisch verknappten Gasmengen auf dem Weltmarkt. Die viel beschworenen europäischen Solidaritätsmechanismen werden somit wohl auf die „historisch“ härteste Probe bislang gestellt sein. Die Großhandelspreise an den europäischen Energiebörsen (TTF) reagieren bereits mit extremen Preissprüngen von 40% nach oben.

Die Abhängigkeit Europas von instabilen Regionen zeigt in diesen Stunden also ihre volle Verwundbarkeit. Die Situation auf den Energiemärkten ist ab sofort hochgradig volatil. Die Warnstufen für die kritische Infrastruktur in Deutschland dürften in Kürze verschärft werden.

Die Lage erfordert höchste Wachsamkeit, sowohl für die Industrie als auch für die private Krisenvorsorge.


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