Prof. M. Marandi, ein politischer Analyst, zum Wirken des Obersten Führers der Islamischen Republik Iran, Ali H. Khamenei, der
bei einem gezielten Luftangriff im Rahmen des Krieges zwischen den USA und Israel gegen den Iran getötet wurde (Assassination by airstrike). Dabei wurde sein offizieller Führungssitz („Beit-e Rahbari“, der Führerkomplex) in Teheran zerstört, und er kam dort mit mehreren Familienangehörigen ums Leben.

Nima R. Alkorshid [1]: Hallo an alle! Heute ist Sonntag, der 1. März 2026 und unser lieber Freund und Bruder, Professor Marandi, ist bei uns zu Gast. Willkommen zurück, Professor!

Prof. M. Marandi [2]: Danke, Nima! Es macht mir große Freude in Ihrer Sendung teilzunehmen.

Nima R. Alkorshid: Wir erleben einen schlechten Zeitpunkt, denn es ist ein trauriger Moment, da wir gestern vom Märtyrertod des Obersten Führers des Iran erfahren mussten. Ayatollah Khamenei war enorm wichtig für das iranische Volk, für den Iran, und für das, was den Iran heute ausmacht. Wie beurteilen Sie die Ergebnisse seines Wirkens, seit er unmittelbar nach der Revolution an die Macht kam, nachdem der damalige Oberste Führer des Iran, Imam Khomeini, unmittelbar nach der Revolution verstorben war und vom Obersten Führer Ali Khamenei abgelöst (1989) wurde, der all die Jahre bis heute regiert hat. Gestern wurde er durch die Attacke der USA und Israels zum Märtyrer. Wo sehen Sie den Iran heute?

Prof. M. Marandi: Nun, Khamenei wurde mit der höchsten Ehre des Märtyrertodes ausgezeichnet. Insbesondere für die Schiiten weltweit ist die Verteidigung der Unterdrückten und der Kampf gegen Unterdrücker ein sehr wichtiger und tief verwurzelter Teil unserer religiösen und kulturellen Tradition. Ob der heilige Prophet oder sein Schwiegersohn oder die Imame, aber insbesondere Ali Hosseini Khamenei (Anmerkung der Redaktion: Er wurde zusammen mit seiner Tochter, seinem Schwiegersohn und seiner Enkelin ermordet) und die Opfer, die sie gebracht haben und wie sie standhaft gegen die Unterdrücker ihrer Zeit gekämpft haben: Das hat einen enormen Einfluss auf die iranische Gesellschaft sowie die Achse des Widerstands ausgestrahlt!

Das ist ein Grund, warum sie die palästinensische Sache stets so unerschütterlich unterstützt haben – aber nicht nur die der Palästinenser. Als die Venezolaner vor einigen Jahren in einer Krise steckten, nachdem die Amerikaner ihnen eine Wirtschaftskrise beschert hatten, kamen die Iraner ihnen oder den Kubanern so weit wie möglich zu Hilfe. Denn natürlich steht der Iran unter maximalem Druck samt Sanktionen und seine Möglichkeiten sind begrenzt. Aber es geht um die Unterstützung der Unterdrückten, egal ob schwarz oder weiß, muslimisch oder christlich oder einer anderen Gruppe zugehörig!

Khamenei war maßgeblich an der Unterstützung des Widerstands gegen das Apartheidregime in Südafrika beteiligt. Als Nelson Mandela in den Iran kam, bezeichnete Mandela ihn als „seinen Anführer“, um ihm im Grunde für alles zu danken, was er zum Widerstand in Südafrika beigetragen hatte.

Selbstverständlich hatte er auch in Lateinamerika viele Freunde. Ich erhalte unzählige Nachrichten aus aller Welt. Die Menschen sind wahrhaftig traurig über das, was passiert ist. Er war politisch auch gegen das despotische Pahlavi-Regime aktiv.

Er wurde viele Male auch in die schlimmsten Gefängnisse geworfen [Anmerkung der Redaktion: Unter dem Sha wurde Khamenei sechsmal verhaftet]. Darüber verbrachte er eine gewisse Zeit in Sistan und Belutschistan [iranische Provinz] im Exil. Er befand sich in einem sunnitischen Gebiet, wo man ihn sehr schätzte. Das ereignete sich, als er noch jung war und geschah noch vor der Revolution. Er wurde ins Exil geschickt und war mehrfach im Gefängnis. Nach der Revolution stieg er in die Führung auf, wobei er unter den wichtigsten Anführern der jüngste von allen war.

Sobald der Krieg [Anmerkung der Redaktion: Irak-Iran-Krieg von 1980 – 1988] begann, meldete er sich freiwillig an die Front, obwohl er keine militärische Erfahrung hatte. Dort lernte zu kämpfen. Das war zu einer Zeit, als die iranischen Streitkräfte noch in einem sehr schlechten Zustand waren, weil während der Revolution viele Wehrpflichtige und Offiziere aus Solidarität mit dem Volk desertiert waren und die Armee verlassen hatten. Während der Revolution verließen viele Generäle und hochrangige Offiziere das Land. Einige von ihnen, die an der Ermordung von Zivilisten beteiligt waren, wurden verhaftet. Die Streitkräfte – insbesondere die Armee – waren in keinem guten Zustand. Die Revolutionsgarden stellten damals keine wirklich ernstzunehmende Macht dar. Sie verfügten nur über wenige leichte Waffen. Unter diesen Umständen hatten sie gegen eine sehr mächtige bewaffnete Armee, die Armee von Saddam Hussein, anzutreten.

Im Jahr 1981 wurde in Teheran ein Anschlag auf Khamenei verübt, bei dem er seinen rechten Arm einbüßte. Er war sehr gut in Kalligraphie mit einer sehr schönen Handschrift. Ich weiß nicht, ob es den Leuten auffiel, aber er konnte seinen rechten Arm nicht mehr nutzen, weil er schwer an der Schulter verletzt worden war. Im hohen Alter begann er noch mit der linken Hand zu schreiben…

Khamenei war ein eloquenter Redner. Sein Persisch war fantastisch und er war sehr gut mit persischer Literatur vertraut. Sein Vater stammt aus Khamenei und er sprach fließend Aserbaidschanisch. Seine Kenntnisse arabischer, persischer und aserbaidschanischer Literatur waren außergewöhnlich, wie auch seine Kenntnisse englischer Literatur. Das weiß ich, weil er Englisches las, als es noch kein Internet gab. Ich weiß, dass er damals z.B. das Time Magazine und Newsweek konsumierte und einige der Autoren persönlich kannte, die ich jedoch nicht nennen möchte, weil es keinen Sinn macht, denn es sind Namen darunter, die manche Leute kennen dürften.

Er war hochgebildet. Im Gefängnis war einer seiner Zellengenossen ein Kommunist, der ihn sehr verehrte. Nach dem Attentatsversuch gegen ihn und der Revolution wurde er Präsident. Interessant war, dass gegen Ende des (Irak-Iran) Krieges, die Amerikaner auf der Seite von Saddam Hussein in den Krieg eintraten, um gemeinsam gegen den Iran zu kämpfen, genau wie es das israelische Regime und die Amerikaner heute wieder machen.

Damals traten die Amerikaner im Namen von Saddam [Hussein] in den Krieg ein und griffen unsere Schiffe im Persischen Golf an, schossen ein (Zivil-)Flugzeug mit 290 Menschen an Bord ab, zerstörten Ölanlagen, ermordeten Marineoffiziere und zerstörten Schiffe in der Region des Persischen Golfs. Als die Kämpfe zu dieser Zeit in Schwierigkeiten gerieten, weil der Iran sich zwei Feinden gleichzeitig gegenübersah, verließ Khamenei Teheran. In dieser letzten Phase des Krieges, die neben dem Beginn des Krieges die schwierigste war, wurde er wieder zum [Kriegs-]Freiwilligen:

Er begab sich als Präsident persönlich an die Front und ich bin ihm dort begegnet!

Alle machten sich große Sorgen um ihn, weil die Lage vorne sehr unübersichtlich war. Doch er bewegte sich an der Front von Position zu Position, insbesondere an der Süd- Front, wo die Lage besonders kritisch war.

Er war nicht nur ein furchtloser Mann, aber gleichzeitig auch sehr spirituell und verkörperte eine ganz außergewöhnliche Persönlichkeit: Er war sehr höflich! Ich gehörte nicht zum inneren Kreis, aber ich konnte ihn ein paar Mal persönlich treffen. Vor etwa zehn Jahren wurde ich zu ihm gerufen. Er bat mich, etwas für ihn zu erledigen und ich hatte vier Treffen mit ihm. Er war extrem höflich und trat überaus bescheiden auf, aber gab sich nicht schwach. Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, aber er verfügte über eine großartige Persönlichkeit.

Als Ayatollah Khomeini 1989 starb, wurde er jedenfalls zum Nachfolger berufen. Natürlich war Khomeini eine überragende Persönlichkeit: Er verkörperte die Revolution – er war derjenige, der den Schah gestürzt hatte. Zugleich stellte es eine gewaltige Aufgabe dar, Khomeinis Platz einzunehmen. Doch Khamenei schafft es im Laufe der Jahre Außergewöhnliches zu leisten. Während seiner gesamten Amtszeit haben die Amerikaner gegen ihn konspiriert:

Der Westen hat immer gegen ihn, gegen den Iran und gegen die Islamische Republik konspiriert!

Er führte das Land, während verschiedene [iranische] Präsidenten höchst unterschiedlicher Weltanschauungen an die Macht kamen: Darunter Akbar Hashemi Rafsanjani (1889–1997), der in den 1990-er Jahren eine liberale Wirtschaftspolitik vertrat. Man sollte bedenken, dass dies zu einer Zeit geschah, als die Linke weltweit zusammengebrochen war und sich die ganze Welt gewissermaßen dem Liberalismus zugewandt hatte, was auch Auswirkungen auf den Iran hatte. Viele Linke aus dem Iran verwandelten sich zu Liberalen. Zu dieser Zeit war die liberale Wirtschaftspolitik auf dem Vormarsch, was Khamenei nicht sonderlich gefiel. Er unterstützt den privaten Sektor, war aber der Meinung, dass niemand zurückgelassen werden sollte: Die Entrechteten und Benachteiligten sollten unterstützt und gestärkt werden!

Obwohl seine Ansichten sich von denen des Herrn Rafsandschani oder später des Präsidenten Mohammad Khatami (1997–2005) oder darauf von Präsident Mahmoud Ahmadinejad unterschieden, behinderte er niemals deren Arbeit. Aber er versuchte nur sicherzustellen, dass unabhängig davon, wer gerade an der Macht war, Folgendes im Iran intakt blieb:

  • die Politik der Unabhängigkeit!
  • die Politik der sozialen Gerechtigkeit!

Er hat gewissermaßen die verschiedenen Präsidenten abgemildert: Denn manchmal wechselten wir von einer radikalen Position zur anderen. Aber er achtete stets darauf, alle an Bord zu halten. Mit anderen Worten: Wer auch immer gegen einen speziellen Präsidenten war, er versuchte, ihn an Bord zu holen. Er war also immer jemand, der versuchte, so viele verschiedene politische Fraktionen wie möglich am Tisch zu haben, speziell in einer Zeit, als das Land sehr viele Schwierigkeiten hatte.

Ich denke, in jüngerer Zeit haben die Menschen gesehen, wie er während des 12-Tage-Krieges [Anmerkung der Redaktion: Angriff von Israel/USA auf den Iran, während den Verhandlungen mit den USA am 13. Juni 2025 mit Luftangriffen auf iranische Militär- und Nuklearstandorte, flankiert von Mordanschlägen auf Nuklearwissenschaftler und Militärkommandanten] nach dem Blitz-Angriff die Situation konsolidierte und das Land und die Streitkräfte vereinte. Nach – ich entsinne mich – etwa 17 Stunden begann der Iran mit Vergeltungsmaßnahmen, sodass sich das Blatt wendete.

Über die letzten acht Monaten hat Khamenei außergewöhnliche Arbeit geleistet, sodass die Streitkräfte jetzt auch nach seinem Tod wissen, was zu tun sei. Sie haben aus den Erfahrungen des 12-Tage Krieges [im Jahr 2025] gelernt. Khamenei wusste, dass es einen weiteren Krieg geben würde. Er hat alle auf diese Situation vorbereitet. Auch wenn der Iran dieses Mal nicht unvorbereitet war, ist es doch unvermeidlich, dass es bei einem Blitzkrieg zu Opfern kommt. Doch, er wollte sich nicht verstecken. Ich hätte es vorgezogen, wenn er sich irgendwo versteckt hätte. Aber er sagte, dass viele Menschen ihre Häuser verlassen können:

Doch hat sich geweigert, seine Residenz zu verlassen!

So wurde er zum Märtyrer, als er in der Zeit des Ramadans in seinem Büro fastete und eine Besprechung abhielt. Ich denke, das hat auch die iranische Gesellschaft und die Welt außerhalb des Iran stark berührt. Sie sehen, dass die Sympathie und Unterstützung für die Islamische Republik heute weit über ihre Grenzen und Religion hinausgeht. Ich denke, das sagt entgegen all der massiven Propaganda viel aus.

Man sollte auch nicht vergessen, dass keine dieser arabischen Diktaturen der Persischen Golfregion mit dem Iran befreundet ist. Sie sind keine Freunde des Widerstands:

  • Al Jazeera ist kein Freund des Irans!
  • AlArabiya ist kein Freund des Widerstands!

Natürlich geben sich die westlichen Medien stets feindselig. Die Menschen, egal wo auf der Welt sie sich befinden, erhalten derartige Informationen über den Iran. Ich erinnere mich, als ich dank eines Stipendiums zusammen mit Kollegen ein Auslandsstudium in Vorbereitung auf meine Promotion antreten konnte und im Ausland weilte, habe ich mir selbst Sorgen um die Lage im Iran gemacht. Und das, obwohl ich mit dem Iran in Kontakt stand und iranische Nachrichten erhielt. Doch ich war vor Ort den Nachrichten aus westlichen Quellen, wie von BBC, CNN, The Guardian, The Times, The Independent, The New York Times oder beispielsweise von der Washington Post ausgesetzt. Diese Medien vermitteln einem ein sehr einseitiges und verzerrtes Bild vom Iran. Sie scheinen allesamt vielmehr schädlich als nützlich. Kein Medium von ihnen vermittelt einen Wert, wenn es um den Iran geht. Das hat sogar mich beeinflusst, solange ich mich im Ausland aufhielt.

Man stelle sich nur vor, wie einseitig Menschen auf der ganzen Welt mit nur anti-iranischer Propaganda samt Meinungen gegen die islamische Revolution gefüttert werden. Trotzdem trauern so viele Menschen [um Ayatollah Khamenei] und man erlebt das online entgegen allen Algorithmen und dergleichen.

Ich denke, wir erleben seit Beginn des Krieges in den letzten Stunden, wie der Iran allmählich die Oberhand gewinnt, doch diesmal nicht nur gegen das israelische Regime, sondern auch gegen die Vereinigten Staaten: Es geht gegen das Epstein-Regime, das israelische Regime und die wahre Macht, nämlich die Vereinigten Staaten!

Die Luftwaffe der USA ist weitaus mächtiger als die des israelischen Regimes. Man steht also gegen das israelische Regime sowie jene Macht, die noch weitaus stärker als das israelische Regime ist. Der Iran kämpft gegen diese vereinten Kräfte, zu einer Zeit, in der sein Führer ermordet wurde und den Märtyrertod starb. Ich denke, das zeigt, wie effektiv Khamenei das Land geführt hat: Wie er alle zusammenführte, z.B. Präsidenten unterschiedlicher politischer Richtungen oder Parlamentspräsidenten einer wieder anderen Richtung. Er brachte all diese unterschiedlichen Personen zusammen und sorgte dafür, dass sie an einem Strick ziehen.

Während bestimmte Politiker eine Fraktion bekämpfen, bezeichnen sie diese als Hardliner, andere nennen sie Reformisten, Verräter oder westlich orientiert. Khamenei sah das nicht so: Er versuchte, alle mit ins Boot zu nehmen. Die Extremisten tun natürlich, was sie tun und kümmern sich nicht um irgendetwas anderes, unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung. Aber er schaffte, das Land voranzubringen.

Heute gewinnt der Iran zusammen mit den vereinten Kräften aller regionalen Akteure effektiv die Oberhand gegenüber den Vereinigten Staaten und dem israelischen Regime. Die USA nutzen den türkischen Luftraum bzw. NATO-AWACS-Systeme, um Informationen zu sammeln. Sie nutzen Stützpunkte in der Türkei mit Radarstationen, um das israelische Regime offensiv und defensiv in der gesamten Persischen Golfregion zu unterstützen. Sie nutzen einen Luftwaffenstützpunkt tief im Inneren Saudi-Arabiens und einen weiteren wichtigen Stützpunkt in der Nähe von Aman in Jordanien. Alle Länder dieser Region, die NATO-Staaten, Kanada, Australien, Neuseeland, alle sind gegen den Iran und die Achse des Widerstands. Doch, trotz dieses zweiten Blitzkrieg-Angriffs war es Khamenei gelungen zu verhindern, dass die Feinde die Oberhand über das Land gewinnen konnten.

Ayatollah Khamenei betrieb eine sehr intelligente Außenpolitik. Er verstand die Vereinigten Staaten besser als jeder andere. So war es beispielsweise vor dem 12-Tage-Krieg [im Jahr 2025], dass er der neuen iranischen Regierung erlaubte, indirekte Verhandlungen mit den USA aufzunehmen. Die neue iranische Regierung hoffte, etwas erreichen zu können. Deshalb wollte Khamenei dem neuen Präsidenten [Massud Peseschkian] keine Absage erteilen. Gleichzeitig wollte er sicherstellen, dass die Vereinigten Staaten uns politisch nicht in eine schwierige Lage brachten. So ließ er indirekte Verhandlungen zu. Man erlebte, wie er die Verhandlungen sorgfältig leitete, doch wie die Amerikaner ihre Konditionen laufend verschoben. Man erinnere sich nur, wie [Steve] Witkoff gegenüber Fox News erklärte: „Ja, der Iran darf zum Zwecke der Stromerzeugung Uran anreichern!“ Darauf verschoben die USA jedoch ihre Konditionen und dann noch einmal mehr: Doch, zwischen der fünften und sechsten Verhandlungs-Runde konspirierten sie, den Iran anzugreifen, was sie dann auch taten.

Was Khamenei durch sein Vorgehen erreichte, war, dass er den iranischen Bürgern und der internationalen Gemeinschaft aufzeigen konnte, dass …

 … nicht der Iran das Problem sei, sondern die andere Seite!

Dieses Mal ermöglichte er dasselbe noch einmal. Er hat sehr sorgfältig den Oman [als Vermittler ausgewählt], weil der Oman ausgewogener als die anderen ist. Die Türkei ist ständig darauf aus, etwas von den Amerikanern zu erhalten. Sie machen etwas, das den Vereinigten Staaten zugutekommt, um von ihnen eine Gegenleistung zu bekommen. Erdogan hat seine eigenen Interessen, nicht die des Iran oder die der Palästinenser. Aber der Oman ist ausgewogener. So reiste der omanische Außenminister in die Vereinigten Staaten und sprach von Fortschritten: Doch zeitgleich griffen die USA an! Das zeigte der Welt einmal mehr die wahre Lage!

Ich denke also, er handelte sehr ausgeklügelt, subtil und konziliant. Aber gleichzeitig konnte Khamenei, wenn es darauf ankam, sich auch hart geben. Als die Amerikaner und das israelische Regime das erste Mal [2025] angriffen, hielt er eine Rede und sagte voraus, dass wir sie effektiv besiegen würden. Letztendlich waren es die Israelis, die um einen Waffenstillstand ansuchen ließen, nicht der Iran.

Der einzige Mensch, mit dem ich Khamenei vergleichen möchte, ist Hassan Nasrallah [Anmerkung der Redaktion: Dieser wurde 2024 ermordet], den ich nur einmal traf. Es war interessant, weil er fließend Persisch ohne Akzent sprach…

Khamenei war ein außergewöhnlicher Mensch. Er kämpfte für das palästinensische Volk und wurde zum größten Märtyrer für Palästina – ich glaube für alle Zeiten. Ich meine, dass all seine Arbeit, die er leistete, um die Achse des Widerstands zu schaffen, erfolgreich sein wird. Sie wird die Macht des Westens zusammen mit der des Zionismus langsam aber sicher schwächen. Heute sehen wir, dass der Zionismus weltweit verachtet wird. Das liegt auch daran, was die Achse des Widerstands über die letzten zwei Jahren plus geleistet hat.

Ayatollah Khamenei ist der außergewöhnlichste Mensch, den ich je getroffen habe. Ich glaube nicht, dass es in der jüngeren Geschichte irgendwo auf der Welt jemals einen Menschen wie ihn gegeben hat!
[…]

Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA
Das ganze Interview auf English als Video: HIER

[1] Nima R. Alkhorshid ist Assistenzprofessor für Bauingenieurwesen an der Federal University of Itajubá (UNIFEI) in Brasilien und hat mehrere wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht. Er ist der Gastgeber des YouTube-Kanals „Dialogue Works“, auf dem er Interviews mit Gästen zu geopolitischen Themen führt. In seinen Online-Programmen diskutiert er häufig über internationale Politik, Krieg und Frieden, insbesondere zu Themen wie den Beziehungen zwischen den USA, Russland, Iran und anderen Staaten.

[2] Seyed Mohammad Marandi ist ein iranisch-amerikanischer Akademiker, Autor, politischer Analyst und Hochschullehrer, der vor allem für seine Kommentare zu internationalen Beziehungen und seine Auftritte in westlichen Medien bekannt ist. Der in Richmond, Virginia (USA) geborene Autor ist der Sohn von Alireza Marandi, einem iranischen Politiker und ehemaligen Gesundheitsminister. Marandi hat an der Universität Teheran und der University of Birmingham (UK) studiert und promovierte über Literatur und Orientalismus.

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Von unserer Redaktion ‚Zeitgeschichte und Globalpolitik‘.
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