Aufgrund des Zweifrontenkrieges, der den USA zu entgleiten droht, kommt es verstärkt zu Kontakten – allerdings hinter den Kulissen. Umso wichtiger scheint es, eine persönliche Einschätzung des russischen Präsidenten zur Lage bezüglich der wichtigsten Brennpunkte zu erhalten.

Präsident Waldimir Putin beantwortet die
Fragen von Medienvertretern im Kreml – Teil 1
 

Wladimir Putin: Guten Abend! Nochmals alles Gute zum Tag des Sieges!

Lana Samsonia: Lana Samsonia, Interfax.

Lassen Sie mich zum heutigen Tag, falls Sie gestatten, Ihre Einschätzung erfahren: Heute ist ein großartiger, bedeutsamer Tag. Gestern hat US-Präsident Donald Trump eine Initiative zur Ausrufung eines dreitägigen Waffenstillstands vorgeschlagen und Sie, wie auch Selenskyj, haben sich ihm angeschlossen. Am Vorabend des 9. Mai sind jedoch eine Reihe schwerwiegender, provokativer Äußerungen aus Kiew bekannt geworden.

Wie beurteilen Sie den heutigen Tag – wie ist es gelaufen? Schließlich fand sogar die Parade aufgrund von Sicherheitsmaßnahmen in etwas reduzierter Form statt. Wie sieht Ihre generelle Einschätzung zum Ablauf des heutigen Tages aus – gab es überhaupt Provokationen?

Wladimir Putin: Was Provokationen betrifft, sehen Sie ja, dass ich hier präsent bin. Das Verteidigungsministerium hat mir diesbezüglich noch nichts gemeldet, sodass ich dazu nichts sagen kann. Ich werde in Kürze in mein Büro zurückkehren, wo mich letzte Informationen des Militärs erwarten.

Was die Parade angeht: Wir haben beschlossen, zumal dieses Jahr auf kein [rundes] Jubiläumsjahr fällt, es aber dennoch den Tag des Sieges beinhaltet, dass wir auf jeden Fall Feierlichkeiten organisieren, jedoch ohne Vorführung militärischen Geräts. Das geschah nicht aus Erwägungen der Sicherheit, vielmehr weil die Streitkräfte ihre ganze Aufmerksamkeit in erster Linie auf die endgültige Niederlage des Feindes im Rahmen der Speziellen-Militär-Operation [SMO in der Ukraine] richten sollen.

Was provokative Äußerungen, wie Sie es formulierten, angeht, wurden besagte Entscheidungen schon lange vor all diesen vermeintlich provokativen Äußerungen getroffen. Auf diese haben wir zwar reagiert.

Zunächst gab das Verteidigungsministerium eine spezielle Erklärung heraus: Darüber wurde allgemein bekannt, dass wir im Falle des Versuchs, unsere Feierlichkeiten zu stören, gezwungen wären, Vergeltungsschläge durchführen zu lassen – sprich: Massive Raketenangriffe auf das Zentrum von Kiew starten würden!

Was soll daran unklar sein? Genau das war als Reaktion vorgesehen!

Wir haben es jedoch nicht dabei belassen. Es folgte eine Note des Außenministeriums: Dies entsprach einem formellen Erlass, nicht nur einer Erklärung. Aber auch damit haben wir es nicht belassen. Wir traten mit unseren wichtigsten Partnern und Freunden in Kontakt – in erster Linie mit unseren Freunden aus der Volksrepublik China, Indien und aus bestimmten anderen Ländern. Wir stimmten uns auch mit der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ab. Auf welche Weise? Wir haben unseren Freunden, Kollegen und Partnern lediglich das Szenario skizziert, das sich ergeben könnte. Denn wir verspürten keinerlei Wunsch, die Beziehungen zu irgendjemandem zu verschärfen oder zu verschlechtern.

Genau das könnte jedoch passieren, nachdem sich alle Kommando- und Entscheidungszentren in Kiew [die im Gegenschlag zerstört werden würden] in unmittelbarer Nähe der diplomatischen Vertretungen einer ganzen Reihe von Ländern – es gibt dort mehrere Dutzend davon – befinden. Das betrifft den Knackpunkt der Sache.

Indem wir mit der US-Regierung den Kontakt aufnahmen und die möglichen Konsequenzen darlegten, indem wir sie warnten und baten, alles Notwendige zu veranlassen, um die Sicherheit der diplomatischen Vertretung ihres Landes zu gewährleisten.

[Anmerkung der Redaktion: Im Gegensatz zur Darstellung in westlichen Medien, kam es zu keinen Reduktionen und Auswirkungen in Moskau, vielmehr nur unter den diplomatischen Vertretungen in Kiew, die zum Spielball der atlantischen Nachrichtendienste degradiert wurden, weil letztere die Operationen gegen das russische Hinterland leiten, doch offiziell die Ukraine dafür vorschieben!]

Als Ergebnis all dieser Gespräche entstand die Initiative von US-Präsident Trump bezüglich eines zusätzlichen zweitägigen Waffenstillstands und des Austauschs von Kriegsgefangenen im Zuge dieser Verlängerung.

Wir haben dem sofort zugestimmt, zumal es sich meiner Ansicht nach um einen berechtigten Vorschlag handelt, der dem Respekt unseres gemeinsamen Sieges über den Nationalsozialismus geschuldet und eindeutig humanitärer Natur ist.

Übrigens hatten wir bereits einige Tage zuvor, am 5. Mai, der ukrainischen Seite einen Vorschlag für einen Austausch unterbreitet und der Ukraine eine Liste mit 500 in Russland festgehaltenen ukrainischen Soldaten übermittelt. Zunächst lautete die Reaktion, dass man sich das genauer – vielleicht nicht alle 500, sondern ggfs. 200 [Fälle] ansehen wollte. Doch dann tauchten sie einfach von der Bildfläche ab und erklärten unverblümt, dass sie für einen solchen [Gefangenen-] Austausch nicht bereit wären – sie wollen es nicht!

Nachdem der Vorschlag von US-Präsident Trump unterbreitet worden war, haben wir das natürlich sofort unterstützt. Wir gingen davon aus, dass die ukrainische Seite in diesem Fall tatsächlich auf den Vorschlag des US-Präsidenten eingehen würde. Leider haben wir von ihnen bisher keine Vorschläge mehr erhalten.

Alexey Konopko: Hallo, Alexey Konopko vom Fernsehsender Russia TV.

Wladimir Wladimirowitsch, Sie hatten eine ganze Reihe bilateraler Treffen. Bitte sagen Sie uns, worauf der Schwerpunkt der Gespräche lag? Falls Sie gestatten, hätte ich noch eine Zusatfrage zu einem verwandten Thema?

Wladimir Putin: Bitte!

Alexey Konopko: Wir hatten oft schon Vertreter einer anderen ehemaligen Sowjetrepublik – die von Armenien – bei den Paraden zum Tag des Sieges zu Gast. Dieses Jahr sind sie nicht da. Stattdessen hat [Nikol] Paschinjan [amtierender Premierminister Armeniens] kürzlich Selenskyj empfangen und ihm eine Plattform für Drohungen gegen unser Land gegeben. Wie schätzen Sie das bzw. die Entwicklung der Beziehungen zu Jerewan [Hauptstadt Armeniens] künftig ein? Vielen Dank!

Wladimir Putin: Was die bilateralen Treffen und den Schwerpunkt dieser Gespräche angeht: Im Mittelpunkt stand das Ereignis selbst, das sowohl für Russland als auch für alle Länder, die wir als befreundete Nationen betrachten, im Mittelpunkt des Interesses steht. Es handelt sich um jene Länder, deren Vertreter zu den Feierlichkeiten nach Moskau gekommen waren. Im Mittelpunkt der Gespräche stand der Tag des Sieges per se: Unser gemeinsamer Erfolg im Kampf gegen den Nazismus sowie die Frage, wie sichergestellt werden kann, dass die Erinnerung an die Helden des Zweiten Weltkriegs und des Großen Vaterländischen Krieges bewahrt würde und eine grundlegende Basis dafür böte, dass sich …

… so etwas in Zukunft nie wieder ereignen möge!

Natürlich haben wir auch die bilateralen Beziehungen erörtert. Hier stehen natürlich unsere Beziehungen zu unseren engsten Verbündeten und Partnern – Belarus, Kasachstan und Usbekistan – im Vordergrund!

Unser Handelsumsatz mit Belarus übersteigt 50 Milliarden Dollar. Das Land hat etwas mehr als 10 Millionen Einwohner – können Sie sich vorstellen, wie hoch das Handelsvolumen ist? [Anmerkung der Redaktion: Das BSP gesamt von Belarus für 2026 wird auf rund 100 Milliarden USD geschätzt]. Wir haben viel zu besprechen und es gibt in der Tat viele Themen.

Das Gleiche gilt für Kasachstan und Usbekistan, beide stellen schnell wachsende Volkswirtschaften dar. Wir verfolgen gute Pläne, darunter Investitionsprojekte. Mit Kasachstan teilen wir gemeinsame Interessen im Rahmen der Eurasischen Wirtschaftsunion [EAWU]. Dazu haben wir uns mit weiteren Ländern, wie beispielsweise Laos, getroffen und besprochen. Natürlich ist auch dieses Land ein wichtiger Partner für uns. Die Volumina dort sind absolut betrachtet noch bescheiden, aber die Aussichten stehen gut und das Land ist günstig gelegen. ASEAN bleibt für uns eine wichtige Region!

In jedem einzelnen Fall gab es viel zu besprechen und die Gespräche waren sehr substanziell und liefen pragmatisch.

Was die Pläne Armeniens und der armenischen Führung betrifft: Im Grunde haben wir niemanden zu den Veranstaltungen eingeladen. Es handelt sich nicht um ein rundes Jubiläum, aber wir haben an alle Nachrichten versandt, wonach wir uns freuen würden, falls jemand käme, doch wir niemanden daran hindern wollten, zu kommen. Es gab keine offizielle Einladungen, weshalb neben Armenien, auch viele andere Länder – darunter auch unsere guten Nachbarn, guten Partner und Freunde – heute nicht hier waren – ich sehe darin nichts Ungewöhnliches.

Diejenigen, die gekommen sind, haben sicherlich ein gewisses Maß an persönlichem Mut bewiesen, denn sie hatten von bestimmten Vereinbarungen – darunter die Verlängerung des Waffenstillstands, Gefangenenaustausch und so weiter, initiiert von Präsident Trump – das heißt von der Deeskalation erst erfahren, nachdem sie hier angekommen waren. Ohne es vorab gewusst zu haben, hatten sie sich dennoch entschlossen hierher zu kommen, was besonderen Respekt verdient. Doch ich wiederhole: Die Tatsache, dass jemand hier erschienen ist, stellt aus unserer Sicht nichts Ungewöhnliches dar.

Die Pläne Armeniens, der Europäischen Union beizutreten, verdienen natürlich besondere Beachtung. Wir haben das mit Premierminister Paschinjan bei mehr als einer Gelegenheit besprochen, doch sehen daran nichts Ungewöhnliches. Tatsächlich – er wird Ihnen dies bestätigen – habe ich ihm gegenüber dies bereits mehrfach ausgesprochen und möchte es hier öffentlich wiederholen: Wir wollen alles unterstützen, was dem armenischen Volk zugutekäme. Wir pflegen seit Jahrhunderten eine besondere Beziehung zum armenischen Volk. Falls eine bestimmte Entscheidung dem armenischen Volk diente – würden wir uns dem auf keinen Fall in den Weg stellen.

Zugleich gilt es bestimmte Umstände zu berücksichtigen, die sowohl für uns als auch für unsere Partner von Wichtigkeit wären. Worauf will ich damit hinaus? Beispielsweise ist unser Handelsumsatz mit Armenien inzwischen zurückgegangen: Im letzten Jahr und im Jahr davor war er noch wesentlich höher, aber er belief sich bis 2025 immer noch auf sieben Milliarden Dollar. Zumal das BIP des Landes 29 Milliarden beträgt, stellt dieser Betrag einen bedeutenden Anteil dar. Armenien kommen im Rahmen der Eurasischen Wirtschaftsunion erhebliche Vorteile zugute. Das gilt in Bezug auf die Landwirtschaft, verarbeitende Industrie, den Migrationssektor sowie für [den Wegfall] von Zöllen und anderen Abgaben.

Meiner Ansicht nach wäre es richtig – sowohl für die Leute und Bürger Armeniens, als auch für uns als ihren wichtigsten Wirtschaftspartner – so bald wie möglich zu einer Entscheidung zu gelangen, wie z.B. über ein Referendum. Es geht uns zwar nichts an, aber grundsätzlich wäre es völlig logisch, über ein Referendum die Entscheidung der Bürger Armeniens zu erfahren. Dementsprechend würden wir die entsprechenden Schlussfolgerungen ziehen und ggfs. auch den Weg einer sanften, intelligenten und für beide Seiten vorteilhaften Trennung einschlagen.

Wir werden gerade Zeugen von all den Vorgängen, die rund um die Ukraine geschehen. Wo hat das seinen Anfang genommen? Mit dem Beitritt bzw. dem versuchten Beitritt der Ukraine zur EU. Das war lediglich die erste Phase. Wir nahmen damals schon mit Vertretern der EU Gespräche dazu auf. Wir verwiesen beispielsweise auf unterschiedliche Standards beim Pflanzenschutz, die völlig unterschiedlich und in der Russischen Föderation wesentlich strenger ausgelegt sind. Wir machten klar:

  • Dass wir nicht zulassen könnten, Produkte über ukrainisches Gebiet [unkontrolliert] in den russischen Markt zu lassen.
  • Nachdem wir zu dieser Zeit mit der Ukraine offene Grenzen – eine Freihandelszone – hatten, wären wir gezwungen gewesen unsere Grenzen schließen zu lassen.

Das traf für eine ganze Reihe von Industriegütern zu. Um ehrlich zu sein, hat mich die sehr harte, kompromisslose Haltung der Europäer [damals] überrascht. Sie vertraten in jeder einzelnen Frage eine harte Linie und wir stießen stets auf ein sehr überdeutliches Nein!

Zuletzt hat der damalige Präsident Janukowitsch die Situation genauer betrachtet, abgewogen und eine Bedenkzeit verlangt. Denn der Schaden wäre für die ukrainische Wirtschaft zu groß gewesen. Er lehnte den Beitritt nicht ab, doch wollte die Dinge erst einmal genauer analysieren lassen. All dies führte in der Folge:

  • zum Staatsstreich,
  • zur Krim-Krise,
  • zur Lage in der Südostukraine und den Feindseligkeiten!

Dazu hat das alles geführt und entwickelte sich zu einer ernsten Angelegenheit.

Man sollte die Dinge nicht auf die Spitze treiben, doch die Alternativen besser vorab abklären. Das ist nichts Besonderes: Beide Seiten hätten die Zahlen auszuarbeiten. Ich denke, es wäre sicherlich möglich, diese Fragen auf dem nächsten Gipfel der Eurasischen Wirtschaftsunion [EAWU] noch erörtern zu lassen.

Andrey Kolesnikov: Guten Abend! Andrey Kolesnikov von der Zeitung „Kommersant“.

Wladimir Putin: Guten Abend!

Andrey Kolesnikov: Wladimir Wladimirowitsch, vor einiger Zeit sagten Sie, dass Sie ab dem 8. Mai einen Waffenstillstand verkünden würden.

Wladimir Putin: Ja!

Andrey Kolesnikov: Damals kündigte Selenskyj an, dass er ab dem 6. Mai einen Waffenstillstand erklären wollte. Sie haben sich zu diesem Thema nicht mehr geäußert. Warum?

Noch ein weiterer Punkt: In den Medien wurde berichtet, dass Robert Fico Ihnen eine Botschaft von Wolodymyr Selenskyj überbringen wollte. Hat er sie übermittelt oder nicht? Denn über dieses Thema herrscht Schweigen. Wir wissen nichts. Vielleicht liegt es daran, dass Sie Ihre Vorbehalte gegen den Umgang mit Wolodymyr Selenskyj noch überwinden müssten? Vielen Dank!

Wladimir Putin: Zunächst zum Waffenstillstand: Bei meinem letzten Telefonat mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Herrn Trump, haben wir über den 9. Mai gesprochen. Er hat sich nach meinem Empfinden darüber sehr angemessen geäußert, indem er an unser Bündnis im gemeinsamen Kampf gegen den Nazismus erinnerte. Ich erläuterte unseren Terminvorschlag für den 8. & 9. Mai, weil der 8. Mai im Westen, wie auch in der Ukraine, als Tag des Sieges gilt.

Doch wichtig bleibt, dass Präsident Trump dies aktiv unterstützte, sodass wir es buchstäblich einen Tag später verkünden ließen. Sobald wir es verkündet hatten, gab es von keiner Seite eine Reaktion. Ein oder zwei Tage später jedoch, nachdem die Leute in Kiew offenbar darüber nachgedacht bzw. das voll und ganz begriffen hatten, nachdem dies von der US-Regierung unterstützt wurde, beschlossen sie offenbar, dass es in ihrem besten Interesse läge, darauf eine Reaktion zu zeigen. Aber wie sollte man reagieren? Sie hielten es offenbar für nachteilig, unserem einfach zu folgen. So kamen sie mit einem anderen Vorschlag, doch der lautete: [Schon] ab dem 6. Mai…

 

Putin erläutert, dass Russland 70% aller Verluste der UdSSR im 2. Weltkrieg erlitt |

Quelle: Kreml

 

BILD 2 mit Legende – 2026.5.10

 

Für uns in Russland ist der 9. Mai keine Comedy-Show mit Keyboardmusik – für uns ist das ein sakrosankter Tag!

Denn jede Familie in unserem Land hat gelitten. Wenn wir die 27 Millionen Opfer, die von der Sowjetunion auf dem Altar des Sieges geopfert wurden, in Rechnung stellen, dann beläuft sich der Anteil der Verluste der RSFSR [Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik], also der heutigen Russischen Föderation, auf knapp 70 Prozent. Nach Dokumenten aus der Nachkriegszeit entfielen fast 70 Prozent aller Verluste auf die RSFSR – um die 69 Prozent! Nachdem 27 [Millionen] die Gesamtzahl der Verluste ist, belaufen sich die Verluste der Russen auf knapp 19 Millionen Gefallene. Natürlich ist dies für uns ein Ereignis, das jeden Bürger der Russischen Föderation, jede unserer Familien betrifft. Dazu kommt: Das ist für uns kein Spielchen!

Wir haben einen Vorschlag gemacht – zwei Tage lang gab es keine Antwort, doch danach begannen plötzlich irgendwelche Spielchen in dieser Angelegenheit, die wir jedoch nicht mitmachten.

Nachfolgend kam der Vorschlag des US-Präsidenten dazu, um einen [Gefangenen-] Austausch, den wir selbst schon am 5. Mai vorgeschlagen hatten, durchzuführen. FSB-Direktor, Alexander Bortnikow, kann bestätigen, dass wir zu diesem Zweck eine lange Liste von 500 Personen [an die ukrainische Seite] weitergeleitet hatten. So haben wir dieses Ansinnen natürlich begrüßt und waren bereit dazu. Das haben wir auch getan und den Waffenstillstand um weitere zwei Tage verlängert, in der Hoffnung, den Austausch realisieren zu können. Ich hoffe, dass wir das letztendlich noch tun werden.

Und der zweite Teil Ihrer Frage?

Andrey Kolesnikov: Bezüglich der Nachricht [von Selenskyj über Fico]?

Wladimir Putin: Ja, Herr Fico hat mir davon erzählt und erwähnte sein Treffen. Es gab dazu eigentlich keine neue Botschaft: Ich habe lediglich noch einmal gehört, dass die ukrainische Seite, Herr Selenskyj, bereit wäre, ein persönliches Treffen abzuhalten. Das hörte ich, aber nicht zum ersten Mal!

Wir und ich hatten das nie abgelehnt. Ich schlage dieses Treffen nicht vor, aber wenn es jemand vorschlägt – bitte: Wer sich treffen möchte, soll nach Moskau kommen und wir würden uns treffen!

Wir könnten uns auch ein Drittland vorstellen, aber erst, nachdem endgültige Vereinbarungen über einen langfristig angelegten Friedensvertrag getroffen worden wären, um an einer solchen Zusammenkunft diesen unterzeichnen zu lassen. Doch dies hätte in der letzten Phase nur stattzufinden, ohne die Verhandlungen selbst zu umfassen, denn wir wissen, wie Verhandlungen verlaufen können.

Ich habe dies in Minsk während der Ausarbeitung der Minsker Vereinbarungen am eigenen Leib erfahren. Man kann stundenlang reden – Tag und Nacht – ohne zu einem Ergebnis zu gelangen. Erst hätten die Verhandler ihre Arbeit zu leisten und sicherstellen, dass beide Seiten klarkämen, indem die Vereinbarungen vollständig abgestimmt wären. Für einen solchen Fall könnten wir uns überall treffen, entweder um das Dokument zu unterzeichnen oder um bei der Unterzeichnung anwesend zu sein.

Alexander Yunashov: Darf ich eine Anschlussfrage zur Ukraine stellen?

Wladimir Putin: Ja, bitte!

Alexander Yunashov: Alexander Yunashov von Life. Hallo, Wladimir Wladimirowitsch! Frohe Feiertage!

Da Sie gerade über die Verhandlungen gesprochen haben: Wie sehen Sie generell die Fortsetzung zur Beilegung des Ukraine-Konflikts gemeinsam mit den Amerikanern? Seit der letzten Gesprächsrunde im Winter ist viel Zeit verstrichen. In Anbetracht dessen, dass [Marco] Rubio [US Secretary of State bzw. US-Außenminister] gesagt hat, es lohne sich gar nicht, Zeit darauf zu verwenden…

Wladimir Putin: Hören Sie, das betrifft in erster Linie Russland und die Ukraine. Wenn jemand uns helfen will und dies auch tut und wir sehen, dass die derzeitige US-Regierung und der Präsident der Vereinigten Staaten – das möchte ich betonen – aufrichtig nach einer Lösung streben, da sie offensichtlich keinen Bedarf an diesem Konflikt haben und viele andere Prioritäten bearbeiten, dann wären wir ihnen dafür nur dankbar. Doch das bleibt in erster Linie eine Angelegenheit zwischen Russland und der Ukraine.

Fortsetzung mit Teil 2 folgt

Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA

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