Nach 18 Toten in Luhansk folgt Putins Vergeltung: Russland überzieht Kiew mit einem der größten Luftangriffe des Krieges – ausdrücklich als Vergeltungsschlag für den ukrainischen Angriff auf eine Fachhochschule in der Region Luhansk. Nach ukrainischen Angaben setzte Moskau 600 Drohnen, 90 Raketen und erneut die gefürchtete Mittelstreckenrakete Oreschnik ein. 

Moskau spricht von Vergeltung für Angriff auf Starobilsk

Der Angriff folgt auf eine scharfe Drohung aus Moskau. Schwerpunkt der Attacke war die Hauptstadt Kiew. Präsident Wladimir Putin hatte nach dem ukrainischen Schlag gegen die Stadt Starobilsk in der Nacht zum 22. Mai eine Antwort angekündigt. Nun scheint sie erfolgt zu sein. Auslöser der jüngsten Eskalation war der ukrainische Angriff bei dem 18 Menschen ums Leben gekommen sind.

Moskau spricht von einem Angriff auf zivile Einrichtungen – und von einem „terroristischen Akt“. Das russische Verteidigungsministerium erklärte nun, die massiven Luftschläge gegen die Ukraine seien eine Reaktion auf ukrainische „terroristische Angriffe gegen zivile Objekte in Russland“.

Die Ukraine weist die Vorwürfe zurück. Aus Kiew hieß es, Ziel des Angriffs sei keine zivile Bildungseinrichtung gewesen, sondern eine russische Drohneneinheit, die in der Region Starobilsk operiert habe. Unabhängig überprüfbar sind die Angaben beider Seiten bislang nicht.

Doch Russland reagierte relativ zeitnah: Putin kündigte öffentlich eine Vergeltung an – und Russland setzte diese Ankündigung nun offenbar mit einer großangelegten Angriffswelle um.

600 Drohnen,90 Raketen und Oreschniks

Die ukrainische Luftwaffe meldete am heutigen Sonntagmorgen einen beispiellosen Angriffsumfang: 600 Drohnen und 90 Raketen seien gegen Ziele in der Ukraine gestartet worden. Nach offiziellen Angaben konnten zwar 549 Drohnen und 55 Raketen abgefangen werden – dennoch kam es zu zahlreichen Einschlägen. Besonders hart traf es Kiew.

Die ukrainische Hauptstadt wurde stundenlang aus der Luft attackiert. Explosionen erschütterten die Stadt bis in die Morgenstunden hinein, Bewohner verbrachten die Nacht in U-Bahn-Stationen und Schutzräumen.

Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, nicht alle ballistischen Raketen hätten abgefangen werden können. „Die meisten Treffer gab es in Kiew, und genau Kiew war das Hauptziel dieses russischen Angriffs.“ Nach seinen Angaben wurden eine Wasserversorgungsanlage, ein Markt, Wohnhäuser und mehrere Schulen beschädigt oder zerstört.

Oreschnik erneut im Einsatz

Besondere Aufmerksamkeit richtet sich erneut auf die russische Rakete Oreschnik. Moskau bestätigte ihren Einsatz offiziell. Auch die ukrainische Führung erklärte, Russland habe die atomwaffenfähige Mittelstreckenrakete bei den Angriffen eingesetzt. Nach Angaben Selenskyjs traf eine Oreschnik-Rakete Ziele in der zentralukrainischen Stadt Bila Zerkwa.

Die Waffe gilt als strategisch bedeutsam: Die Rakete erreicht Geschwindigkeiten von mehr als 12.000 Stundenkilometern und kann Ziele in bis zu 5.500 Kilometern Entfernung treffen. Putin hatte mehrfach erklärt, moderne westliche Luftabwehrsysteme könnten die Rakete nicht abfangen.

Dass Moskau die Oreschnik nun erneut in einem ausdrücklich als „Vergeltung“ deklarierten Angriff einsetzt, dürfte auch als politisches Signal verstanden werden: Russland demonstriert nicht nur militärische Schlagkraft, sondern will offenbar deutlich machen, dass Angriffe auf russisch kontrolliertes Gebiet oder zivile Ziele – aus Sicht des Kremls – unmittelbare und massive Konsequenzen nach sich ziehen.

Neue Eskalationsphase

Parallel zu den russischen Angriffen meldete Moskau ukrainische Drohnenattacken auf den wichtigen Schwarzmeerhafen Noworossijsk. Dort sollen ein Öldepot und Teile eines Kraftstoffterminals getroffen worden sein.

Die jüngsten Ereignisse verdeutlichen die zunehmende Dynamik des Luftkriegs: Beide Seiten greifen immer tiefer hinter den jeweiligen Frontlinien an. Doch die aktuelle russische Angriffswelle hebt sich in ihrer Dimension und ihrer politischen Begründung hervor. Der Kreml stellt sie unmissverständlich als Vergeltung für den Angriff auf Starobilsk dar.

Für die Ukraine bedeutet das eine neue Warnung: Schläge gegen russisch kontrollierte Gebiete – insbesondere mit hohen Opferzahlen – könnten künftig noch schneller mit großangelegten Gegenschlägen beantwortet werden.




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