Am heutigen Sonntag fanden in Bulgarien die Parlamentswahlen statt. In den Prognosen zeichnet sich ein deutlicher Sieg des Mitte-Links-Bündnisses des früheren Präsidenten Rumen Radew ab. Radew gilt als Befürworter eines Dialogs mit Russland.

Den Nachwahlbefragungen nach der Stimmabgabe zufolge kommt Radews Bündnis „Progressives Bulgarien“ (PB) auf 38 Prozent der Stimmen. Die konservative Zwei-Parteien-Koalition GERB-SDS, angeführt vom ehemaligen Regierungschef Bojko Borissow, erreicht dagegen lediglich 16 Prozent. Damit wäre Radew zur Regierungsbildung auf Koalitionspartner angewiesen.

Neben den bereits genannten Wahlbündnissen könnten sechs weitere Parteien die Vier-Prozent-Hürde zum Einzug ins Parlament überspringen, darunter das liberale Parteienbündnis „Wir setzen den Wandel fort – Demokratisches Bulgarien“, das mit 13 bis 14 Prozent der Stimmen den dritten Platz belegt. Die Wahlbeteiligung betrug 46 Prozent und lag damit über jener der Vorjahre.

Die politischen Verhältnisse in Bulgarien sind instabil: Es handelt sich bereits um die achte Parlamentswahl innerhalb von fünf Jahren. Die jüngsten Wahlen waren notwendig geworden, weil die prowestliche bulgarische Regierung unter Ministerpräsident Rossen Scheljaskow im Dezember letzten Jahres aufgrund von Massenprotesten zurückgetreten war. Auf dem Höhepunkt der Proteste hatten in der Hauptstadt Sofia 150.000 Menschen gegen Korruption demonstriert. Dementsprechend war die Korruptionsbekämpfung auch eines der Hauptthemen des jetzigen Wahlkampfes.

Nach dem Rücktritt der Regierung hatte im Januar 2026 auch Präsident Radew sein Amt niedergelegt, um bei der Wahl im April zusammen mit seinem neu gegründeten Parteienbündnis antreten zu können. Der frühere Jagdflieger fordert die Wiederaufnahme des Dialogs mit Russland und sieht sein Land dabei als Bindeglied. Waffenlieferungen für die Ukraine lehnt er ab, Vetos gegen EU-Beschlüsse bezüglich der Ukraine will er als künftiger Ministerpräsident jedoch nicht einlegen. Innenpolitisch hat sich Radew die Bekämpfung einer als korrupt empfundenen Oligarchie zum Ziel gesetzt.

Mehr zum ThemaNach Massenprotesten: Bulgariens Regierung tritt geschlossen zurück

Abbildung des Banners Meinung ist keine Straftat
Nach oben scrollen