Der russische Staatschef Wladimir Putin hat noch keine Entscheidung über einen Waffenstillstand mit der Ukraine zum orthodoxen Ostern getroffen. Dies erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag. Auf eine ensprechende Frage der Journalisten antwortete Peskow:

„Für heute hat der Oberbefehlshaber keine Entscheidungen getroffen.“

Ende März ist der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij mit einer Initiative aufgetreten, einen Waffenstillstand zu Ostern auszurufen. Am 6. April erklärte er, dass Kiew einen Vorschlag über einen Energiewaffenstillstand zu Ostern über die USA an Moskau übergeben habe. Gestern hat Selenskij sein Angebot wiederholt und rief Russland auf, dem Beispiel der Staaten des Nahen Osten zu folgen, wo eine Waffenruhe ausgerufen worden war. Auf Telegram schrieb er, dass ein Waffenstillstand „eine richtige Entscheidung“ sei, die „zum Ende des Krieges“ führe. 

Im vergangenen Jahr hatte Russland einen Waffenstillstand zu Ostern ausgerufen. Die Kampfhandlungen waren vom 19. April, 18 Uhr Moskauer Zeit, bis zum 21. April, 0 Uhr Moskauer Zeit, ausgesetzt worden. Der russische Präsident hatte erklärt

„Wir gehen davon aus, dass die ukrainische Seite unserem Beispiel folgen wird.“

Gleichzeitig hatte Putin damals betont, dass die russischen Truppen auf mögliche Verstöße gegen die Vereinbarung über die Waffenruhe seitens der Ukraine vorbereitet sein müssten. Er hatte angemerkt, dass die ukrainische Seite zuvor die Vereinbarung über den Verzicht auf Angriffe auf die Energieinfrastruktur „mehr als 100“ verletzt hatte. Deshalb hatte der Präsident während der Osterwaffenrufe im Jahr 2025 das russische Militär aufgefordert, auf eine „sofortige und unwangreiche Reaktion“ vorbereitet zu sein. Putin hatt gesagt

„Unsere Truppen müssen darauf vorbereitet sein, mögliche Verstöße gegen den Waffenstillstand und Provokationen des Gegners sowie jegliche aggressive Handlungen abzuwehren.“

Im vergangenen Jahr warf das russische Verteidigungsministerium den ukrainischen Streitkräfte vor, die Osterwaffenruhe zu verletzen. Die ukrainischen Truppen sollen Beschüsse und Attacken auf russische Stellungen fortgesetzt haben. Die Behörde meldete 4.900 Fälle der Verletzung der Waffenruhe, einschließlich der Angriffe auf die Grenzgebiete Belgorod, Brjansk, Kursk und die Republik Krim, wo auch zivile Objekte beschädigt wurden. Das Ministerium räumte jedoch ein, dass die Intensität der Attacken seitens der ukrainischen Armee „entlang der gesamten Frontlinie tagsüber deutlich zurückging“.

Darüber hinaus rief der russische Präsident im vergangenen Jahr einen Waffenstillstand anlässlich der Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag des Sieges aus. Die Waffenrufe dauerte von 00 Uhr in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai bis 00 Uhr in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai. Am 10. Mai meldete das russische Verteidigungsministerium mehr als 9.000 Verstöße durch die ukrainischen Streitkräfte. Zudem unternahmen die ukrainischen Truppen vier Versuche, die Grenze in den Regionen Kursk und Belgorod zu durchbrechen.

In diesem Jahr fällt Ostern auf unterschiedliche Termine. Die römisch-katholische Kirche feierte am 5. April, die orthodoxe wird am 12. April feiern. Die Orthodoxe Kirche der Ukraine (die Russisch-Orthodoxe Kirche betrachtet sie als schismatisch) hat zwar seit 2023 auf den neu-julianischen Kalender umgestellt, feiert Ostern jedoch weiterhin am 12. April.

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